Freeclimbing auf Mallorca
Vom Nervenbündel zur Spiderwoman
10.06.2002 |
Cool bleiben in Streßsituationen? Nicht mein Ding. Ich bin eben nicht der Typ Marke Terminator – scan die Situation in einer Sekunde und handle dann rational und emotionslos.
Leider kann das beim Klettern sehr hinderlich sein, aber ich fang mal von vorne an.
Mein erster Tag an einem echten Felsen. Keine bunten Elephantenrüssel und Glücksbärchen mehr, an denen ich in der Halle sehr entspannt hoch geklettert bin . Hier ist alles zufällig. Felsen die mein Freund sind, mit richtigen Kanten, netten Vorsprüngen schön rau und griffig.
Es gibt aber auch Felsen, die sich eindeutig als Feinde ausweisen. Schweißgebadet bin ich dann dankbar über jeden Zentimeter den ich schaffe. Füße stehen auf Millimeter-Vorsprüngen, das kann gar nicht halten, und ich warte auf den Moment des Abrutschens. Mein Bein fängt krampfartig zu zittern an. Oben ist auch NICHTS als glatte Wand. Irgend eine Macht will nicht, das ich da rauf gehe, der Felsen will mich abwerfen, das Schwein!
Wenn ich das ganze "Top Rope" erlebe, also gesichert, ist das auch alles nicht so schlimm. Aber schon im Vorstieg, bei dem ich mehrere Meter ungesichert klettere und ein Sturz sehr schmerzhaft sein kann, geht es im Kopf um Leben und Tod.
Und hier beginnt meine Metamorphose. Ich hänge also UNGESICHERT an dem Felsen, der mich gerade abwerfen will, krampfartig zitterndes Bein und oben glatte Wand. Lange kann ich den 5 mm Vorsprung an dem ich mich gerade festhalte – ich weiß gar nicht wie – nicht mehr umklammern. Es sind nur noch wenige cm bis zum nächsten verankerten Haken. Wenn ich es schaffe mich dort einzuklinken, bin ich gerettet.
Sonne brennt, Bein zittert, Hand rutscht, glatte Wand. Das schaffe ich niemals! Scheiße, gleich werde ich kopfüber abstürzen und mein Schädel wird an diesem grausamen Felsen zerplatzen. In der Zeitung wird stehen: "Leichtsinnige, über 30-jährige suchte Kick in neuer Trendsportart…" Ich will nicht sterben, nicht jetzt, nicht so, hilfe Mama, hiiiiiilfeeeee…
...doch ich hänge immer noch.
Die letzte Szene aus Pulp Fiction fällt mir ein: Der von Gewalt geläuterte Samuel L. Jackson hält Pumpkin seine 45er unters Kinn und versucht dessen hysterisch gewordene Frau Honey Bunny zu beruhigen: "Tell that bitch to be cool! Say, bitch be cool! Say, bitch be cool! Nobody's gonna hurt anybody. We're gonna be like three Fonzies. And what's Fonzie like?"
Hunny Bunny mit tränenerstickter zitternder Stimme: "He's cool?" Samuel: "Correct-amundo! And that's what we're gonna be, we're gonna be cool."
Ich sage mir also "bitch be cool", und versuche meine Atmung unter Kontrolle zu kriegen. Ich mobilisiere meine letzten Kraftreserven, die eigentlich garnicht mehr da sind. Positives Programmieren nennt man das heute. Plötzlich findet mein Fuß einen Vorsprung, der mit blosem Auge kaum zu erkennen ist, und er schafft es auch noch mich hoch zu stemmen. Blitzschnell und zielsicher klinke ich mich ein und schreie: "Bloooock!!!"
Ich hänge an dem Seil und die ganze Anspannung fällt ins Tal. Ich hab's geschafft, cool, ich bin echt geil. Das Glücksgefühl der Selbstzufriedenheit überkommt mich. Dinge schaffen zu können, die ich nicht für möglich gehalten habe, und ich will mehr!
Nachts träume ich vom Fliegen. Ich bin Spiderwoman.
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- Name
- Panja Pries
- Alter
- 37
- Ort
- Berlin
- Webseite
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Freeclimbing auf Mallorca
"Excalibur", "Albahida" oder "Colesterol Party..." nur einige der sagenhaften Klettergebiete Mallorcas. Viele der Spots hier gehören zu dem Besten, was Europa im Freeclimbing bietet. Panja, Fabian, Jogi, Bea, Chrischi, Kerstin, Lutz und Ole haben sie bezwungen, ausgerüstet mit ein paar Pfunden High-Tech und der Kraft ihrer 10 Finger und Füsse.






