BelizeGuatemalaHondurasNicaraguaVereinigte StaatenBig Apple, Mayas und karibische Fische

Gualtemaltekische Familiengeheimnisse und ein Schwein am Strand

08.02.2008 |

Cecillia, bunt gekleidet in ihrer Mayatracht und ihr Sohn Balvino schauten mich erwartungsvoll an. Sie wussten mittlerweile wie ich heisse, wo ich herkomme und alles was mir jetzt noch einfiel, war ein Café con Leche zu bestellen und nach la cuenta zu verlangen.

Die ersten 5 Stunden Spanischintensivkurs lagen hinter mir und mein Kopf qualmte buchstaeblich wie einer der Vulkane, der den Lago de Atitlan umrandete.

Cecillia bereitete gerade mit klatschenden Haenden Maistortillas zu und lud mich ein ihr dabei zu helfen und so klatschte auch ich die Maismasse zwischen meinen Haenden und warf sie anschliessend auf den antiken mit Holz befeuerten Ofen.

Ich hatte beschlossen meinen Spanischkurs in San Pedro, ein kleines Dorf am Lago de Atitlan in Guatemala, mit einem Homestay zu verbinden, was bedeutete, dass ich drei Mal taeglich bei Cecillia und ihrer Familie zum Essen vorbei schauen wuerde. Wohnen sollte ich in einem spartanischen Haeuschen, dass Cecillias Familie irgendwann mal angefangen hatte zu bauen und das am Rande des Dorfes auf dem Weg zum See lag.

Meine Spanischkenntnisse verbesserten sich taeglich, was ich v.a. meinem Lehrer Clemente zu verdanken hatte, mit dem ich mich super verstand, da wir den gleichen Humor hatten und wir das ein oder andere Mal Traenen lachend den Unterricht unterbrechen mussten.

Cecillia und Balvino plapperten immer fleissig drauf los, wenn ich zu ihnen zum Essen kam und mir blieb gar nichts anderes uebrig als irgendwann einfach zu verstehen und mit Haenden, Fuessen und gebrochenem Spanisch zu antworten.

Vor allem Balvino, der 10jaehriger hyperaktive Sohn Cecillias, der mir bei meinen Hausaufgaben half und als Gegenzug auf meinem Haendy Games spielte, war ein super Lehrer.

Nach einer Woche war Cecillia meine beste Freundin in San Pedro und wir laesterten ueber die haengengebliebenen Dorfhippies und besprachen ihre Beziehungsprobleme, die sie momentan mit Salvador, den Vater ihrer zwei Kinder hatte.

Ein grosses Problem war ihre unterschiedliche Kirchenzugehoerigkeit.

In San Pedro hatten sich mindestens 50 Kirchen niedergelassen, v.a. evengelikanische, was bei den 7000 Einwohnern schon auffaellig hoch war.

Salvadore, lehnte es ab, dass seine 3monatige Tochter Ottilia evangelikanisch getauft wurde und so plante Cecillia im Verborgenen die sonntaegliche Taufe, die stattfinden sollte, waehrend Salvadore als TukTuk-Fahrer arbeitete.

Ich wurde an seiner Stelle dazu eingeladen und in der Kirche vom Prediger, der auf der Buehne wie ein Moderator durch sein Mikrophon sprach, begruesst und von den Anwesenden beklatscht.

Nun ist so ziemlich Alles anders in Guatemala als in Deutschland und so auch die sonntaeglichen Kirchenbesuche.

Es gab eine Band mit Schlagzeug und Keyboard und die Predigt wurde gesungen und getanzt, dann wurde Ottilia getauft, was mit einem Traenenausbruch aller Anwesenden (ausser mir) besegnet wurde. Zwischendurch fiel auch noch der Strom aus und somit das Mikro des Predigers und er predigte leise im Dunkeln weiter…alles war sehr bizarr.

Nach dem Kirchenbesuch brauchte ich dringend ein bisschen westliche Erdung und ging mit den Leuten aus meiner Schule einen Cuba Libre in einer der Hippibars trinken.

Diese Barbesuche trugen uebrigens dazu bei, dass auch meine Englischkenntnisse trainiert wurden. An meinem zehnten Tag in San Pedro traeumte ich schliesslich in einer Mischung aus Spanisch, Englisch und Deutsch, wie ich in einer schwimmenden Bar auf dem Lago Maistortillas verkaufte, der Priester mich auf einer E-Gitarre begleitete waehrend mein Lehrer Clemente die Deklination diverser Verben in Pasado abfragte.

Am Wochenende vertrieb ich meine Zeit mit Aktivitaeten wie Kajakfahren, Cillen und traditionellen gualtemaltekischen Sportarten wie Fussballspielen, was in einem Spiel Lehrer gegen Schueler gipfelte. Dabei verletzte ich mir das Knie und musste in den letzten 10 Minuten ausscheiden, in diesen letzten 10 Minuten fielen dann leider auch die beiden Tore der Lehrermannschaft.

Danach fuhren wir zusammen ins 3 Stunden entfernte Quetzealtenango, wo ein entscheidendes Fussballspiel der ersten Liga Gualtemalas stattfand, was mit allerhand Feuerwerk, Puta- und Payasso-Rufen und Polizeiaufgebot begleitet wurde. Dort lernte ich dann auch die besten Fluch- und Schimpfwoerter auf Spanisch.

Fast drei Wochen verbrachte ich in San Pedro und es war Zeit weiter zu ziehen. Ich bechloss Becko der mit Max irgendwo an der Karibikkueste tauchte, tauchte und tauchte einen Wiedersehensbesuch abzustatten.

Vorher machte ich aber noch mit Sander aus Amsterdam, Rob aus Dublin und Stephen und Mike aus L.A. einen Abstecher an die Pazifikkueste Gualtemalas.

Die Wellen waren hoch, der Stand bestand aus schwarzem Sand und wir waren die einzigen Touris. Wir assen Ruehrei mit Bohnenmus und tranken Gallo aus Literflaschen und als dann in der Mittagssonne ein Schwein an der Leine am Strand spazieren gefuehrt wurde, hatte ich mal wieder einen Kulturschock.

Ich fuhr mit Stephen und Mike weiter nach Antigua und wir gruendeten fuer 3 Tage eine Dreier-WG in einem 15 qm grossen Hostelzimmer.

Nach drei Wochen wieder in Antigua zu sein war fast wie nach Hause kommen. Diese Stadt hat genau die Mischung aus europaeischem Kaffeehauscharme und genuegend Traveller und Expeds, die man (obwohl man das vor Anbruch einer Reise nach Centralamerika natuerlich nicht glauben will) manchmal braucht um sich von den taeglichen Kulturshocks zu erholen.

Dann hiess es mal wieder Abschied nehmen, diesmal von Stephen und Mike. Das staendige Abschied nehmen ist leider der Wermutstropfen im suessen Leben eines Travellers.

Ich fuhr weiter nach Rio Dulce, das auf dem Weg nach Livingston lag, wo Becko und Max mittlerweile angekommen waren.

Ich bezog die bisher beeindruckendste Unterkunft meiner Reise unter einem Palmendach auf Stelzen auf dem Rio Dulce, neben meinem Bett konnte ich direkt in den glasklaren See gucken, der 2 Meter unter mir lag.

Am naechsten Tag machte ich dann die beeindruckende Rio Dulce Tour, durch den „Amazonas“ Gualtemalas, badete in heissen Quellen, sah eine Seekuh und schipperte schliesslich im Hafen von Livingston ein. Dort warteten Becko und Max unverschaemt braungebrannt auf mich.

Mittlerweile sind wir mit intensiven Hardcorechillen an der Karibikkueste in Belize beschaeftigt aber davon beim naechsten Mal mehr.

Es gibt 9 Kommentare.
Deine Meinung?

  1. Es war wieder eine Wonne Deinen Bericht zu lesen.Super!!!Wir wünschen Dir jetzt eine schöne Faulenzerzeit ,da Du ja so fleißig spanisch gelernt hast.Halt uns weiter auf den Laufenden, damit auch wir ein wenig auf Reisen mit dir sind.Bleib schön gesund Mam u. Dad

    sagte Jutta & Klaus am 08.02.2008 um 09:47 Uhr #

  2. Hi Nic,
    vielen Dank für Deine wunderschönen und verzaubernden Reisefotos aus Guatemala. Wenn ich könnte würde ich mich sofort zu Dir beamen!!! So viele Orte die mir bekannt vorkommen oder sind, wie San Pedro und der Lago Atitlan. War dort auch bei einer Spanischlehrerin: Jesus... Ja, ja- das zeigt mir dass ich auch dringend mal wieder eine große Reise unternehmen sollte.
    Habe den Eindruck Du bist auf dem besten Weg!!!
    Alles Liebe aus Berlin...
    Thomas

    sagte Thomas am 08.02.2008 um 10:19 Uhr #

  3. ...ja, sehen ganz nett aus die Jungs...gleich vier auf einmal...Frechheit!!!!! Love, Fran

    sagte Franca am 09.02.2008 um 21:33 Uhr #

  4. Liebe Nic,
    das sind wirklich wunderschöne Bilder und ein sehr interessanter Reisebericht. Wäre jetzt am Liebsten bei Dir!!
    Kuss, Isa

    sagte Isabel am 11.02.2008 um 10:45 Uhr #

  5. Baby, das bestätige ich Dir hiermit als langjährige Puffmutter der werbischen Bilder:
    Du kannst echt fotografieren. Das Bild mit dem Fan der auf einem "Schaf reitet" hat Reportage-Qualität.

    Miss You, bis bald...

    sagte Kampanja am 11.02.2008 um 14:48 Uhr #

  6. Wir freuen uns sehr was von DIR zu hören. Es ist schön, das deine spanischkenntnisse besser geworden sind. Hoffentlich kannst du uns wenn du wieder kommst etwas auf spanisch erzählen.

    Bis bald...
    Jenny und Lukas aus Latdorf

    sagte Jenny und Lukas am 12.02.2008 um 14:57 Uhr #

  7. \o/
    ...einmal um die Erd-Krümmung und dann ein bissl runter schallt's: Hääääääääppy Böööööööööööörfd- ähm des muß ja heißen: feliz cumpleaños!
    \o/

    Das ist mal ein Start ins neue Lebensjahr, wa? ;) Nachgefeiert wird vor Ort hier aber auch noch mal, gelle? Liebe Grüße von hier aus,

    Jo

    sagte Jo am 15.02.2008 um 08:50 Uhr #

  8. Alles Liebe zum Geburtstag, feier schön und hab viel Spaß noch auf Deiner Reise

    sagte Tanja am 15.02.2008 um 09:47 Uhr #

  9. hola senorita,

    dir scheint es wirklich gut zu gehen. siehst vergnügt und glücklich aus....

    küsschen

    sagte dana am 21.02.2008 um 13:40 Uhr #

Fragen? Kommentare? Irgendwas...?

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* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

10 Nic-Mitte-beim Fussballspielen02 Kaffee vor meiner Haustuer in San Pedro03 Cecillia und Familie04 San Pedro05 San Pedro06 San Pedro07 Kirche SanPedro09 San Pedro Spanisch School08 Nic lernt Spanisch12 San Pedro21 Rio Dulce17 Strasse Guatemala16 Schwein Am Strand19 Rio Dulce18 Mike Nic Stephen in Antigua20 Rio Dulce15 PazifikkuesteGuatemala11 Fussballspiel13 San Pedro Friends14 Reis und BohnenFruehstueck
Nicole
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Userbild
Name
Nicole Martens
Alter
35
Ort
Berlin
Webseite
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Alle Reisen von Nicole Martens

Big Apple, Mayas und karibische Fische

Als in mir an einem nasskaltem Tag im August ein unangenehm bekanntes Gefühl aufstieg, dass nach heissem Tee und warmen Socken verlangte, traf ich eine Blitzentscheidung. In diesem Winter wird für mich die Sonne scheinen!
Das Land der Maya kam mir als erstes in den Sinn – ein Kindheitstraum! Aber wo genau werde ich die Fantasiebilder meiner Kindheit vom wildem Dschungel, mystischen Mayaruinen und weissen Stränden finden? Mexiko? Guatemala? Honduras? Und was hat es mit diesem Mikroland Belize auf sich, das sich auf der Landkarte ganz nebenan befindet und endlos weisse Strände verspricht? Ich beschloss die warmen Socken wieder auszuziehen und die Antworten auf diese Fragen vor Ort zu recherchieren.
Den günstigsten Flug fand ich über New York und Miami - auch gut! Silvester in New York, Miami Vice – zwei weitere Kindheitsträume!
Ein Freund, Becko, beschloss spontan mich teilweise auf meiner Reise zu begleiten. Wir tranken einen Tequilla auf einen warmen oder besser gesagt nicht vorhandenen Winter um unseren Plan zu besiegeln, und ein sehr angenehmes Gefühl voller Vorfreude breitete sich in mir aus.