IndienUrlaub in "Ingien"

Äusserst unausgeschlafen im Rishiregennerv

09.09.2003 |

Schlafe ich eine Nacht gar nicht, verschwindet der Jetlag nach Osten fast wie von selbst, aber auch leider erst dann. Der Tag ist also nicht gerade prädestiniert für gute Laune. Aufstehen um fünf macht es nicht besser.

Im komfortablen Shatabdi Express (Delhi bis Haridwar, 430 Rupies, ca. 4 Std) kommt langsam Vorfreude auf. Draussen grünt es vor sich hin, und trotz ab und an von einigen Müllhalden und Barackenbauten durchzogen, möchte man es gar ländliches Idyll nennen.

In Haridwar, eine der heiligsten Hindustädte Indiens, ist es damit wieder vorbei, was es von Rishikesh – obwohl seit den Gurumeetings der Beatles als die Yogitown schlechthin im Westen verschrien – nicht sonderlich unterscheidet. Sofort ist man von zwanzig Menschen umringt, die einen in ihr Taxi verfrachten wollen, der chaotische Verkehr, Lärm, schwüle Luft, Gestank, Kot und Kühe benebeln die Sinne und hmpf, ich will jetzt nur Ruhe verflixt, sonst nix!

Schweissgebadet erreiche ich das Brijwasi Palace Hotel im Swrag Ashram ("Himmel"), wo es zwar nicht mehr ganz so besinnlich, aber immerhin überhaupt noch zugehen soll. Naja. It's been a hard day's night…

Wie sollte es auch anders sein, als dass man einen Antrag auf Unterkunft ausfüllen müsste… Dann zwei Stunden im "Internetcafe" darauf warten, dass die Verbindung länger als 2 Minuten stabil bleibt. Wieso muss Indien denn in mancher Hinsicht so furchtbar kompliziert sein, vor allem, wenn ich eh unausgeschlafen bin und nicht gerade ein Meister der Geduld.

Mein Magen meldet sich zu Wort. Mit einem Lassi (Buttermilch, oft mit Wasser unbekannter Herkunft gestreckt) ohne Durchfalltendenz und einem kuriosen Ausblick über den Ganges werden wir beide etwas besänftigt. Wenn das allerdings dem Lonely nach "klares" Wasser sein soll, möchte ich niemals nie nach Varanasi pilgern. Für mich heisst das hier schlammfarben, aber wahrscheinlich liegt es einfach an der Regenzeit.

Statt nach Varanasi lieber auf kleine Wanderschaft am "sauberen" Teil des Flusses entlang. Dabei begegnen einem die merkwürdigsten Gestalten: In orange gehüllte Yogis am Flussufer, Gandhidoubles, Cliquen von Sikhs, die ihre Haarpracht unter Turbane zwängen (schneiden verbietet die Religion) und ihr Hab und Gut unter und in Bäumen ausgebreitet haben, ausgestiegene Blondinen, von einem Hauch ganja umgeben, die sich trotz der allgegenwärtigen Rinderpräsenz in den Strassen tapfer barfuss fortbewegen oder um die Leihgabe von 500 Rupies betteln, um "nach Hause telefonieren zu können" (In welchem Sonnensystem soll das sein?), und eine Horde Jungspunde, die allesamt scheinbar schon immer von einem Foto geträumt haben, auf dem sie einem verdutzten westlichen und weiblichen Wesen die Hand schütteln. Nachdem es dann achtmal geklickt hat, kann ich immerhin auch eins machen. Und schon fängt es an zu gewittern.

Während der Regen niederströmt, darf ich in einem Laden irgendwo mitten im Nirgendwo beim kollektiven Fernsehen mitmachen. Ach die Inder. Das sind schon ein paar Nette, mit denen man immer mal ein lustiges Schwätzchen halten kann, oder die einem ein paar Rupies erlassen, die sie eigentlich dringend nötig hätten, aber gerade nicht wechseln können.

Der Monsun hingegen verwandelt hinterhältigst unumgängliche Gassen in Bäche, wo ich gar nicht daran denken darf, was und wieviel da vorher so rumlag. Meine Füsse einzuseifen, kostet einige Überwindung. Toller Tag.

Morgen, liebes Rishikesh, bin ich ausgeschlafen, dann sieh mal zu.

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Heike
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Urlaub in "Ingien"

Urlaub in "Ingien" heisst zu Besuch bei Inga - in Indien. Meine alte WG-Kumpanin macht derzeit ein 6-monatiges Praktikum in der deutschen Botschaft in New Delhi. Von hier aus geht es mit Notebook und DigiCam im Rucksack in holperigen Bussen und Zügen in Richtung des Himalaya, der Thar-Wüste, an den Strand, durch allerlei Städte oder auch ganz woanders hin. Mal sehen.
Die nächsten vier Wochen ist morgen auch noch ein Tag.