









no|mad: Hannover bis Kapstadt
Sonnenfinsternis in Malawi - Autopanne im Nirgendwo
18.06.2001 |
Nachdem wir also ein paar Tage in Mbeya verbracht hatten, sollte es jetzt weiter in Richtung Malawi gehen. In Mbeya, einer Stadt im hinteren Tansania wo es nichts zu sehen gibt, haben wir versucht Rebecca aus Sansibar vom Busbahnhof abzuholen, da sie gemailt hatte, sie wäre auch auf dem Weg nach Malawi. Aber so einfach hatte uns Rebecca das nicht gemacht – sie stieg einfach ein paar Stationen zu früh aus und wir verbrachten den Abend (es war jetzt aber schon der 2. Abend) auf dem Busbahnhof um alle Busse, die aus Dar-es-Salam kamen abzuwarten. Als wir schließlich noch einmal ins Internetcafe gingen, stellten wir dann aber fest – Rebecca müsste eigentlich in der gleichen Unterkunft gelandet sein, in der wir auch waren – wir hatten uns halt verpasst am Busbahnhof…
Auf jeden Fall ging es dann gemeinsam zur Grenze nach Malawi. Es ist ein kleiner Grenzübergang, der auch schon langsam seinen Feierabend einläuten wollte. Wir erledigten noch den üblichen Papierkram und tauschten unsere Tansania Schillinge in Malawi Kwacha – das zog sich über Stunden hin! Da wir ja auf der Straße tauschten, musste erst über den Kurs verhandelt werden, und schon da versuchten sie uns zu bescheißen. Anschließend mussten die Kwacha gezählt und jeder Schein penibelst untersucht werden, ob die jetzt nicht mit Falschgeld anrückten, erst dann durften wir unsere Schilling rausrücken. Und die ganze Zeit saßen uns die Zöllner im Nacken, die Feierabend machen wollten und überhaupt eigentlich das Schwarzwechsel-Verbot in Malawi hätten durchsetzen müssen!
Unterdessen wurde ich vom Versicherungs-Fuzzi belagert, dem ich meine Versicherungsunterlagen zeigen sollte, da er uns eigentlich, wie bei der Einreise üblich, eine Versicherung andrehen wollte. Aber irgendwie hatte ich noch in einem der vielen Büros zu tun und der Rest der Mannschaft war Geld wechseln.
Das ganze zog sich also in die Länge und schließlich konnte ich ihn aber davon überzeugen, dass wir eine Versicherung in Kenia erworben hätten, die bis nach Kapstadt gültig wäre. Die sogenannte gelbe Versicherungskarte! Schließlich konnten wir uns dann mit frisch gewechseltem Geld und ohne Versicherung aus dem Staub machen!
Malawi Schon wieder eine Stunde Zeitumstellung, wenigstens haben wir es diesmal mitbekommen, im Gegensatz zu den sonstigen Zeitzonenwechseln. Wir haben jetzt wieder deutsche Zeit, aber es wird hier auch schon um halb sechs dunkel – da fragt man sich doch wirklich, ob die nicht doch in der falschen Zeitzone gelandet sind.
Als erste Etappe ging es nach Karonga am Malawi-See, von dem behauptet wird es sei der einzige See in Afrika der nicht Bilharziose verseucht ist. Allerdings scheint sich das in letzter Zeit geändert zu haben, denn es häufen sich schon die Warnhinweise. Ist aber kein Grund für uns nicht baden zu gehen…!
In Karongo trafen wir dann auch das erste mal auf die Freundlichkeit und Ehrlichkeit der Malawis! Im Hotel empfing man uns total aufgeregt und erfreut. Wie kleine Kinder benahmen die sich, als sie uns die Preise erklärten.
Wir nahmen dann ein Doppelzimmer und einmal Camping. Auf nicht nachvollziehbare Weise ist im Doppelzimmer ein Frühstück enthalten der Preis aber quasi identisch mit Camping ohne Frühstück.
Heimlich campten dann aber zwei Personen und Rebecca, die wir ja in Mbeya getroffen hatten und die jetzt mit uns umherreist, teilte sich das Doppelzimmer, was sich nicht von einem Einzelzimmer unterschied.
Trotz der Offenheit und Ehrlichkeit der Malawis wurden wir immer gewarnt: hier beklaut jeder jeden, auch die Reisenden untereinander – na ja, das kann ja heiter werden! Das einzige, was uns jedenfalls bis jetzt geklaut wurde, war unser Livetravel-Datenhandy, aber das passierte schon in Tansania, und bei den Viktoria-Fällen wartet schon Ersatz auf uns!!!
Am nächsten Morgen ging, wie bisher immer, die Sonne auf! Aber auf der gegenüberliegenden Seite des Malawi-Sees, und so hatte man eine wunderschöne Kulisse mit den tansanischen Bergen. Das fiel uns aber nur während des Pinkelns auf, danach ging’s wieder ins Bett…
Nach dem endgültigen Aufstehens am späten Vormittag und einem spärlichen Frühstück ging´s nach Nkhata Bay, einem kleinen Badeort am Malawi-See. Von dort wollten wir uns dann die Sonnenfinsternis am 21. Juni angucken! Am besagten Tag ging es mit etwa 50 anderen Weißen auf kleinen Booten in eine nahegelegene Bucht, nach Mayoka – es war aber nicht ganz so schlimm da wie in dem ähnlich klingenden 17. Bundesland.
Dort wurde dann erst mal die Bar und dann ein Barbeque-Grill aufgebaut. Irgendwann fuhren dann die meisten wieder auf den See hinaus, um sich von dort die Finsternis anzugucken. Aber nachdem das Bier alle war, kamen sie dann auch irgendwann wieder zurück – die Sonnenfinsternis hatte noch nicht mal begonnen!
Man wusste sowieso nicht so genau, wann die jetzt beginnen sollte: um 13:08 oder 13:26 oder so um 13:50 Uhr – begonnen hatte sie dann so um 14:50 Uhr… Gedauert dann aber knapp eineinhalb Stunden!
In unserem Breitengrad war es sowieso nur zu 80 Prozent, aber es dämmerte schon ziemlich und wenn man durch einen Fotofilmstreifen guckte, dann konnte man das Schattenspiel der Himmelsgestirne mitverfolgen.
Allerdings nur wenn man nicht direkt hinguckte oder durch Sonnenbrillen und ich will gar nicht genau wissen, wie viele von den Kindern am Strand jetzt fast blind sind…
Am nächsten Tag hatten wir dann vor nach Monkey Bay weiter zu reisen, einem berühmt-berüchtigten Ferienort im Süden des Malawi-Sees. Es sollte an der Küste gen Süden gehen. Erst mal wurden wir (mal wieder) von einer der vielen Polizeikontrollen angehalten und diesmal ging es wirklich ans Eingemachte! Er wollte natürlich unsere Versicherung sehen!
Wir hatten uns ja seit Kenia immer an den Grenzübergängen vorbeigeschummelt. Auf jeden Fall wusste der wovon er sprach und ließ sich nicht von uns mit irgendwelchen albernen Dokumenten abspeisen! Obwohl wir unser gebrochenstes Englisch aufsetzten und immer völlig unpassende Antworten und Danksagungen von uns gaben, setzte er schon an, uns einen ordentlichen Strafzettel auszuschreiben, da produzierten wir noch irgendwelche weiteren Quittungen über irgendwelche Beträge, die wir an der Grenze für das Auto entrichten mussten.
Endlich, nach langen Ratschlagen mit seinem Vorgesetzten, kamen sie beide wieder und meinten, sie hätten noch mal alle Unterlagen durchgesehen und es wäre ja doch alles in Ordnung…!!! Wir konnten unser Erstaunen kaum für uns behalten und mussten uns schnell aus dem Staub machen, da sonst die Polizisten bei unseren Grinsgesichtern wohl doch Lunte gerochen hätten! Aber wir wurden wohl nur deshalb weitergelassen, weil hinter uns ein vollgestopfter Minibus angerollt kam und eine größere Zankerei mit seinem Fahrer entstand und die Polizisten damit völlig eingenommen wurden…
Puh, da hatten wir noch mal Glück gehabt!
Also, weiter ging´s bis zum nächsten Polizeicheckpoint. Hier wies man uns darauf hin, dass die Brücke die Strasse runter weggespült sei und Fahrzeuge deshalb nicht passieren könnten. Wir sagten, wir könnten mit unserem Fahrzeug problemlos durch das Flussbett fahren… sie guckten etwas ungläubig, fragten, ob wir das denn schon mal gemacht hätten, aber wir beschwichtigten sie und meinten Freunde von uns würden das immer wieder machen und wir hätten gar keine Probleme mit so was…! Natürlich alles erstunken und erlogen!!!
Endlich kamen wir nach etwa 50 km an die Stelle und stellten fest, dass etwa 100m Brücke durch die Regenzeit weggespült waren. Aber man hatte schon damit begonnen einen Damm zu errichten, der war aber noch lange nicht befahrbar. Die Uferböschung war etwa 2m hoch und ging senkrecht ins Wasser, also für Nomad hier kein runterkommen. Etwas weiter den Fluss runter schien das dann schon möglich, wir hätten nur einmal quer durch ein Maisfeld pflügen müssen… also testeten wir dort die Wassertiefe.
Wir wateten hin und her durchs fast Hüfttiefe Wasser, hätten aber mit Nomad hier nicht passieren können, da der Untergrund zu schlammig war und uns unter Umständen das gleiche wie in Bulgarien passiert wäre, nur UNTER Wasser!!! Also versuchten wir es Flussaufwärts noch mal, hier war der Untergrund prima und die Böschung auch zu bewältigen, allerdings stellten wir fest, als wir Rebecca vorschickten, dass der Fluss hier nicht mal Stehhöhe hatte… Also blieb uns nach stundenlangem im-Fluss-gewate (und Bilharziose-eingefange (Scherz)) nur der Rückzug, und zwar ganz zurück, an den ganzen Polizeikontrollen, bis nach Nkhata-Bay von wo aus erst die erste Straße ins Landesinnere sprich nach Lilongwe führt…!
Abends kamen wir dann auch wieder in Nkata-Bay an! Unterwegs begann aber dem linken Vorderrad die übelsten Geräusche zu entweichen, und die wurden mit der Zeit immer lauter!!! Wir befürchteten schon das schlimmste! Als wir kurz vor Dämmerung am Campingplatz ankamen wollten wir auf jeden Fall das Rad abnehmen. Das war denn auch kein Problem – wir konnten alle 6 Muttern mit der Hand abdrehen, sofern sie überhaupt noch richtig drauf steckten! Die hatten sich wohl irgendwie gelöst während unserer Fahrerei und als das Rad dann seine ganzen Freiheiten auskostete entstanden halt diese ganzen Geräusche! Das hätte auch ordentlich in die Hose gehen können!!! Aber zum Glück hat uns das Rad ja noch nicht überholt…
Als wir sowieso schon dabei waren, wollten wir auch gleich die Bremse kontrollieren, also schnell im Dunkeln alles auseinander gebaut, durch das Betätigen der Bremse den Zylinder auseinanderfallen lassen (da wir ja die Trommel abmontiert hatten), die Bremsflüssigkeit auslaufen lassen und noch etwas Luft ins System kommen lassen!!! Prima, das war wohl nichts! Also beschlossen wir das getane Werk am nächsten Morgen bei Tageslicht zu vollenden.
Da waren wir auch nicht schlauer, setzten zwar den Zylinder, der jetzt undicht ist, wieder zusammen, schafften es aber nicht ihn zu entlüften, anständig, die Bremse zeigte immer noch keinerlei Wirkung! Wir verschwendeten noch etwas Bremsflüssigkeit und dann entschieden wir uns einen Mechaniker zu holen. Der kam auch prompt (es war Samstag Nachmittag) und tat das gleiche was wir auch schon durchgeführt hatten zum Entlüften – nur bei ihm wirkte es! Das tat er auch gleich an allen 4 Bremsen und am Hauptbremszylinder und eine solche Bremskraft wie Nomad jetzt entwickelt, hatte er zu seinen besten Zeiten noch nicht!
Bei den diversen Entlüftungsvorgängen ging unser Bremsflüssigkeitsvorrat dann doch erheblich zur Neige – aber der Mechaniker meinte man könne auch ohne weiteres Wasser mit Seife nehmen, das wäre ohnehin billiger! Na ja, so ganz geheuer war uns das dann auch nicht… Aber wir kamen noch ganz knapp hin, da wir die auslaufende Bremsflüssigkeit auffingen, mit Küchenpapier filterten und dann wieder hineingossen! Der Mechaniker wies uns noch daraufhin, dass wir bloß nichts auf den Lack schütten sollten, das Zeug wäre ätzend – selber steckte er bis zu den Ellenbogen drin!
Nach ein paar Stunden Reifenwuchten waren wir dann auch fertig und er versprach uns für die nächsten 2 Jahre Ruhe. Bezahlt haben wir ihn mit einer billigen Metalluhr, einer Silikonspritzkartusche ohne Silikon, etwas Seife und einer Kleiderstange aus einem Schrank (keiner weiß wieso wir die mit hatten). Obendrein gaben wir ihnen (etwas später kam noch sein Kollege, und den Wagenheber haben sie uns auch noch geschweißt) noch umgerechnet 10 Mark – für die war heute wie Weihnachten und sie liefen strahlend nach Hause, versprachen uns aber für morgen noch eine Schraube, die wir für unseren Auspuff/Krümmer schon länger suchen – for free, Schrauben werden hier zu unermesslichen Preisen gehandelt, in Deutschland bekommt man für den hiesigen Preis einer einzelnen rostigen Gewindeschraube gleich die ganze Kiste hinterhergeschmissen.
Da wir also noch für ein paar weitere Tage hier in Nkhata-Bay fest saßen geht es also erst morgen am Sonntag weiter. Wir werden es aber wohl leider aus Zeitgründen nicht mehr in die Monkey Bay schaffen, da auch der Umweg zu groß ist wegen der weggespülten Brücke. Also werden wir uns nur nach Lilongwe begeben, dort am Montag das Visum für Sambia und wenn möglich auch gleich für Simbabwe besorgen und dann fahren wir weiter nach Sambia zu den Viktoria-Fällen.
Von da aus steht stehen uns dann diverse Möglichkeiten zur Weiterfahrt offen, oder auch nicht, nach Namibia müssen wir in einem Konvoi wegen der Angola-Rebellen mitfahren, nach Botswana müssen wir durch einen Nationalpark Okawango Delta (mit vielleicht horrenden Eintrittspreisen für unser Auto) und in Simbabwe gibt es zwar allerbestes Rinderfilet für nur DM 6 pro Kilo, aber von da aus geht es nicht wirklich gut weiter in Richtung Namibia, da dann immer noch eine der oben genannten Optionen durchgeführt werden müssen. Aber das werden wir dann mal vor Ort erkunden, bei den Viktoria-Fällen.
Bis dahin erst mal (und kontrolliert mal lieber eure Radmuttern!)
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- Jonas Vincentz
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- jung geblieben
- Ort
- Hamburg
- Webseite
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Alle Reisen von Jonas Vincentz
no|mad: Hannover bis Kapstadt
Hallo, wir sind Jonas und Tim mit NOMAD!
Wir drei fahren am 17.03.2001 nach Kapstadt! Los geht´s in Hannover. Wir werden mit dem eigenen Auto nach Kapstadt fahren. Das eigene Auto, ein Unimog S404, wurde nach seinem Kauf auf den bedeutungsschwangeren Namen NOMAD getauft. Nun ja, wir sind also jetzt seit einem Jahr intensiv dabei diese Reise vorzubereiten, zu planen und uns auszurüsten. Irgendwie muß jetzt nur noch alles ins Auto passen und dann kann´s losgehen!
Wir fahren ab Deutschland über die Türkei und Jordanien auf dem Landweg nach Ägypten. Dort geht es dann weiter über Sudan, Äthiopien, Kenia, Tansania, Mosambik, Malawi, Sambia bis nach Südafrika/Kapstadt, unserem Ziel.










