SpanienIbiza Special

Der Ruf der Hippy-Insel läßt sich nicht so schnell abschütteln.

01.09.2001 |

Doch was als neue Weltanschauung vor mehr als 30 Jahren begann – und sich auf Ibiza als europäischer Zufluchtsort und Treffpunkt etablierte, hat sich stark gewandelt. Man kann auch sagen, es hat sich den gesellschaftlichen Vorgaben angepasst.

Die ehemalige Hippy-Bewegung ist stark geschrumpft und nur noch in einer ausgesprochen kommerziellen Form anzufinden. Ende der 60er Jahre wurde die Insel aufgrund ihrer Ursprünglichkeit und den vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten zum Anlaufpunkt diverser Blumenkinder aus Kalifornien. Im Winter reisten sie nach Indien und den Sommer verbrachten sie dann auf der Mittelmeerinsel. Finanziert wurde das Ganze aus den Verkäufen von Lederwaren und Schmuck, der aus Indien mitgebracht und an den Ständen am Punta Arabi wieder verkauft wurde. Die Stände wurden immer zahlreicher und so entstand der berühmteste Markt im Mittelmeer, der Hippy-Market – Mittwochs von 9.30 – 19.00 in Es Canar.

Heute sieht die Sache etwas weniger ursprünglich aus. Wie hippy kann ein Markt sein, auf den bereits am Hafen von Eivissa und St. Eulari mit großen Tafeln hingewiesen wird und für den extra *ein Bootstransfer im Stundentakt eingerichtet wurde? So eingestimmt, werden die Erwartungen nicht enttäuscht. Fährt man mit dem Auto, kann man sich schön in die Schlange bei St. Eularia einordnen und es dann für 500 Ptas. auf dem Parkplatz abstellen. Ganz austeigermäßig läßt es sich dann mit den anderen Pauschalreisenden über den Markt bummeln (oder schieben). Schöner Flohmarkt, das. Ein paar von den alten Recken hält sich zwar noch tapfer mit Wasserpfeifen und Batiktüchern in den Reihen, aber das kann man wohl nicht ganz ernst nehmen. Der Rest erstaunt durch pittoreske Karikaturmalerei oder lustige Buddahs für jede Lebenslage.

Die meisten der ehemaligen Blumenkinder verzichten mittlerweile auf die Winterreise nach Goa und haben sich ganz auf Ibiza niedergelassen. Da sie mit den Verkäufen ihren Unterhalt auf der Finca sichern, trifft man sie eigentlich alle wieder – Hippy-Märkte gibt es auf der Insel genug. In den Ramblas in St. Eularia werden täglich Ledergürtel, Silberschmuck und afrikanische Trommeln ausgestellt, ebenso am Hafen von Eivissa am Abend.

Die große Konkurrenz ist jedoch der Markt in dem Restaurant Las Dalias in San Carles. Hier entsteht Samstags (10.00-18.00 Uhr) im Finca-Garten doch noch etwas von der Atmosphäre, die Ibiza in den 70er Jahren berühmt gemacht hat. Die Stände wirken nicht so gewollt wie in Es Canar und hier gibt es sie noch, die vor 20 oder 30 Jahren kamen und geblieben sind. Man kennt sich, tauscht Neuigkeiten aus und wer sich für das eine oder andere interessiert, muss mal beim Nachbarstand gucken, wo denn der Typ von dem Stand nun ist.

Der Anteil an selbstgemachten Erzeugnissen (von Kräutertees, über Seifen, Aromaöle bis zu Musikinstrumenten) ist vertrauenerweckend hoch. Die Information, wo der größte Johannisbrotbaum oder die ältesten Olivenbäume der Insel stehen oder welche Pflanze gegen Sonnenbrand hilft, gibt es dazu. Das Gespräch scheint hier genauso wichtig wie der Verkauf. Mittwochabends findet in Las Dalias "Namasté Experience" statt, mit Live-Musik, Tanz- und Performancekünstlern – Ende August fand sich hier auch Nina Hagen wieder zum Trommeln ein.

Wie bereits erwähnt, scheint es Hippy-Ibiza vorwiegend aus verkaufstechnischer Sicht zu geben. An allen Stränden sind kleinere Stände (manchmal auch nur auf dem Sand ausgebreitete Tücher), an denen Bikinis und die unvermeidlichen Pareos verkauft werden – eine letzte Reminiszenz an Indien? Niemand muss sich um die angebrachte Strandbekleidung sorgen, denn die hübschen Ladies wandern auch von Bar zu Bar.

Die neue Hippy-Generation, so es sie denn gibt, trifft sich neben der Party-Crowd an der Sa Trincha Bar – immer noch ein ganz entspannter Platz im Hier und Jetzt – Ambient-Sound inklusive. Doch auch wenn er nicht mehr so richtig zu spüren ist, der Vibe der 68er, so existiert er dennoch etwas versteckt im Norden der Insel, in der Gegend um San Juan und San Carles. Dort haben sich viele ihren Aussteigertraum in einer alten Finca verwirklicht.

Dass von Ihnen noch einige auf der Insel geblieben sind kann man erleben, wenn man Samstags auf den Öko-Markt nach San Juan fährt. Bei Km 17,9 geht es links über schmale Feldwege zur Finca Can Sort. Dort trifft man sich im Garten einer Bilderbuch-Öko-Finca. Neben Tipis stehen Tische und Bänke und drinnen wird in einer reichlich antik anmutenden Küche gekocht, was der bewusste Öko-Leitfaden hergibt.

Also, liebe Zeitreisenden, scheut keine Mühe und begebt Euch auf die Suche, es ist noch nicht zu spät für Hippy-Ibiza.

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Stephanie Janßen
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Alle Reisen von Stephanie Janßen

Ibiza Special

Für einen Sommer haben Stephy und Andreas ihre Wohnung in Hamburg gegen ein Haus auf Ibiza eingetauscht, um dort zu leben und zu arbeiten - oder umgekehrt. Die beiden erzählen Euch vom Leben hinter und neben den Fassaden der Schaumparties.
Von chilligen Strandbars, kleinen Ateliers, trendigen Restaurants, Hippie-Leben - und natürlich auch von den coolsten Parties.