Australien
Wohnen und arbeiten auf einer Farm im Hinterland Australiens
06.07.2004 |
Hier spielt sich das wahre australische Leben ab und wir sind mittendrin! Ein großes Holzhaus, zwei Wiesen mit Zitronen- und Limettenbäumen, direkt dahinter der Regenwald – idyllischer könnte es nicht sein. Wir wohnen bei Carol Nunn (55 Jahre), sie lebt hier alleine, denn ihre beiden erwachsenen Kinder sind mit ihren Familien nach Brisbane gezogen.
Wir helfen Carol beim Zitronen pflücken und erledigen alles, was sonst noch so anfällt wie kleinere Reparaturen. Unsere Hauptaufgabe ist das Beschneiden der Bäume, verbunden mit einigen waghalsige Klettermanöver, denn die Bäume sind teilweise vier bis fünf Meter hoch! Markus hatte auch schon die ehrenvolle Aufgabe, den Boden einer Metalltonne herauszuhauen, während ich die Löcher eines Netzes zusammengenäht habe…
Wir bekommen zwar kein Geld, aber unser Lohn ist trotzdem absolut in Ordnung. Wir wohnen in unserer eigenen Wohnung mit Bad, Küche und Schlafzimmer. Fünfmal (!) am Tag gibt es Essen (zweimal ein kleines Frühstück, Mittagessen, Kaffee/Kuchen und ein reichhaltiges Abendessen: Pizza, Hamburger, Rinderbraten). Wir können uns wirklich nicht beklagen, denn wir arbeiten nicht länger als vier bis sechs Stunden am Tag, wenn es anfängt zu regnen noch weniger. Carol fragt uns x-mal, ob alles in Ordnung ist, hat uns schon einen freien Tag gegeben und will an Markus´ Geburtstag am Sonntag einen Käsekuchen backen. Man kann durchaus sagen, dass wir uns wohl fühlen.
Es bleibt genug Zeit, den Regenwald zu erkunden. Sollte es wirklich mal langweilig werden, sind wir auch gerade mal 20 Kilometer von Cairns entfernt und Carol würde uns für die Strecke ihr Auto zur Verfügung stellen. Aber wir sind absolut froh, auch mal weg von den Touristenmassen zu sein, die den Nordosten hier ab Juni bevölkert.
Eigentlich wollten wir dieses Thema ja ausklammern, weil wir schon oft darüber geschrieben haben, aber da insbesondere ich mit dieser Sache hier ein bisschen Probleme habe, hier noch mal was zu Spinnen. Solange die Achtbeiner weit weg genug von mir sind, ist alles okay, aber wehe sie kommen mir zu nahe! Alles war in bester Ordnung, bis Carol mir einen Baum zeigte, an dem ich ein paar Äste absägen sollte. Auf dem Weg zum Baum meinte sie zu mir in einem Nebensatz, dass ich doch bitte die Spinne nicht erschrecken sollte, die in dem Baum sitzt…. Ich eine Spinne erschrecken….. Niemals!
„Wenn du an dem Baum rüttelst, wird sie sauer, rennt auf dich zu und krabbelt solange über deinen Körper, bis sie auf deinem Kopf sitzt. Sie ist so schnell, du kannst nichts dagegen machen, aber keine Angst, ihr Biss ist nicht tödlich.“ Trotzdem, mir ist vor Angst schon fast die Nase aus dem Gesicht gefallen.
Dann hab ich mir erst mal das Szenario angeschaut, vielleicht war das Tierchen ja klein – Irrtum. Der Ast war direkt über dem Netz, darin saß eine Spinne so groß wie eine Untertasse. Wie um alles in der Welt sollte ich diesen Ast absägen, ohne am Spinnennetz zu wackeln?
Naja, von der Leiter aus sieht die Angelegenheit vielleicht undramatischer aus. – Nein, Irrtum Nummer zwei, ich stand weniger als zehn Zentimeter von der Spinne weg, ich konnte ihre Augen sehen und dachte für einen Moment, dass sie mich anknurrte (auf alle Fälle fletschte sie ihre Zähne – ich bin mir sicher).
Circa zehn Minuten überlegte ich hochkonzentriert, wie ich am besten an diesen blöden Ast herankommen könnte, ohne meine kleine Freundin in dem Netz zu erschrecken, die sich offensichtlich langsam über mich lustig machte, denn sie tanzte ein paar mal durch ihr Netz. Ich winkte ihr freundlich zu, aber als ich die Säge ansetzte und den Ast kaum berührte, sprang sie drohend auf ihre Hinterbeine – sofort versteckte ich die Säge wieder hinter meinem Rücken, um mir eine neue Strategie zu überlegen. Leicht genervt hat sich Carol die ganze Zeit das Treiben angeschaut und dann endlich den alles entscheidenden Satz gesagt, auf den ich eigentlich schon die ganze Zeit gewartet hatte: „Lass vielleicht doch lieber Markus den Ast absägen.“
Wenig begeistert über diese Entscheidung, aber auch mit weniger Angst, hat er den Ast schließlich abgesägt. Die Spinne hat sich das in Ruhe angeschaut und ist danach verschwunden. Danke, dafür fällt das Geburtstagsgeschenk größer aus.
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- Name
- Matthias Schaider
- Alter
- 28
- Ort
- Bensheim
- Webseite
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Alle Reisen von Matthias Schaider
Australien
Für 6 Monate werden die beiden Freunde aus Bensheim bei Frankfurt quer durch Australien reisen. Nach der Ankunft in Sydney Anfang Mai steht erst mal "Urlaubmachen und Jobsuchen" auf dem Programm. Auch einige Touren rund um die "Südsee-Metropole" sind geplant: Ziele sind unter anderem die Harbour Bridge, The Rocks und die Blue Mountains.
Von Sydney aus wollen Matthias und Markus hoch in den Norden des Landes zum jobben. "Da ist es mit 25 Grad noch schön warm. Entweder auf einer Farm oder in Restaurants werden wir unser Glück versuchen, damit die Reisekasse nicht so schnell leer wird. Anschließend wollen wir wieder umherreisen, von Backpackerhotel zu Backpackerhotel...".
Wohin steht bisher noch nicht fest. Vermutlich aber weiter Richtung Norden (Queensland) oder mit dem Geländewagen ins heiße, endlose Outback zum Ayers Rock und Uluru National Park - immer in der Hoffnung, den reichlich vorhandenen giftigen Spinnen und Schlangen nicht zu begegnen.






