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Back in Auckland

05.11.2003 |

Inzwischen kommt es uns vor, als wären die meisten Touristen in Neuseeland doch nicht Japaner, sondern Deutsche. In den letzten beiden Tagen haben wir an verschiedenen Touristensammelpunkten nur Deutsch gehört und gesprochen. Ist Deutschland doch um die Ecke und nicht 20.000 km weg?

Wir verbringen den Tag am Hot Water Beach und warten auf die Ebbe, die gegen halb sieben die heissen Quellen am Strand freilegen soll. Zwischendurch versuchen wir vergeblich nach einer Möglichkeit, unsere Reiseberichte zu verschicken, was sich nicht immer als ganz einfach erweist.

Als wir gegen sechs gespannt an den Strand gehen, laden ganze Busse neugierige Gäste aus und wir beschliessen nach einem kurzen Bad im eiskalten Ozean den Rückzug und fahren nach Waihi Beach weiter südlich, wo wir am Strand die Nacht verbringen.

Als uns am Morgen die Sonne weckt, blicken wir auf einen wunderschönen Strand, den wir mit Muschelnsammeln und einem Spaziergang erkunden. Nachmittags fahren wir über die bergigen und kurvigen Straßen weiter südlich nach Rotorua, wo wir uns am Lake Rototua einen gemütlichen kleinen Campingplatz suchen, um unser Wohnmobil wieder mit Wasser und Strom aufzuladen. So langsam sehen wir uns zu erfahrenen Campern werden (die Lehrstunden bis dahin behalten wir allerdings lieber für uns).

In Rotorua ist die Geschichte der Maoris für die zahlreichen Gäste, die die Stadt anscheinend das ganze Jahr über durchlaufen, sehr gut aufgearbeitet und wir entscheiden uns für einen Besuch im Maori Arts and Crafts Center, wo wir die Holzschnitz- und Webkunst der Maori bewundern, Nachbauten eines kleinen Maori Dorfs ansehen, in einem abgedunkelten Gehege einen der inzwischen seltenen Kiwis bestaunen und an schwefelduft-verbreitenden Geisiren vorbeiwandern.

Da Rorotua in einer Gegend liegt, in der immer noch zahlreiche Geisire und Schlammlöcher fröhlich brodeln (und ziemlich penetranten Schwefelgeruch verbreiten), kommen wir im Laufe des Tages auf unserer Weiterfahrt nach Taupo noch an zahlreichen "Thermal Wonderlands" vorbei. An einem der blubbernden Mudholes sehen wir gegen Abend zwei weitere Camper stehen und nach einem kurzen Gespräch stellt sich heraus, dass unsere Nachbarn aus Holland und der Schweiz sind und so verbringen wir die Nacht unter europäischen Nachbarn.

Auf dem Weg Richtung Taupo folgen wir dem Waikato River (dem längsten Fluß Neuseelands), der an verschiedenen Stellen mit beeindruckender Macht durch die Schluchten schießt und daher an einigen Stellen zur Stromerzeugung genutzt wird.

Als wir in Taupo ankommen, läßt uns der Regen leider die Lust auf einen Spaziergang am Lake Taupo (einem riesigen Vulkan Krater) vergehen, wir suchen uns in Turangi, der letzten kleinen Stadt am Südzipfel des Lake Taupo einen Schlafplatz und hoffen auf besseres Wetter am nächsten Morgen.

Nicht nur alle Jahreszeiten an einem Tag hat Neuseeland zu bieten, sondern auch die verschiedensten Landschaften. Am Morgen machen wir uns auf der Desert Road Richtung Süden auf. An schneebedeckten Bergen vorbei fahren wir durch ein wüstenähnliches Gebiet, das von der neuseeländischen Army zu Übungszwecken genutzt wird. Warnschilder weisen nachdrücklich darauf hin, dass man wegen der Explosionsgefahr besser nicht zu weit von der Straße abkommt. Nichtsdestotrotz bietet die Desert Road eine beeindruckende Kulisse am Rande des Tongariro National Park.

An dessen südlicher Spitze beschliessen wir, entlang des Wanganui River zu fahren und damit den komfortablen State Highway hinter uns zu lassen und ihn gegen eine Fahrt entlang des Wanganui River hinunter ins Tal einzutauschen. Die über 90 Kilometer, die wir nun hinter uns bringen, gehören zu den schönsten aber auch abenteuerlichsten unserer Reise bislang: Über enge und sehr kurvenreiche Splitt- und Kieselwege fahren wir dem Flusslauf folgend hinunter nach Wanganui an der Westküste. Rechts von uns geht es meterweit in die Tiefe, links liegt dichtester Wald.

Wir machen einen kurzen Zwischenstop in einem kleinen Dorf, wo wir mitten in den Bergen einen alten aufgebockten Flusssdampfer entdecken. Zur Jahrhundertwende wurde der Wanganui River gerne mit den Dampfern befahren. Dieser letzte bietet mitten im Wald nun ein kurioses Bild. Anschließend fahren wir noch stundenlang den Berg hinunter, ohne überhaupt jemandem zu begegnen (was auch gut ist, da Ausweichmanöver auf den kleinen Wegen eher waghalsig sind). An verschiedenen Stellen halten wir an und geniessen den wunderschönen Blick ins Tal.

Als wir schließlich ziemlich druchgerüttelt in Wanganui ankommen, können wir kaum glauben, wieder unter Menschen zu sein und suchen und an der Küste einen Schlafplatz. Was für ein Tag: Wüste, Regenwald und schließlich die Klippen der Westküste Neuseelands.

Hier haben wir nun das Gegenteil zum Strand an der Pazifikküste: Der schwarze Sand und die etwas rauhere See bieten einen schönen Kontrast zu Waihi und dem Hot Water Beach. Wir beobachten zwei alte Männer beim Krebsfischen und spazieren in Sonnenschein und dem rauheren Wind auf dem schwarzen Sand entlang.

Nachmittags fahren wir auf dem sogenannten Surf Highway (und das, obwohl wir keinen einzigen Surfer sehen) um den Mount Egmont an der Westküste nach New Plymouth, wo wir uns allerdings nur kurz mit Lebensmitteln versorgen und uns – immer noch voll von allem, was wir gestern gesehen haben – einen Schlafplatz suchen.

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Gerrit Peters
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Hamburg
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Graffiti Down Under

Im November/Oktober 2003 reisten der Hamburger Graffiti-Künstler Gerrit und seine Freunde Heike für sechs Wochen mit Rucksack, DigiCam und Notebook durch Australien und Neuseeland.
Stationen der Reise sind Bangkok, Sydney, Melbourne, Auckland (wo es kurz vor Abreise eine Ausstellung mit Tasek geben wird) und eine kleine Rundfahrt durch Neuseeland.