IndienUrlaub in "Ingien"

Indischst ins Blaue gefahren

21.09.2003 |

Jodhpur. Geburtsort von Reiterhosen, zweitgrösste und blaue Stadt Rajasthans.

Der Anstrich der Häuser in Indigo geht auf die Kaste der Brahmanen (Priester und Gelehrte) zurück, erwies sich jedoch als wirkungsvoll gegen Insekten und wurde daher auf auch andere Stadtteile ausgeweitet.

Beste Ausblicke darauf garantiert das Meherangarh Fort (200 Rs Studiepreis inkl Audiotour), in dem man sich die Dekadenz besserer Zeiten lebhaft vorstellen kann. Der heutige Maharaja residiert auch nicht gerade unkomfortabel im Umaid Bhawan Palace, gleichzeitig Luxushotel und Minimuseum, das seine 50 Rupies Eintritt nicht einmal für den flüchtigen Blick in die gigantische Hotellobby wert ist.

Es gibt ja die gewissen dont's des Reisens, an die man sich halten sollte. Wie zum Beispiel keinem Einheimischen zu trauen, niemals auf der Strasse zu essen, in Malariagebieten nicht unbedingt länger zu bleiben als notwendig, erst recht nicht ohne Prophylaxe, und auf keinen Fall zu dritt Zweirad zu fahren, nur weil das hier alle so machen, da man es spätestens bereut, wenn man sich irgendwo zwischen, vor, hinter, neben Taxis, Rickshaws, Fahrrädern, Fussgängern, Kamelkarren, Lastern, Treckern, Hunden und Kühen wiederfindet, die vorwärts, rückwärts, kreuz und quer und falschrum oder gar nicht fahren.

Gegen den Ehrenkodex zu verstossen ist für niemanden gut, schon gar nicht für die eigene innere Ruhe, aber es schadet auch nicht zwangsläufig – genauso, wie man gerne mal ein bisschen paranoid sein darf, sich nur bitte nicht die Ferien davon verderben lässt, kann man auch mal ein wenig Leichtsinn an den Tag legen. Ich versuche natürlich vorbildlich zu reisen. Das klappt auch manchmal fast.

In Jodhpur war ich jedenfalls statt auf konventioneller Sightseeingtour eher "indisch" unterwegs und in freundlicher Gesellschaft bestens aufgehoben. Govind leitet mit Anfang zwanzig schon den Familienbetrieb, das Durag Niwas Guesthouse, in dem ich länger als geplant versackt bin (das Allerbeste! Hin da!!) Sicherlich werden es einige der unvergesslichsten Momente aus Indien sein.

Auf Schleppertour für neuankommende Touristen habe ich glatt Larissa aus Australien bzw. Pushkar aufgegabelt. Fernab vom Tourismus fand das Freitagsgebet für die Göttin Santoshimata mit der Anwesenheit meiner Wenigkeit statt. Einige Kilometer fernab von allem haben wir, begleitet von Jakalgeheul und Millionen von Fröschen, in den Sternenhimmel mit Über-der-Wüste-Ausmassen gestarrt.

Dort lebt nur ein Sadhu, der im Freien schläft und sein Leben komplett Shiva gewidmet hat. Da er sich von uns keineswegs stören liess, kam das Erlebnis seiner Pujas dem Vergnügen unbemerkter Zuschauer gleich.

Das Gebimmel allerdings, dass die Hindus erzeugen, um die Aufmerksamkeit ihrer Götter für ihre Gebete zu erlangen, ist selbst für Unsichtbare ohne EarPlugs nicht auszuhalten. Und schliesslich folgte die Einladung nach "Kleinpakistan" zu einem muslimischen Freund, dessen kleine Schwester schon immer mal jemanden mit Henna verschandeln wollte.

Mit Govind verabreden wir uns für Indien in ein paar Jahren, oder Deutschland und Australien davor. Bevor Larissa und ich uns dort oder in Südamerika wiedersehen, schicken wir uns erst noch ein paar Tage gemeinsam in die Wüste.

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Heike Schwarzpelz
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35
Ort
Bremen
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Alle Reisen von Heike Schwarzpelz

Urlaub in "Ingien"

Urlaub in "Ingien" heisst zu Besuch bei Inga - in Indien. Meine alte WG-Kumpanin macht derzeit ein 6-monatiges Praktikum in der deutschen Botschaft in New Delhi. Von hier aus geht es mit Notebook und DigiCam im Rucksack in holperigen Bussen und Zügen in Richtung des Himalaya, der Thar-Wüste, an den Strand, durch allerlei Städte oder auch ganz woanders hin. Mal sehen.
Die nächsten vier Wochen ist morgen auch noch ein Tag.