


Segeln in der Karibik
Domenica
19.05.2003 |
4. Tag: Die Inseln unter dem Wind – jetzt wird mir das erste mal so richtig bewusst, was das bedeutet!
Gegen Mittag sind wir von Martinique in Richtung Domenica aufgebrochen und nun sitze ich mit baumelnden Füßen auf der hohen Kante der Peter und konzentriere mich auf den Horizont – ich bin seekrank. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet! Schließlich bin ich die Tochter eines Seemanns und auf Ost- oder Nordsee wurde mir noch nie kodderich. Ich schiebe es auf die langen Atlantikwellen und gucke aufs Meer, was ja nicht das schlechteste ist. Neben mir sitzt Yann und hat wohl eine ähnliche Gesichtsfarbe wie ich. Aber wir sind tapfer, nichts geht über die Reling und nach ein paar Stunden können wir schon wieder lächeln. Das ungute Gefühl geht so schnell es gekommen ist, kaum das Domenica in Sicht ist.
Mit der Dämmerung kommen wir in Küstennähe und werden mit kleinen Booten empfangen. Dies ist hier üblich, die „Einweiser“ übernehmen eine lotsenähnliche Funktion und leiten uns zu unserem Ankerplatz etwas südlich der Hauptstadt Roseau. Außer einem erfrischenden Bad im Meer schaffen wir heute alle nichts mehr und liegen, neugierig auf den morgigen Tag, früh in den Kojen.
5. Tag: Christoph, Wanka und Alix kennen die Insel bereits und haben uns mit Geschichten und Erlebnissen neugierig gemacht, der Reiseführer tut sein übriges. "Zuviel blau, zuviel Purpur, zuviel grün. Die Blumen zu rot, die Berge zu hoch und die Hügel zu flach" steht in meinem Reiseführer – na das kann ja nur furchtbar werden…
Gleich nach dem Frühstück brechen wir zur Landtour auf. Wanka und Alix hatten auf der letzten Reise die Möglichkeit, frische Grapefruits zu ernten und diesmal dürfen wir es auch. "SeaCat" (so nennt er sich wirklich), ein Local-Guide, fährt mit uns zu unserer Gastgeberin in die Berge.
An wild wachsenden Bananen- und Zitrusbäumen vorbei, durch winzig schmale Strassen, immer nur steil nach oben (teilweise müssen wir aus dem Auto steigen, da der Wagen die Steigung sonst nicht schafft). Der Blick aus den Bergen aufs Meer belohnt uns für alles – ein Traum und wie der Reiseführer angedroht hat: viel zu grün, zu blau und überhaupt furchtbar!
Während der ganzen Fahrt erzählt uns SeaCat von der Landschaft, der Insel und wie wichtig den Einheimischen die Natur ist. Früher hätten die Bauern Bananen und Zitrusfrüchte angebaut, aber heute können sie mit den Südamerikanern nicht mehr mithalten.
Auf den Feldern wird nicht gespritzt und es wird versucht umweltfreundliche Landwirtschaft zu betreiben. "Aber die Europäer wollen ja immer nur perfekte Früchte und möglichst groß. Dabei schmecken die kleinen immer viel besser." Recht hat er! Bei der verwilderten Plantage angekommen, können wir uns sehr schnell davon überzeugen. Wir dürfen kistenweise Grapefruits pflücken und die schmecken süß und saftig, so das man sie eigentlich überhaupt nicht als Grapefruits erkennt.
Auf dem Rückweg lassen wir uns in Roseau absetzen und erkunden, nach einem Marktbummel und weiteren Einkäufen, die Stadt. An den Häusern und der Bebauung merkt man sofort den Unterschied zu Martinique – Domenica ist Karibik pur. Einfach, aber mit bunten Häusern, freundlichen Menschen, kleinen Ständen an jeder Ecke und selbst die Schulkinder tragen bunte Schuluniformen.
An einer Strassenecke entdecken wir das "Corner House Café", eine Mischung aus Internet-Café, Wohnzimmer und Restaurant, und nehmen ein köstliches, typisch kreolisches Lunch.
Wir werden gefragt woher wir kommen und ob wir denn wissen, dass das Kubuli Bier von Deutschen gebraut wird – die Braumeisterin sei gerade da! Und tatsächlich: da ist man kilometerweit von Hamburg entfernt und lernt in der Karibik eine Braumeisterin kennen, die ursprünglich aus der Nähe von Hamburg kommt und jetzt hier auf Domenica Bier braut – wow!
Für heute Abend werden wir zu einem "Quizabend" im Corner House eingeladen der jeden Mittwoch stattfindet, doch erst mal gehen wir zu Fuß zu unserem Ankerplatz zurück.
Abends erwartet uns im "Corner House" eine Überraschung – es ist brechend voll mit einer Mischung aus Einheimischen und Europäischen Einwanderern aller Nationen. Ein spanischer Tauchlehrer, Franzosen von einer Art französischem Goethe-Institut, ein britischer Tourist sitzen bei uns am Tisch, eine junge Deutsche die mit Mutter und Kind nach Domenica ausgewandert ist, um einen kleinen Kutter für den Transport von Kleingütern zwischen den Inseln zu kaufen, unsere Braumeisterin von heute Mittag – kurz eine sehr bunte Mischung mit jeder Menge interessanter Geschichten. Alle nehmen an einem Spiel teil, das plötzlich unter allen Gästen gestartet ist und bilden Teams die Fragen wie bei „Wer wird Millionär“ beantworten – schwierige Fragen! Unser Team scheitert kläglich und wird mit einer großen Tüte Kubuli Bier und süffisantem Grinsen in die Nacht entlassen.
Für morgen haben wir schon sehr früh eine Verabredung mit SeaCat zu einer weiteren Insel Tour, hoffentlich ist das gute Kubuli Bier genauso verträglich wie Pils…!
6. Tag: SeaCat erwartet unsere noch etwas verschlafene Truppe schon. Christoph ist heute nicht dabei, er wird die Peter (alleine!) nach Portsmouth (im Nord-Westen der Insel) segeln, damit wir morgen nicht die Küste entlang sondern direkt Richtung Guadeloup segeln können.
Erste Station sind die Botanical Gardens oberhalb von Roseau, auf die die Insulaner besonders stolz sind. Seltene Bäume und Pflanzen aber auch gefährdete Papageienarten werden hier gehegt und gepflegt. Überhaupt macht der Botanical Garden nicht den Eindruck einer Touristen-Attraktion sondern eher den eines unter Schutz gestellten Parks. Alles sehr liebevoll und gepflegt. Am Rande der Anlage bietet sich uns ein traumhafter Blick auf die Bucht vor Roseau.
Gleich neben dem Park liegt ein großer Cricket-Platz auf dem eine Schulmannschaft trainiert. SeaCat versucht uns die Regeln dieses Nationalsports zu erklären – leider vergeblich… Dumme Touris! Die Fahrt geht weiter in die Berge.
Als Columbus die Insel entdeckte, beschrieb er ihren Anblick als zerknüllte Serviette und die turbulente Fahrt bestätigt uns seinen Eindruck! Je höher wir kommen um so dichter wird der Bewuchs. Überall sieht man sattes Grün und die Berge scheinen regelrecht zu dampfen. SeaCat reicht uns mehrmals während der Fahrt diverse Gräser, Nüsse, Früchte nach hinten, die wir versuchen zu erkennen. So wird die Fahrt zu einer echten Tour der Sinne. Es riecht nach Vanille (eigentlich eine Orchideen Art, die hier unscheinbar auf vielen Bäumen wächst), Zimt und Limone. Wir erschmecken Limonenblätter, Zitronengras, entdecken eine unscheinbare Baumrinde als Zimt, sind erstaunt das Mangos an langen Stielen wachsen.
Cashewnüsse, Muskat und Mandeln erkennt man kaum auf den ersten Blick, erst nach puhlen und knacken diverser Hüllen wissen wir, worum es sich eigentlich handelt. Guaven, Soursop, Passionsfrüchte, Brotfrüchte, Ananas und Ingwer sehen wir das erste mal wirklich wachsen und eigentlich auch schmecken. So frisch ist der Geschmack mit den Früchten wie wir sie in Europa bekommen nicht zu vergleichen.
Auf meine Frage, wie man die eine oder andere Frucht zubereitet bekomme ich die Antwort "You cook it, you peel it and then you eat it – or first you peel it and then you cook it and eat it. You can cook it with fish or with chicken and you eat it with rice or with sweet potatoes" – dies Beschreibung trifft auf alle Früchte und alle Zubereitungsarten zu und wir sollen sie nicht das letzte mal gehört haben …
Mittlerweile regnet es ohne Pause, wir sind nass bis auf die Haut und froh an unser nächsten Station anzukommen. Mitten an der Strasse steht ein kleiner Pavillon, an dem wir einen erfrischenden Drink nehmen. SeaCat und sein Kumpel stehend rauchend (nein – keine Zigaretten) an der Bar und trinken ein Gemisch aus Erdnussbutter, Limone und Rum – leichtsinnigerweise probiere ich davon, schaffe aber nicht mal einen halben Becher.
Von hier aus geht es zu Fuß weiter durch den Regenwald.
Wir befinden uns mitten im Trois Pitous National Park und vor uns liegen die Trafalger Falls, Zwillingswasser deren Mündung wir über Steine und Felsen erklettern.
Vorsorglich haben wir alle Badesachen unter und können am Fuße des einen Wasserfalls baden. SeaCat zeigt uns den Weg hinter den Wasserfall und zieht uns nacheinander in eine winzige Höhle wo das Wasser direkt vor unseren Gesichtern vorbei rauscht. Über eine Wasserrutsche geht es zurück in den See. Ein Erlebnis und Fun pur! Leider habe keine Fotos machen können, es regnet immer noch und in der Nähe der Wasserfälle ist es eh zu Nass.
Der Rückweg führt uns entlang der Ostküste durch das Carib Territory, dem „Reservat“ der letzten Caribian Indianer. Wir dürfen eine Familie besuchen und bekommen stolz alles gezeigt. Wir werden gebeten, die Kerne einer Frucht abzugeben, die wir auf dem Hinweg gegessen haben und bekommen sie mit Rohrzucker, warm und frisch geröstet zurück. Zu unser aller Überraschung ist es Kakao (ich hätte niemals erwartet das man Kakao auch als Frucht essen kann, sowas!). Die Familie baut von Kohl und Kartoffeln über Zuckerrohr, Bananen und Papayas bis hin zu Kakao und Kaffee für den eigen Bedarf alles selber an. Leben tun sie aber von dem Verkauf traditioneller Handarbeiten wie Körben oder ähnlichem.
Wir bekommen noch eine Staude Bananen und grüne Papaya mit auf dem Weg. Auf die interessierte Frage von uns, wie man diese grüne Papaya denn zubereitet hören wir wieder „You cook it, you peel it and then you eat it with fish or chicken“ ...O.K., wir haben verstanden!
Ein unglaublicher Tag! Voller Eindrücke und reich an Gewürzen und Früchten kehren wir in Portsmouth zurück an Bord. Morgen werden wir Richtung Guadeloupe wieder in See stechen, Ziel sind die Iles des Saints (die gesegneten Inseln – wie schön!). Sie gehören wie Guadeloupe zu Frankreich und werden wieder ganz anders als Domenica sein.
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- Name
- Ulrike Kretschmer
- Alter
- 36
- Ort
- Hamburg
- Webseite
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Alle Reisen von Ulrike Kretschmer
Segeln in der Karibik
Von Martinique im Süden des Karibischen Meers über Dominica, Guadeloupe bis hinauf nach Antigua geht die Reise der 10 selbsternannten "Mojito Schnorklers um Ulli Kretschmer, Skipper Christoph und Crew.
Vorbei an einsamen Palmenstränden und bunten Fischerdörfern, dichtem Dschungel und felsigen Gipfeln.
Die 18 Meter lange Segelyacht "Peter von Seestermühe" von 1936 war lange Zeit das Flaggschiff des Akademischen Segler- Vereins (ASV) in Kiel.





























