Cuba Fototour
Castillo del Morro und Cayo Granma
31.10.2002 |
Handeln, handeln, handeln…
...das ist das Zauberwort auf Cuba. Sozialistischer Einheitspreispolitik zum Trotze sind nur wenige Preise auf Cuba nicht verhandelbar. Jeder macht irgendwie und irgendwo seine kleinen Geschäftchen für die eigene Tasche, um den begehrten Dollar mit seiner Kaufkraft zu erlangen.
Bestes Beispiel sind die Taxifahrten. Der Taxameter sollte eigentlich feste und faire Preise garantieren. Doch der wird auf den Fahrten in der Regel entweder gar nicht eingeschaltet oder bereits nach der halben Route wieder abgeschaltet. So empfiehlt es sich, vor jeder Fahrt einen festen Preis auszuhandeln. Wer konsequent handelt und ein wenig Spaß dabei empfindet, der findet im Cubaner einen willigen Spielpartner, der zu günstigen Preisen befördert.
So handeln wir uns eine günstige Taxifahrt für 10,- USD aus. Fahrt zum Castillo del Morro mit Weiterfahrt zum Hafen Punta Gorda inklusive Rückfahrt ins Zentrum und Warten. Wir gehen nicht auf die Offerten der illegalen Anbieter ein, um eventuellen Ärger gar nicht erst entstehen zu lassen.
Vom Parkplatz am Castillo del Morro führt eine nett angelegte Baumallee zur Sehenswürdigkeit. Die Seiten sind gesäumt mit kleinen Handwerkständen und Lädchen, an denen naive Malerei und Nippes verkauft wird. Das letzte Stück wird von zwei eindrucksvollen, reich verzierten Bollwerken geschmückt. Beim Eintreten ins Castillo trifft uns der Preisschlag erneut. 4,- USD pro Nase sind fällig. Verständnislos schauen wir die Dame an. Doch sie wartet, bis wir einen Moment alleine sind und werden für die Hälfte hereingelassen. Freilich ohne Tickets! Wie gesagt, jeder geht seinen kleinen Geschäftchen nach.
1637 begann der Bau des Castillo’s auf der Felsenküste. Daher der Name: Morro = Felsen. Sinn und Zweck des Castillo’s war der Schutz der Hafeneinfahrt in die Bucht vor Piraten. Zahlreiche Kanonen zeugen hiervon. Ab 1775 war hier auch ein Gefängnis untergebracht. Heute befindet sich hier das „Museo de la Pirateria“ und einige Räume werden für Bildausstellungen genutzt. Ein weiterer Teil beschäftigt sich mit der Geschichte des Castillos. Beeindruckend ist das Munitionslager mit rund 10m Wandstärke und einem hölzernen Schlittenaufzug.
Das Beste ist aber der Blick auf die Sierra Maestra und die Bucht. 50 Meter entfernt vom Castillo befindet sich der Leuchtturm aus dem 19. Jhd. und eine kleine Militärzone. Als wir auf dem Rückweg dort vorbei spazieren, werden wir genau beäugt, ob wir uns evtl. dazu verleiten lassen, das Kameraauge über die verbotene Zone zu lenken.
Danach fahren wir zum Hafen Punta Gorda, ca. 8km vom Zentrum Santiago’s entfernt. Dort legt die Fähre zur nur rund 100 Meter entfernten Cayo Granma ab. Auf diesem kleinen Inselchen landete Fidel Castro 1956 mit seinen 82 Revolutionären. Auf einer kleinen, völlig überladenen Yacht namens „Granma“ kamen sie aus dem Exil in Mexico. Nur ein paar hundert Menschen leben hier. Für 0,10 USD kann man die stündlich verkehrende Fähre nehmen.
Oder man lässt es exklusiv angehen und besteigt für 3,- USD einen Katamaran zur Sonderfahrt. Rückfahrt inklusive. Anlegestelle ist am einzigen Touristenrestaurant der Insel. Schnell aber sehr angenehm kommen wir auf dem urigen Inselchen ins Gespräch. Verschlafen, pittoresk. Aber auch sehr arm. Ein Rundweg führt uns um das kleine Inselchen herum. Nach kurzer Strecke werden wir an einer Schule freundlich gegrüßt und bekommen das Privileg, eine cubanische Schule zu besichtigen.
Freundlich werden wir hereingebeten und der Professor führt uns herum. Das Holzhaus führt auf Holzpfählen bis über das Wasser. Durch den löcherigen Holzboden kann man sogar das Wasser sehen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Boden an manchen Stellen noch mehr aushält als das Gewicht von Kindern. Alles ist uralt und sieht aus, als würde es bereits seit 100 Jahren benutzt werden. Andererseits gibt es auch einen Raum, in dem sich PC’s mit Spielen und Lernprogrammen befinden. Wir werden der Schulklasse vorgestellt und ich kann ein paar Aufnahmen machen. Danach können die Kinder auf die Veranda zum Wasser. Eine Hälfte geht baden und die andere spielt ein Märchen aus einem Buch nach. Wir tauschen die Adressen aus und spenden der Schule 20,- USD. Zudem versprechen wir, ein paar Fotos zu senden.
Nachdem wir uns schweren Herzens wieder auf den Weg gemacht haben, lernen wir Elan kennen. Er spricht Englisch, lebt vom Fischfang und ist sehr nett. Gemeinsam erklimmen wir den Hügel des Inselchens. Ganz oben steht die Iglesia „San Rafael“. Jedes Jahr am 24.10. ist hier oben ein großes Fest und viele Leute aus der Region besuchen die Insel.
Dann stellt uns Elan seine Familie vor und zeigt uns sein Haus. Auch wir tauschen die Adressen, denn er wünscht sich, dass wir ein Foto seiner Familie senden. Geld will er nicht haben. Er lebe vom Fischfang und habe alles, was er braucht. Er schlägt vor, dass wir auch die Fotos für die Schule in einen Brief packen, damit es für uns billiger wird. Er verspricht, die Post dann entsprechend an die Schule weiterzugeben.
Dann heißt es, auf Wiedersehen sagen. Bis zum Bootssteg am Restaurant kann er uns nicht begleiten, denn das Restaurant ist für Cubaner verboten. Unfassbar. Auf der Insel gibt es auch ein alternatives Restaurant, dass auch für Cubaner zugänglich ist. Für Touristen aber noch teurer als das Restaurant am Hafen. Dennoch entspannen wir ein wenig auf der Terrasse und essen eine Kleinigkeit, bis wir die nächste Fähre zurück nehmen.
Von der Sonne erschlagen, kehren wir wieder heim. Den gemütlichen Teil des Tages leiten wir mit ein paar Cuba-Libre ein. Dann noch ein kleines Nickerchen und eine Paella zum Abendessen. Unfassbar, dass Sonne und Hitze so anstrengend sei können.
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- Sascha Menge
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- Ort
- Wuppertal
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Cuba Fototour
Vom 23.10 - 06.11.2002 waren Sascha Menge und seine Myriam in Cuba unterwegs auf der Suche nach dem Mythos und dem besonderen Flair der Karibikinsel. Der Fotoredakteur aus Wuppertal war bereits vor einigen Jahren beruflich hier und konnte dabei auch manchen Blick hinter die bröckelnden Fassaden der alten Kolonialbauten werfen.






































