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Von Zucchini und Tomaten

07.06.2004 |

Heute morgen, 5 Uhr in der Frühe. Ein Mitarbeiter des Hostels reißt die Tür und ruft: „Matt, wake up.“ Damit bin wohl ich gemeint. Der Montag fängt ja mal wieder gut an. Nach circa fünf Minuten habe ich beide Augen offen und ab jetzt noch 20 Minuten Zeit bis der Bus kommt. Auf dem Weg zur Küche begegne ich Markus, der in einem anderen Zimmer untergebracht ist. Schnell ein paar Corn Flakes und runter zum Bus.

Zusammen mit knapp 30 anderen Backpackern fahren wir zu einer Farm außerhalb von Bundaberg. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, entsprechend frisch weht der Wind an diesem Morgen. Mittlerweile ist es kurz nach sechs, frierend stehen wir an unendlich weiten Feldern und warten, denn außer den Erntehelfern ist noch niemand da.

Am Horizont können wir die Traktoren und Autos des Farmers und seiner Angestellten erkennen. Gleich geht es mit der Arbeit los. Jeder bekommt einen Eimer und ein Messer in die Hand gedrückt und dann werden wir aufs Zucchinifeld geschickt.

Pro Reihe ein Erntehelfer, die Reihen erscheinen unendlich lang. Wir fangen gleichzeitig an, doch schnell sind einige vor den Anderen, zwei bis drei kommen nicht nach. Markus und ich versuchen immer im Mittelfeld zu bleiben, denn die, die hinten sind werden ermahnt: „Faster, come on.“ Die, die am weitesten vorne sind müssen den Langsameren helfen. Ständig kontrolliert einer der Angestellten, ob auch wirklich alle Zucchini geerntet wurden, falls nicht, gibt es Ärger. Nach diesem Prinzip läuft es elf Stunden ab! Die Fotos sind deshalb teilweise verwackelt, weil ich die Bilder vom Acker und auf dem Pick-up heimlich aufgenommen habe.

Der Rücken schmerzt, die Kratzer an den Unterarmen jucken. die Mittagssonne sorgt für über 40 Grad und trotz der Hitze trage ich einen Pullover, denn die Stacheln der Blätter haben schon am ersten Tag meine Unterarme aufgeschnitten. Ganz nebenbei kriechen die giftigsten Schlangen durch die Zucchini-Feldern. Trotz dieser enormen Belastungen beschwert sich niemand.

„Good money,“ sagen einige der Backpacker, die schon auf vielen Farmen in ihrer Zeit in Australien gearbeitet haben. Sie sind zufrieden, denn sie verdienen viel Geld in wenigen Tagen. Auf anderen Farmen wird teilweise nur vier Stunden gearbeitet und der Stundenlohn ist niedriger. Wir beschweren uns auch nicht, denn während andere wochenlang arbeiten müssen, reicht uns eine gute Woche, um mit dem Geld knapp einen Monat über die Runden kommen zu können. Andere bleiben mindestens ein Jahr in Australien und brauchen entsprechend mehr Geld.

Geld, das wir gestern (ja am Sonntag, wir arbeiten 7 Tage die Woche) bei der Tomatenernte nicht verdienen konnten, denn was dabei ablief klingt komisch, ist aber so. Hier der Spielfilm: Jeder der rund 100 Erntehelfer bekommt eine Zahl zugeteilt. Dann erhalten alle Zettel, auf denen diese Zahl steht. Sobald wir einen Eimer mit Tomaten gefüllt haben, sollen wir einen Zettel an den Eimer kleben. Wir kombinieren: Hier wird nach der Anzahl der geernteten Eimer gezahlt. Recht entspannt schlendern wir mit den anderen Helfern an das Tomatenfeld, als plötzlich alle hektisch werden. Während wir gemütlich anfangen eine Tomate nach der anderen zu pflücken, rasen die asiatischen Erntehelfer die Reihen entlang und haben ihre Eimer schneller gefüllt als wir schauen können. Okay, wir wollen die Herausforderung annehmen, rennen mit den Eimern hinterher und überholen die ersten asiatischen Tomaten-Kampf-Ernter. Schnell sehen wir wieder reife Tomaten, erhöhen nochmals die Geschwindigkeit und plötzlich „schwup“ weg, keine einzige rote Tomate mehr zu sehen. Was wir nicht ahnten: Auf der anderen Seite der Reihe jagen ebenfalls die asiatischen D-Züge nach den Tomaten und schnappen uns eine nach der anderen weg.

So nach und nach erwischen wir dann doch mal die ein oder andere Tomate und hoffen dabei immer, dass uns niemand von der anderen Seite die Hand abreißt, weil er sie für eine Tomate hält. Nach einer Stunde geben wir auf und picken gemütlich die übrig gebliebenen Tomaten aus den Büschen. Wir fragen uns längst nicht mehr, warum fast nur Japaner, Chinesen und Koreaner diesen Job machen: Sie beschweren sich nicht, verraten uns die wenigen anderen Europäer. Was sich auf dieser Farm abspielt, ist Ausbeutung pur, denn die Arbeit, die die Asiaten verrichten ist zwar nicht schwer, bei dieser Geschwindigkeit aber enorm kraftraubend. 1,20 Dollar Lohn pro Eimer ist absolut lächerlich, die Erntehelfer auf der Farm tun uns leid, denn sie hätten wesentlich mehr Lohn für ihre Leistung verdient.

Für uns steht jedenfalls fest, dass wir nie wieder Tomaten ernten werden, sondern nur noch für einen festen Stundenlohn aufs Feld gehen. Aber abgesehen vom Geld sind wir sehr froh, auch diese Seite von Australien kennen zu lernen und Erfahrungen zu machen, die wir anderswo nie hätten machen können.

Übrigens hat heute ein Scherzkeks Waschmittel in den Brunnen vor unserem Hostel gekippt. Die gesamte Straße war danach weiß.

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* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

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Name
Matthias Schaider
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28
Ort
Bensheim
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Alle Reisen von Matthias Schaider

Australien

Für 6 Monate werden die beiden Freunde aus Bensheim bei Frankfurt quer durch Australien reisen. Nach der Ankunft in Sydney Anfang Mai steht erst mal "Urlaubmachen und Jobsuchen" auf dem Programm. Auch einige Touren rund um die "Südsee-Metropole" sind geplant: Ziele sind unter anderem die Harbour Bridge, The Rocks und die Blue Mountains.

Von Sydney aus wollen Matthias und Markus hoch in den Norden des Landes zum jobben. "Da ist es mit 25 Grad noch schön warm. Entweder auf einer Farm oder in Restaurants werden wir unser Glück versuchen, damit die Reisekasse nicht so schnell leer wird. Anschließend wollen wir wieder umherreisen, von Backpackerhotel zu Backpackerhotel...".
Wohin steht bisher noch nicht fest. Vermutlich aber weiter Richtung Norden (Queensland) oder mit dem Geländewagen ins heiße, endlose Outback zum Ayers Rock und Uluru National Park - immer in der Hoffnung, den reichlich vorhandenen giftigen Spinnen und Schlangen nicht zu begegnen.