Urlaub in "Ingien"
Einigkeit und Himbeereis zum Frühstück
05.10.2003 |
Zu erzählen gibt es einiges, Fotos leider weniger.
Am dritten begingen wir den Tag der deutschen Einheit feierlich, tausende Kilometer vom Ort des Geschehens, mit ehemaligen und aktuellen Grössen der indischen Politik, Botschaftern, Diplomaten und Ihren Exzellenzen aus aller Herren Länder, leuchtenden Büschen und dahergelaufenen Normalsterblichen wie meinereins, in grosser Sorge um grosse Fettnäpfchen.
Aus Gründen der Diskretion also kein Exklusivmaterial von indischen Köchen zwischen Sauerkraut, Bratwurst, Spätzle und Vollkornbrot, der Rausschmeisserkappelle ("Hölle, Hölle, Hölle"), Dirndldamen und ähnlichen Kuriositäten. Um sich eine Vorstellung des Buffets zu machen, reicht es vielleicht anzumerken, dass allein das Dessert ein separates Zelt beanspruchte. Und der Schampus floss in rauhen Mengen…
Es sei gesagt: Wir werden noch unseren Urenkeln davon berichten, wie damals in Delhi, ach ja, wir waren jung und hatten noch nicht viel gesehen in der Welt, als da dieses Gartenfest…
Zu späterer und ausgelassenerer Stunde ging es weiter in indische Tanzhallen, wo ein Bier nicht geschenkt sondern stolze 350 Rupies wert war und manch einen für den Abend finanziell ruinierte. Zur Dreisatzrechnung, um den Taxifahrer wegen stümperhaften Betrugs zu überführen, reichte es aber noch. Der nächste Morgen erleichtert nicht gerade die Mission, die es noch zu erfüllen gibt, und so schleppt man sich von vornherein müde und angeschlagen in den Endspurt der Souvenirkäufe.
Der folgende und letzte Tag im schönen Indien gehört ganz Old dusty Delhi (naja, und ein paar allerletzten Besorgungen). Das ist noch einmal Indien in bester Kondition. Venedigs Gassen wären ein Klacks dagegen, und sich zu verlaufen darin erst recht. Hier ist man umzingelt von schön alter, schlimm maroder Bausubstanz, engen Winkeln, Händlern, Fahrradrikshaws wohin man blickt, und lichtet sich der Smog ein wenig, macht man hinter dem bunten Treiben weitere Werke Shah Janans aus, das berühmte Lal Quila (Red Fort) etwa, oder die Jama Masjid, Indiens grösste Moschee, dessen düstere Türmchen nur in männlicher Begleitung betreten werden dürfen (gegen oder wegen Grabschereien?).
Zwischendurch gibt es Erholung in einem Sikhtempel, der dafür, dass hier sonst eigentlich alle heiligen Stätten Eventcharakter besitzen, recht unspektakulär wirkt, aber durch entwaffnende Gastfreundschaft besticht. Die neuntägige Fasten- und Feierzeit der Hindus steuert derweil mit der Verbrennung riesiger Puppen ihrem Höhepunkt entgegen. Und ich einem letzten Mal einem opulenten Thali, dann wartet auch schon der Zoll zum vierfachen Stempeln meines Flugtickets, dreifachen Stempeln meiner Gepäckanhänger, zweifachen Stempeln meines Antrags wofür auch immer, schätzungsweise Ausreise, und einfachen Stempeln meines Reisepasses … und irgendwann sitze ich im Flieger.
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- Name
- Heike Schwarzpelz
- Alter
- 26
- Ort
- Bremen
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Urlaub in "Ingien"
Urlaub in "Ingien" heisst zu Besuch bei Inga - in Indien. Meine alte WG-Kumpanin macht derzeit ein 6-monatiges Praktikum in der deutschen Botschaft in New Delhi. Von hier aus geht es mit Notebook und DigiCam im Rucksack in holperigen Bussen und Zügen in Richtung des Himalaya, der Thar-Wüste, an den Strand, durch allerlei Städte oder auch ganz woanders hin. Mal sehen.
Die nächsten vier Wochen ist morgen auch noch ein Tag.











