KubaCuba Fototour

Erster Tag in Santiago

30.10.2002 |

Das Klima in Santiago de Cuba ist wirklich mörderisch. Hier, ganz im Osten der Insel werden die höchsten Temperaturen erreicht. Schon vormittags brennt die Sonne, dass man es nur im Schatten gut aushalten kann. Dazu kommt eine Luftfeuchtigkeit, an die ich mich erst gewöhnen muss.

Das Frühstück im Garten für 2,5 USD pro Person ist ausgezeichnet. Eine sehr süße Frucht dient uns sowohl als frischer Saft also auch zum Löffeln aus halber Frucht. Obwohl die Substanz faserig ist, kann man die Frucht leicht herauslöffeln.

Hier trinke ich auch den ersten Kakao auf Cuba. Und obwohl die Milch die Anmutung von Dosenmilch hat, kommt sie dem Geschmack unserer Milch recht nahe. Der Kaffee ist auch hier sehr aromatisch, wenngleich nicht mit dem aus Vinales vergleichbar.

Beim Frühstück lernen wir Florencia kennen, die Schildkröte des Hauses. Selbständig findet sie vom Garten in den Brunnen, klettert dabei die steilen Steine hoch.

Den Vormittag nutzen Myriam und ich, um die direkte Umgebung zu Fuß zu erkunden.

Nur 5 Blocks ist unser Zuhause vom zentralen „Parque Cespedes“ mit der Kathedrale in der Altstadt entfernt. Über die abgenutzten Schienen der ehemaligen Straßenbahn gehen wir die „Calle Hartmann“ dorthin entlang. Von der Dachterrasse des Hotels „Casa Granda“ hat man einen schönen Blick auf den Platz der Kathedrale, dessen Front tagsüber im Schatten zu liegen scheint.

Hier gibt es wirklich viel zu gucken. Dafür muss man es auch aushalten, dass man auf der Straße laufend angesprochen wird. Selbsternannte Touristenführer, Taxirufe zumeist privater Leute, die ihre nicht ganz so legalen Taxidienste anbieten und Schlepper, die versuchen, zahlungskräftige Touristen in Paladares zum Mittag- oder Abendessen zu locken. Dann gibt es viele Leute, die nach Stiften oder T-shirts fragen. Wenn man keine Stifte oder dergleichen dabei hat, wird in der Regel nach einem Dollar gefragt.

Am Schwierigsten wird man die Leute los, die einem die Stadt zeigen wollen. Denn egal was man tut, werden sie Dir folgen und jeden Blick in irgendeine Richtung dafür nutzen, zu erklären, was man gerade sieht. So bleiben auch wir bei unserem ersten Rundgang nicht alleine. Mit guten (Englisch-) Kenntnissen, großer Freundlichkeit und vor allem einer unglaublichen Beharrlichkeit schafft Luis es, uns 2 Stunden lang rumzuführen.

Wir erfahren, wo das Museum ist, in dem Fidel früher mal wohnte und was in der Zeit der Revolution in Santiago und der Sierra Maestra so alles vorging. In diesem Zusammenhang besichtigen wir auch eine berühmte Treppe. Leider habe ich nicht so ganz verstanden, was es damit für eine Bewandnis hat. Wir besichtigen den Hafen, schlendern herum und halten das eine oder andere Schwätzchen.

Auch hier sehen die Läden, in denen es Waren auf Bezugsschein gibt, erbärmlich aus. Die funkelnagelneue Registrierkasse will so gar nicht in die betagte Szenerie mit den leeren Regalen passen.

Für ein Foto bietet es reichlich morbiden Charme. Aber es ist schwer vorstellbar, wie man in diesen Läden seinen täglichen Bedarf decken kann. An anderer Stelle gibt es eine „Zapatilla“, was dem Namen nach auf einen Schuhladen deutet. Doch hier kann man gebrauchte Schuluniformen reinigen lassen und kaufen.

Die Dame hinter der Theke erzählt, dass Ihre Tochter in Deutschland lebt. Luis leistet uns gute Dolmetscherdienste für unser beschränktes Spanisch.

Ein paar Straßen weiter bringen Cubaner ein paar Touristen in einem Kurs die Salsa bei. Da viele Fenster und Türen der Häuser tagsüber offen stehen, kann man das Treiben hinter den Fassaden beobachten.

Mitten in den engen Straßen befinden sich eine Reihe von Schulen, die ihren Sportunterricht auf der Straße halten müssen. So können wir beobachten, wie sich Schulklassen im Mannschaftswettkampf messen.

Auch Aktuelles verschweigt Luis nicht. Schwere wirtschaftliche Probleme und Versorgungsnöte auf Bezugsschein. Daher sind Textilien, Stifte und der Bedarf des täglichen Lebens hier fast genauso beliebt wie der Dollar. Zwar führen Dollargeschäfte alle solche Güter. Das Preisniveau ist jedoch auf westlichen Standard und somit für die meisten Leute unerschwinglich.

Hier, weitab von Havanna ist ein Großteil der Leute nicht gut auf Castro und die Regierung zu sprechen. Luis ist der erste Cubaner, der mir zuflüstert, dass viele Leute „Castro, fuck you!“ hinter vorgehaltener Hand sagen oder zumindest denken. So bleibt es auch nicht aus, dass Luis uns alles Mögliche zum günstigen Preis verkaufen will. Rum, Zigarren, Kokain…

Wenn man jedem Drängen auf ein illegales Schnäppchen in Cuba nachgäbe, wird es am Ende der Reise eine LKW-Ladung Rum und Zigarren sein, die man im Hafen von Havanna auf die Reise schicken kann, um zu Hause ein Spirituosengeschäft nebst Zigarrenladen zu eröffnen.

Als wir in einem kleinen Lebensmittelgeschäft Wasser kaufen, bittet mich ein ca. 20-jährger Cubaner, einen 100,- Dollarschein zu wechseln, der nicht viel echter aussieht als Monopoly-Geld. Mit meiner Verneinung sieht er auch sofort zu, dass er Land gewinnt.

Ich denke, dass es nicht jedermanns Sache ist, sich mit Wohlbehagen in einem solchen Umfeld zu bewegen. Die Nöte schaffen die Umstände. Sobald man aber den Kern der Zentren verlässt, hat man in der Regel wieder seine Ruhe. Man wird nur noch selten angesprochen und die Leute gehen ihren Dingen nach.

Und man ist erstaunt, auf Leute zu treffen, die Hilfe anbieten, den Weg zeigen oder einfach nur der Meinung sind, man müsse unbedingt ein Foto von ihnen oder der wunderschönen Tochter machen (und hierbei habe ich die wohl schönste Cubanerin getroffen). Ohne sich einzuklinken oder die Hand aufzuhalten. Das Schwert auf Kuba ist zweischneidig.

Als uns die Mittagssonne weich kocht, schlagen wir den Weg nach Hause ein. Luis wird mit 2,- USD versorgt, von dem er sich ein Mittagessen besorgt. Von nun an wird er uns immer nett grüßen, wenn wir ihn des öfteren sehen.

Wie sehr wir weichgekocht sind, merken wir, indem wir den ganzen Nachmittag verschlafen. Zum Abendessen werden wir wieder wach. Reichhaltig und mit 5,- USD inkl. frischer Säfte und Kaffee nicht zu teuer. Wir haben nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Unsere Unterkunft ist eine grüne Oase und Balsam für die Seele. Es macht Spaß, den Abend im Hof zu verbringen und das Treiben einer kubanischen Familie zu beobachten. Für die 16-jährige Tochter scheint die ganze Welt ein Laufsteg zu sein. Mit erotischem Hüftschwung stolziert sie immer wieder an uns vorbei. Gemütlich lassen wir den Abend ausklingen.

Es gibt keine Kommentare.
Deine Meinung?

Fragen? Kommentare? Irgendwas...?

*


*

* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

Userbild
Name
Sascha Menge
Alter
jung geblieben
Ort
Wuppertal
Webseite
---

Alle Reisen von Sascha Menge

Cuba Fototour

Vom 23.10 - 06.11.2002 waren Sascha Menge und seine Myriam in Cuba unterwegs auf der Suche nach dem Mythos und dem besonderen Flair der Karibikinsel. Der Fotoredakteur aus Wuppertal war bereits vor einigen Jahren beruflich hier und konnte dabei auch manchen Blick hinter die bröckelnden Fassaden der alten Kolonialbauten werfen.