IndienUrlaub in "Ingien"

Unter Zugzwang

26.09.2003 |

Ich entdecke den öffentlichen Personen-Nah- und -Fern-Verkehr für mich neu.

21 Stunden Jaislamer – Delhi. Angenehmer als erwartet im Mastviehtransportergleichen Abteil. Die vergitterten Fenster wirken, wenn man erst einmal dahinter sitzt, harmlos. Geöffnet stellen sie sich ausserdem tausendmal besser als Air Condition heraus. Auch wenn eine Menge Sand mit herein geweht kommt. Aber nach einem Tag Zug fahren fühlt man sich eh eklig, da kann man auch ruhigen Gewissens mit der Billigline fahren. Als es losgeht, kann ich gar nicht verstehen, was alle Leute immer an indischen Zügen auszusetzen haben. Ist doch ne Menge Platz da. Spätestens nach Ankunft der Grossfamilie und ganzen Hörsäälen von Studenten sieht das anders aus.

Die letzten Kilometer vor und in Delhi riecht es streng nach Fäkalien. Ein Grossteil der Bewohner muss eben die Schienen als Toilette benutzen. Innerhalb der Stadt habe ich mir fest vorgenommen, das System der öffentlichen Verkehrsmittel zu durchschauen, da der Preis einer Busfahrt (5 Rs) doch um einiges lukrativer erscheint als der einer Rickshaw (bis Süddelhi z.T. 80 Rs).

Das klappt auch erst einmal ganz gut, weil sich immer irgendein netter Inder findet, der sich für orientierungslose Touristen verantwortlich fühlt und ihnen die Haltestelle, den richtigen Bus, Fahrpreis oder Ausstiegspunkt zeigen will.

Ausserdem trainiert Busfahren extrem den Bizeps, da kann selbst Laughing Yoga nicht mithalten, obwohl das, wie wir heute morgen um ca. halb sieben erfahren, so rundum erneuernd wirkt, dass jeder fragen wird, welche Wundersalbe das Prachtwerk vollbracht habe. Busfahren ist da eher was für die Ellbogengesellschaft. Schliesslich will scheinbar jeder als erster aussteigen.

Nach stundenlangem Gewusel durch die Stadt (Entdeckung des Tages: es gibt wahrhaftig DSL auch in Indien!) gibt es dann wieder eine Rickshaw heim. Der Einfachheit halber.

Abends verpassen wir leider knapp die Öffnungszeiten des Bahai Tempels. Darum nur ein Blick von aussen.

Im Hauz Khas Village gönnen wir uns im Edelrestaurant (Gerichte zwischen 4– 12 Euro) was auf die Gabel und den Blick vom Rooftop auf Tempelruinen. Irgendwie landen wir dann noch in 9 Tage andauernden Feierlichkeiten zu Ehren Durgas in belebteren heiligen Stätten, in denen wir uns gerade noch davor retten können, gemästet zu werden.

Aber morgen wird wieder Zug gefahren.

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² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

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Heike Schwarzpelz
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Urlaub in "Ingien"

Urlaub in "Ingien" heisst zu Besuch bei Inga - in Indien. Meine alte WG-Kumpanin macht derzeit ein 6-monatiges Praktikum in der deutschen Botschaft in New Delhi. Von hier aus geht es mit Notebook und DigiCam im Rucksack in holperigen Bussen und Zügen in Richtung des Himalaya, der Thar-Wüste, an den Strand, durch allerlei Städte oder auch ganz woanders hin. Mal sehen.
Die nächsten vier Wochen ist morgen auch noch ein Tag.