Urlaub in "Ingien"
Flachlandindianer und Gipfelstürmer auf dem Weg zum letzten Gericht
30.09.2003 |
Im Zickzack der Serpentinen, bei denen man als ängstliche Natur besser nicht zu oft aus dem Fenster schaut, geht es über Dehra Dun nach Mussorie auf ca. 2000 Meter ins Alpenidyll mit Flair. Schnee ist leider nur in der Ferne zu erspähen. Dem deutschen Herbst blicke ich wahrlich nicht mit Freuden entgegen (erst recht nicht im Bremer Regenloch), aber die kühle Bergluft ist eine willkomene Abwechslung zu Dauerschweissausbrüchen. Da weiss man endlich einmal zu schätzen, die ganze Zeit einen Pullover mit sich rumzuschleppen.
Ausserdem lässt sich ausnahmsweise beruhigt tief durchatmen. Im Gegenzug überfällt mich hinterrücks ein gemeiner Schnupfen. Unterkunft finde ich im hutzligen Hotel mit dem unpassenden Titel "Broadway".
Zur Feier des Tages gibt es eine dicke Cremeschnitte, die widerum ihrem Namen "Death by chocolate" völlig gerecht wird. Gen Gipfel tuckert die Seilbahn, und bergab ich, auf einem minimalistischen Wanderpfad, der angeblich zum Camel Rock führen soll, einem Fels, der wie der Name schon vermuten lässt, die Form eines Kamels haben soll. Dieser erweist sich als äusserst unspektakulär und ist ohne Fernrohr kaum auszumachen, der angebliche Weg dorthin zeichnet sich allerdings durch allerlei Tücken, Stolperstrecken und Rutschpartien aus, oder ist überhaupt nicht mehr auszumachen, so dass ich mit zitternden Knien ebenen Boden unter den Füssen herbeisehne. Ich weiss schon, wieso ausser mir hier kein Fussvolk unterwegs ist, nur die Affen hopsen gelenk durch die Bäume. Irgendwann bin ich beim Kamel und gerettet, für heute.
Am nächsten Morgen geht es auf, sagen wir mal – abenteuerlich befestigter Strasse zu den Kempty Falls. Hübscher Wasserfall, aber auf dem schmalen Abstieg wird alle paar Meter mit dicken Schlangen um den Hals gebettelt. Das ist ja mal gar nix für mich. Ein Bad ebensowenig, stürzen sich die Inder auch tapfer und unbefangen im Feinripp in die Fluten, bin ich von den umherstreunenden Horden von Schulkindern und den unzähligen Treppenstufen selbst zu erschöpft, mir auch nur die Schuhe auszuziehen.
Die Hinfahrt nach Mussoorie zwischen leicht terassierten Hängen und steilen Abgründen mutete ja schon aufregend an, da kannte man die Rückfahrt ins Tal noch nicht.
Auf dieser Strecke wird jedenfalls nur in den brenzligsten Fällen von dem sonst so populären Dauerhupen zum Warnung Gebrauch gemacht, dass man gleich um die nächste Kurve geschossen kommt.
Ich sitze abenteuerlustig wieder neben dem Fahrer, weil man da so schön die Beine ausstrecken kann, er hingegen hat unter seinen Schlappen einen Backstein im Fussraum liegen, um besser aufs Gas treten zu können. In Indien muss man einfach versuchen, entspannt zu bleiben, und alles wird gut.
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- Name
- Heike Schwarzpelz
- Alter
- 26
- Ort
- Bremen
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Urlaub in "Ingien"
Urlaub in "Ingien" heisst zu Besuch bei Inga - in Indien. Meine alte WG-Kumpanin macht derzeit ein 6-monatiges Praktikum in der deutschen Botschaft in New Delhi. Von hier aus geht es mit Notebook und DigiCam im Rucksack in holperigen Bussen und Zügen in Richtung des Himalaya, der Thar-Wüste, an den Strand, durch allerlei Städte oder auch ganz woanders hin. Mal sehen.
Die nächsten vier Wochen ist morgen auch noch ein Tag.















