Urlaub in "Ingien"
Von Yogamonstern, tausendundeiner Nacht und den Freuden der Kommunikation
15.09.2003 |
11.09.: Wie die ausserindische "Miss Friend" zum Yogamonster wurde.
Die europäische Delegation (Frankreich, Schweden et moi) absolviert ihre erste Yogastunde. Yogi Ajay gibt eine kurze Einführung in die Yogiwissenschaft (Fazit: Yoga ist alles) und leitet uns anschliessend zu den waghalsigsten Verrenkungen an. So gänzlich unbekannt ist das alles gar nicht, hat man sich doch mit der ein oder anderen Übung schon mal gedehnt.
Wie the master himsellf sich allerdings um einen Pfeiler schlängelt, seine Beine verknotet oder sich komplett zusammenklappt wie einen Ikeatisch, ist höchst abenteuerlich. Für mich selbst befürchte ich fast Muskelkater morgen, aber dann gibt es zum Glück Entspannung zu "OOOOOOOOOOMMMMMMMMMMMMMMMM" und einem halbstündigem Sanskritrap. Schliesslich freut sich Herr Yogi wie ein kleines Kind darüber, dass ich ihn filmen will, nur leider mag er nicht mehr spektakulär vorturnen, sondern gern seine Botschaft nochmal in knapp 2 Minuten zusammenfassen. Na gut.
Nur waren seine weisen Worte im Original schon schwer verständlich (ausser dass Yoga alles ist) und müssen an dieser Stelle deshalb leider vorenthalten werden. Yoga ist alles, Punkt. Dem nicht genug kramt er aus seinem schnittigen Tornister mit Weihnachtsmännern drauf ein Adressbüchlein hervor und freut sich und freut sich, da er ja auch bald gern wieder nach Deutschland reisen möchte.
Falls jemand dem guten Mann noch eine grössere Freude bereiten möchte, mobilisiere er bitte eine Yogagruppe, lotse den Meister herbei (Adresse habe ich ), dann bekommt er nämlich leichter ein Visum. Und das freut ihn.
Next Stop Haridwar.
Da hatte mal wer eine gute Idee und die Hälfte der Hauptstrasse nur für Fahrradrickshaws erlaubt, was es auch nicht viel leiser und erträglicher macht. Lieber gleich in den Sessellift und hinauf zum Mansa Devi Tempel, von dem man eine grandiose Aussicht über den Ganges und die Ausläufer des Himalayas hat. Das Yogivideo scheint die Speicherkarte überfordert zu haben, und so rückt sie zur Zeit leider keine Fotos heraus.
Auf dem Abstieg komme ich an zahlreichen Buden vorbei, die Kokosnüsse und Zubehör als Opfergabe verkaufen. Unten am Ganges werden kleine Schiffchen aus Bananenblättern dargebracht, die – mit Blumen gefüllt – um ein langes Leben der Familie bitten sollen.
Würde ein kleines grünes Männchen über den Planeten Erde stapfen, vielleicht würde es sich so fühlen, wie jemand, der der einzige Nichtinder in dieser Stadt zu sein scheint. Das bin ich, wer sonst. "Miss Friend", die für kleine Kinder nicht einmal Schokolade übrig hat, auf dem Weg zurück nach Delhi.
Freitag, der 12.09., in vier Sätzen:
Das ist Indien: Ich verzweifle in Delhi an Rickshaws, sturen Köpfen und überlasteten Telefonleitungen. Zusammen mit Inga und Anja fahre ich erträgliche 5 Stunden im unerwartet erträglichem Bus nach Jaipur. Drei Leute mit zwei Reisepässen sind einer zu wenig: das grosse Vergehen gegen die indische Ordnung fordert stundenlange Bestrafung, bis der Papierkrieg zu unseren Gunsten endet.
13.09.: Jaipur, the pink city.
Orient olé. Rosa Paläste, Kamele, Maharajas, Edelsteine und viel Tammtamm. Im geräumigen City Palace bestaunen wir Mogul-Architektur und Miniaturmalerei. Noch mehr hat es uns jedoch ein Strassenfotograf und seine 100jährige Kamera mit integriertem Fotolabor angetan, die immerhin handfeste Fotos hergibt und nicht solche Spirensken wie eine digitale macht…
Jaipur ist um einiges symphatischer als Delhi, hat aber auch seine ermüdenen Seiten. Die Rickshwawfahrer geniessen (zu Recht) einen üblen Ruf, auf jeden Schritt soll man in ein Geschäft geschleppt werden, und Travelkollegen auf GanjaTour bereiten schlaflose Nächte. Trotzdem sehr empfehlenswert: Das Evergreen Hotel (250 Rupies für 3 Personen), ob des netten Gartens.
Glücklicherweise macht man auch noch Bekanntschaften wie Anil. Der hat ein kleines Schmuckgeschäft genau gegenüber dem Hawa Mahal (Palast der 1000 Winde), lädt uns auf einen Chai ein und freut sich einfach, mal wieder ein bisschen auf deutsch schnacken zu können und in Erinnerungen an München zu schwelgen. Bei Besuch bitte nen schicken Aufkleber von zu Hause mitbringen. Oder das Göttinger Gänseliesel und Anja (NDR) im Evergreen Hotel abbügeln.
14.09.: Ambercaramba
Als erste Tat komme ich heute Nr. 23 der 101 things to do des staatlichen Hochglanzprospektes von incredible India nach: "check out the sunday newspapers matrimonial advertisments", eingeteilt in Rubriken nach Region, Sprache, Religion und Kaste. Wirklich sehr "amusing".
Mit alterschwacher Rickshaw tuckern wir später zum Amber Fort. Grossartige Aussichten auf weit reichende Festungsmauern, die wie die Chinesische anmuten, karge Plateaus und Wasserlöcher mit badenden Elefanten erwarten uns, ebenso wie Bildzeitungsverkäufer, Männercliquen, die uns wie Mückenschwärme umschwirren und Tipps zur Einreise nach England brauchen oder einfach nur gaffen wollen. Wochenende vorbei. Anja und Inga ruft die Arbeit, und mich der Wunsch nach Entspannung…
15.09.: Kommunikation ist alles – Hindi Essentials, vom Nerv des indischen Netzes und einer Livereportage
Das wichtigste auf Hindi zu sagen, ist eigentlich gar nicht mal so schwer. "Namastee", "Guten Tag". "NÄÄY!!", also wie "nee" mit nordischem Akzent, heisst NEIN, und das heisst ja schon mal viel. "Schukrija", "Danke", kann man ab und zu ja auch einwerfen. "Ti kää", oha, das ist besonders wichtig, bedeutet soviel wie "in Ordnung", und das sagt man hier oft. Sagt man, wohlgemerkt.
Was bislang kaum zu erkennen war: dies soll ein Livebericht sein. Allein es scheitert am System, oder doch eher an Miss Friends schlechtem Karma? Wer weiss. Nachdem jedenfalls der Reihe nach der Laptop, das Diskettenlaufwerk, die Speicherkarte und Miss Friend den Geist aufgegeben hatten, tat Indien sein Bestes alles noch verworrener, und vor allem noch langsamer zu gestalten.
Ist der Stundensatz für Internet billig, ist es die Verbindung auch. Also besser den AOL-Einwahlknoten knüpfen. Beispiel Delhi: Ich kurve Stunden für ein Telefon zur Datenübertragung herum.
- Problem 1: Es ist kein geeignetes aufzufinden.
- Problem 2: Wenn, so wird der Anschluss, weshalb auch immer, für meine Zwecke verweigert.
- Problem 3: Es funktioniert einfach nicht.
Genau heute aber, nach einer Woche, der Investition in endlose Stunden in Internetcafes, Computer- und Telefonshops, noch mehr Rickshawfahrten, noch mehr Rupies und einem verfallenem Busticket nach Pushkar, tritt das Unglaubliche in Erscheinung: "Ti kää", es geht. (Fragt sich nur wie lange…)
Jetzt komme, was wolle. Ich kann raus aus Jaipur, weiter durch Rajasthan, dem Land des Palace on wheels, weiter zwischen Rucksack, matajis, babajis, bhais und behns (Mama, Papa und die ganze Kinderschar) als Ölsardine über die Landstrasse poltern, heute ist das alles schnuppe.
"Subrati" oder so, gut's Nächtle. Ab morgen lerne ich die Zahlen.
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- Name
- Heike Schwarzpelz
- Alter
- 26
- Ort
- Bremen
- Webseite
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Alle Reisen von Heike Schwarzpelz
Urlaub in "Ingien"
Urlaub in "Ingien" heisst zu Besuch bei Inga - in Indien. Meine alte WG-Kumpanin macht derzeit ein 6-monatiges Praktikum in der deutschen Botschaft in New Delhi. Von hier aus geht es mit Notebook und DigiCam im Rucksack in holperigen Bussen und Zügen in Richtung des Himalaya, der Thar-Wüste, an den Strand, durch allerlei Städte oder auch ganz woanders hin. Mal sehen.
Die nächsten vier Wochen ist morgen auch noch ein Tag.



