Neujahr in Beijing
Die Mauer
19.02.2007 |
Heute war also die Große Mauer angesagt. Ein absolutes Muss, wenn man einmal in China ist und die Gelegenheit hat. Den Trip nach Mutianyu hatten wir übers Hostel gebucht, inklusive Ming Gräber für 180 Yuan (18 Euro).
Also morgens gegen acht mit einer Gruppe von 8 Leuten los, die gegensätzlicher nicht hätte sein können. Zusammen mit einem älteren Ehepaar aus Frankreich und einer jugoslawischen Familie, die offensichtlich vor einiger Zeit nach Amerika ausgewandert war. Damit hatten wir osteuropäische und amerikanische Kultur gemixt in vierfacher Ausführung vor uns sitzen!
Zunächst sollte es direkt zu den Ming Gräbern gehen. Das dachten wir auf jeden Fall, bis wir nach gut 40 Minuten den ersten Stopp bei einer riesigen Jade Manufaktur machten. Und mit uns hunderte andere Touristen. Als Attraktion gab es eine kurzen Vortrag über verschiedene Jadesorten, und wie Jade zu den kleinen Figuren weiterverarbeitet wird, die nachher dann im Laden stehen. Und dann wurde uns großzügig eine halbe Stunde gewährt, um im Shop nebenan möglichst viel Jade zu kaufen. Toll. Wir wollten zur Mauer und nicht in einen Shop.
Egal, dann ging’s irgendwann weiter zu den Ming Gräbern, genauer gesagt nach Zhao Ling zum Grab des Kaiseres Longqing. War ganz nett zu sehen, wie die Kaiser sich damals das Leben nach dem Tod, oder besser den Tod selbst, vorgestellt haben. Für ausreichend Grabkammern für den Kaiser selbst und seine zahlreichen Frauen war auf jeden Fall gesorgt. Hat uns jetzt aber auch nicht total vom Hocker gehauen.
Na gut, danach sollte es dann endlich zur großen Mauer gehen. Oder doch nicht? Nein, erstmal wurden wir noch zu einer weiteren Jade Manufaktur geschleppt, wieder eine halbe Stunde vertrödelt, langsam wurden wir echt sauer. Egal, schließlich ging es dann doch noch weiter, um das Mittagessen einzunehmen.
Hm, und wo kann man am besten Mittag essen? Richtig, in einem Restaurant, welches direkt an einen Jade Shop angeschlossen ist. Langsam war das Maß echt voll! Wir wollten eine Tour zur Mauer machen und keine Butterfahrt!
Nach dem Essen sollte es dann tatsächlich zur großen Mauer gehen. Was folgte, war jedoch die gefährlichste Busfahrt, die ich in meinem ganzen Leben erlebt habe. Man stelle sich zunächst einen etwas heruntergekommenen Kleinbus mit 8 ahnungslosen Touristen, einem Reiseführer und einem schlecht bezahlten Fahrer vor. Dazu der Zeitdruck, die Touristen durch möglichst viele Shops zu schleusen, eine sehr kurvenreiche Strecke in die Berge, die allgemeine chinesische Sorgfalt und das große Verantwortungsbewusstsein, welches jedem Chinesen quasi in die Wiege gelegt wird.
Das Ergebnis dieser Formel war eine Fahrt, bei der grundsätzlich kein Unterschied zwischen linker und rechter Fahrspur gemacht wurde, Kurven dazu noch permanent viel zu schnell angesteuert wurden und die Hupe im Dauereinsatz war. An den unübersichtlichsten Stellen wurde ohne Rücksicht auf Verluste überholt. Kam uns dann doch ein anderes Auto zur Unzeit entgegen, wurde heftig gebremst und weiter gehupt. Ein paar mal hat es uns fast erwischt. Man kann nur von Glück sagen, dass die Reifen des Busses so schlecht waren, denn wären wir nicht vorher durch mangelnden Gripp langsam aus der Kurve getragen worden, so wären wir sicherlich umgekippt, denn so ein Kleinbus liegt nicht wie ein Sportwagen auf der Straße.
Nachdem diese Katastrophenfahrt endlich beendet war und wir an der Mauer angekommen waren, bot sich uns allerdings ein wunderschöner Blick über gut erhaltene bzw. restaurierte Teile. Die chinesische Mauer ist ein wirklich beeindruckendes Bauwerk, welches sich an oft sehr steilen Hängen durch die Berge schlängelt. Pro Kilometer wurde angeblich ein Wachturm gebaut. Wow, das ist echt viel, wenn man bedenkt, dass die Mauer einmal über 6000 Kilometer lang war!! Grundsätzlich ist die Mauer zwischen 5 und 10 Metern hoch und hat mehr Stufen, als alles andere, was ich bisher gesehen habe. Anders war es wohl nicht möglich, die großen Höhenunterschiede zwischen den Wachtürmen zu bewältigen. Aber macht Euch am besten selber ein Bild und schaut Euch die Bilder an, die sagen mehr als tausend Worte.
Wie nicht anders zu erwarten ging es nach nur eineinhalbstündigem Aufenthalt wieder zurück nach Bejing, jedoch nicht nach Hause, sondern zunächst zur Massage und dann zu einer Teezeremonie. Das uns bei diesen Gelegenheiten wieder vielfältige Produkte zum Kauf angeboten wurden, ist wohl selbstverständlich!
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