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Nic in Nica

21.03.2008 |

Ich liege in meinen mir unverhältnismäßig groß vorkommendem Bett im Hilton Managuas, den Sand aus meinen Haaren habe ich heute mit der erste warme Dusche seit Monaten weggespült, habe mir aus Club Soda und Apfelsaft eine Apfelschorle gemischt, mich durch das lateinamerikanische MTV gezappt und bin mit der Elite Nicaraguas im Pool um die Wette geschwommen.

Ich hoffe mich mit diesem Kontrastprogramm auf den Kulturschock New Yorks vorzubereiten, wo ich auf meinem Heimweg für ein paar Tage Zwischenstopp einlegen werde um meine Wintersachen abzuholen.

In meinen Kopf mischen sich Geschichten der letzten Monate. Ich kann nicht glauben, dass in drei Monaten so viel passieren kann und dass sie dann doch so schnell vorbei gehen.

Meine Kreditkarte habe ich aus meinem Blickfeld geräumt um nicht auf dumme Gedanken zu kommen und doch noch mit David nach Panama zu fahren. Ich weiß nicht wo ich anfangen soll, habe den Kopf voller Storys und Eindrücke. Die wirklich prägenden und kleinen Geschichten gibt’s privat bei einem lateinamerikanisch-karibischen Abend mit Pinto Gallo und Flore de Cana.

Hier aber erstmal ein kleiner Bericht meiner Stationen der letzten Wochen.

Es muss vor ungefähr sechs Wochen gewesen sein als ich in Nicaragua ohne jegliches Gefühl von Datum und Wochentag ankam. Ich hatte seit Wochen kein Deutsch gesprochen, konnte die regionalen Popongs mitsingen, packte meinen Rucksack in Rekordgeschwindigkeit ein und aus, hatte die „Where are you from? How long are you traveling for?“ Fragen schon hundert Mal beantwortet und schon seit längerem nicht mehr in mein Lonely Planet Guidebook geschaut.

Ich lief ziellos durch die Strassen des mit Kolonialbauten gefüllten Leons, stolperte im Garten eines Revolutionsmuseums in eine Versammlung von neorevolutionären Ex-Revolutionären, die von der Regierung Regressforderungen verlangten dies mit Viva Che und Viva Fiedel Rufen bekräftigten.

In San Juan del Sur nahm ich Surfunterricht in den Wellen des Pazifiks, wurde von einem Stingray (Rochen) attackiert und fuhr mit diversen Schrammen und blauen Flecken weiter nach Isla de Ometepe, eine verwunschene Insel, im größten Süßwassersees Zentralamerikas, dort traf ich ein paar Leute wieder, die mir während meiner Reise schon des Öfteren begegnet waren. Wir liefen zusammen durch Bananenhaine, wurden von einer Schlange verfolgt, verirrten uns beim Versuch eines nächtlichen Rumkaufs im Dschungel und hielten Jamsessions auf einer Kaffeefarm, in der wir uns eingemietet hatten. Eigentlich hatten wir vor einen weiteren Vulkan zu besteigen, doch abwechselnd verschoben wir dieses Vorhaben auf Manana, Manana.

Lost in Translation lief ich ein paar Tage später allein als scheinbar einzige Touristin durch Managua, einer Nicht-Stadt, dessen Zentrum von mehreren Erdbeben zerstört wurde, die deshalb nur aus Suburbia besteht und die mich an Los Angeles erinnert.

„Muy caliente“ rief mir ein Fiedel Castro Doppelgänger im Hostel aus seiner Hängematte zu, Ja es war heiß und so flüchtete ich mich während des Versuchs einer Sightseeingtour bei 38 Grad im Schatten in einen klimatisierten Supermarkt ( in dem die nicaraguanische Elite bei lateinamerikanische Fahrstuhlmusik einkaufte) und am nächsten Morgen mit einer 5-sitzigen Cessna auf eine Insel. Meine Zeit dort kommt mir noch immer wie ein Traum vor.

Karibischer Inselalltag und – cliché lagen dort dicht beieinander, sie waren sozusagen Strandhüttennachbarn, wurden morgens vom Sonnenaufgang geweckt, betraten den weißen Sandstrand mit verschlafenen Augen und schwammen im türkisfarbenen Meer, hielten ein Schwätzchen mit dem Coconutbread- und Mangoverkäufer, der zur richtigen Zeit vorbei kam um ihnen Frühstück zu verkaufen oder feilschten mit einem Fischer, der mit seinem Kanu am Strand anlegt und stolz seinen Fang anpries, den sie Abends am Lagerfeuer grillten und dabei Pink Floyd und Bob Marley Songs singen und den Sternenhimmel betrachteten.

Seit über 2 Wochen habe ich dieses karibische Klischee auf dieser Insel gelebt, deren Einwohner (größtenteils Nachfahren von Piraten und deren Sklaven) eine unverständliche Mischung aus Spanisch und kreolischem Englisch sprechen, eine Insel, zu der mein Guidebook sagt, sie sei so karibisch, dass es schon fast ein Witz ist.

Dass Little Corn Island (noch) ein Geheimtipp ist, macht sie zu einem Backpackertraum.

Hier gibt es weder Strassen noch Autos, dafür aber jede Menge Wulfspider und Einsiedlerkrebse, Haie und Hummer (letztere schmecken besonders gut in karibischer Currysauce). Es gibt ganze drei Stunden Strom am Tag und ein Holzfass mit Kokosnussschale ersetzt hier eine Dusche. Jeder, den ich traf, blieb hier länger als geplant und am Steg von wo aus die Lancha nach Big Corn Island ablegt, von wo aus es weiter Richtung Festland geht und an dem ich öfters vorbei gegangen bin, weil es neben dem Diveshop liegt, habe ich jede Menge deprimierter Gesichter gesehen. Jeder weiß, dass sich die Insel in den nächsten Jahren verändern wird. Während meiner zwei Wochen auf Little Corn Island habe ich mindestens 5 mit Landmessgeräten bewaffnete Amis gesehen, die sich ein Stückchen Paradies kaufen werden, dass dort gerade zu einem Schnäppchenpreis verschleudert wird.

Dass ich dann doch heute ohne Depressionen Little Corn Island mit David verließ, lag an der Aufregung, die plötzlich aufkam, da die kleine Lancha nach Big Corn Island heillos überfüllt war und wir schließlich durchnässt von der Bootsfahrt im ebenso überfüllten Miniflieger nach Managua noch einen Platz erkämpfen mussten.

Morgen werde ich mich durch die Märkte Managuas kämpfen, was verrückt werden wird, denn es ist Semana Santa (Osterwoche), was hier als größtes Fest des Jahres zelebriert wird. Ich werde Geschenke einkaufen für liebe Freunde, die zu Hause meine Wohnung gehütet haben, in der Zwischenzeit Geburtstag hatten oder denen ich einfach so ein Stück Lateinamerika mitbringen möchte.

Und jetzt werde ich mich noch ein bisschen durch BBC, CNN und Deutsche Welle zappen um mich auf den neuesten Stand zu bringen.

Hasta la proxima semana, mis amigos!

Es gibt 10 Kommentare.
Deine Meinung?

  1. Ach Süße, ging echt schnell um. Hierher will grad nicht mal der Frühling so recht zurückkommen, aber freu mich drauf, Dir all die Stories zu entlocken, die mir schon beim Lesen so viel Spaß gemacht haben. Dein Sonnenuntergang Foto kannste als Postkarte verscherbeln, ist ja sehr gelungen. Ich kann mir vostellen, dass das nicht so einfach ist zurückzukommen, aber nach all den Kommentaren zu urteilen, freuen sich ne UnMenge Leute auf Dich. Drum genieße die letzte Zeit und komm gesund und munter wieder. Liebe Grüße und gute Reise...

    sagte Silke + Louis am 21.03.2008 um 17:35 Uhr #

  2. Hai!

    Tja, wie es nun so ist bei Reisen: sie neigen zum Ende zu neigen. Man möcht's doch nie glauben, hinterher waren sie immer zu kurz, zu schnell vorrüber und am schlimmsten ist: so schnell war man nie zu Hause, das Hinreisen hat doch wesentlich länger gedauert!
    Drum nutze jede Stunde, fange jeden Sonnenstrahl, jeden Tropfen der salzigen Meere am Wegesrand, den warmen Wind auf der Haut und im Haar, behalte das bei Dir, um uns hier Gebliebenen davon zu berichten.

    Ein Sandkorn wird in Berlin aus Deinem Schuh herauskullern, sich in der Ritze Deines Dielenbodens verkrümeln und für immer dort verweilen - so, wie die Erinnerungen an diese Reise in Dir.

    Und von den Erinnerungen mußt Du mir erzählen, bei einem Kokosdrink auf dem Sofa, sodaß das Sandkorn daran teilhaben kann.

    Alles Liebe & eine gute Reise weiterhin wünscht Dir


    Jo

    sagte Jo am 21.03.2008 um 17:59 Uhr #

  3. Ola.....

    es hat tierischen Spass gemacht dich auf deiner Reise, dank deinen tollen Berichten, zu begleiten. Die Zeit ist gerannt, mit einen für dich, unvergesslichen Rückblick.
    Hier erwarten dich leider keine 30 Grad im Schatten, mit Palmen bestreute Strände...und leckere Stranddrinks. Dafür gefühlte 5 Grad, Schneesturm und ab und zu darfs auch mal Regen sein. Sowie viele, vor Neugier und Sehnsucht platzenden lieben....

    Ich bin jetzt schon neidisch auf deine gesunde unverschämten Bräune.


    Wir freuen uns auf deine Rückkehr!!!!

    Lieb Nicole & Thomas

    sagte Nicole Donat am 21.03.2008 um 19:07 Uhr #

  4. Wenn man das alles liest, möchte man nur schreien: Bleib da! Komm einfach nie mehr zurück!Berlin ist gerade zum Abgewöhnen. Wieviel kostet denn der Quadratmeter? xoxFran

    sagte Franca am 21.03.2008 um 19:26 Uhr #

  5. Hey Süße, mir geht das Herz auf, wenn ich Deinen Bericht lese und die Fotos dazu sehe. Bring soviel Sonne mit wie möglich!
    Ich freue mich sehr auf Dich,
    Nicki

    sagte Nicki am 23.03.2008 um 13:59 Uhr #

  6. Hallo Süsse ,wir sterben faßt vor Sehnsucht und dennoch möchten wir sagen , bleib da. Die Zeit hast du aber klasse ausgefüllt ,mit lernen ,erleben ,leben und lieben ,so kannst Du uns auch ein wenig abgeben und uns davon erzählen .Wir freuen uns schon ganz ,ganz toll Dir zuzuhören und ein leckeres Gläschen dabei zu trinken.Alles ,alles Liebe und super Flug Knutsch............ mam & dad

    sagte jutta & klaus am 24.03.2008 um 13:36 Uhr #

  7. Hallo Süsse ,wir sterben fast vor Sehnsucht und dennoch möchten wir sagen , bleib da. Die Zeit hast du aber klasse ausgefüllt ,mit lernen ,erleben ,leben und lieben ,so kannst Du uns auch ein wenig abgeben und uns davon erzählen .Wir freuen uns schon ganz ,ganz toll Dir zuzuhören und ein leckeres Gläschen dabei zu trinken.Alles ,alles Liebe und super Flug Knutsch............ mam & dad

    sagte jutta & klaus am 24.03.2008 um 13:38 Uhr #

  8. Wir wollten dir noch sagen : Du siehst TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOLL aus.

    sagte jutta & klaus am 24.03.2008 um 13:47 Uhr #

  9. Ich sach nur: hoer auf deine Eltern! Denn sie wissen, was sie tun!

    Alles Liebe aus der Stadt ohne Mitte aber von unter der Palme geschrieben...

    sagte Jacek am 25.03.2008 um 01:31 Uhr #

  10. moin nic, schön, dass du bald wieder da bist. deine berichte haben wirklich viel spass gemacht und mich auf ne gute idee gebracht: ich glaub das mache ich auch (ernsthaft). seh dich... fab

    sagte Fabian am 27.03.2008 um 13:31 Uhr #

Fragen? Kommentare? Irgendwas...?

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* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

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Nicole
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Name
Nicole Martens
Alter
31
Ort
Berlin
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Alle Reisen von Nicole Martens

Big Apple, Mayas und karibische Fische

Als in mir an einem nasskaltem Tag im August ein unangenehm bekanntes Gefühl aufstieg, dass nach heissem Tee und warmen Socken verlangte, traf ich eine Blitzentscheidung. In diesem Winter wird für mich die Sonne scheinen!
Das Land der Maya kam mir als erstes in den Sinn – ein Kindheitstraum! Aber wo genau werde ich die Fantasiebilder meiner Kindheit vom wildem Dschungel, mystischen Mayaruinen und weissen Stränden finden? Mexiko? Guatemala? Honduras? Und was hat es mit diesem Mikroland Belize auf sich, das sich auf der Landkarte ganz nebenan befindet und endlos weisse Strände verspricht? Ich beschloss die warmen Socken wieder auszuziehen und die Antworten auf diese Fragen vor Ort zu recherchieren.
Den günstigsten Flug fand ich über New York und Miami - auch gut! Silvester in New York, Miami Vice – zwei weitere Kindheitsträume!
Ein Freund, Becko, beschloss spontan mich teilweise auf meiner Reise zu begleiten. Wir tranken einen Tequilla auf einen warmen oder besser gesagt nicht vorhandenen Winter um unseren Plan zu besiegeln, und ein sehr angenehmes Gefühl voller Vorfreude breitete sich in mir aus.