KubaCuba Fototour

Auf nach Santiago!

29.10.2002 |

Heute wachen My und ich mit heftigen Magen- und Darmkrämpfen auf. Leider so zeitgleich, dass ich zu Michael und Yvonne ins Zimmer stürzen muss, um ein Unglück zu verhindern. Glücklicherweise bleibt es bei diesem morgendlichen Ereignis und das Innere macht sich den Tag über nur durch gelegentliches Knurren bemerkbar.

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns aus Pinar del Rio. Wir fahren die Autobahn A4 zurück Richtung Havanna. Bevor wir das Auto zurückgeben, fahren wir am Malecon entlang in den Stadtteil Vedado in die Calle 23, die auch „La Rampa“ genannt wird. Das Büro der Cubana Aviacion ist bei N. 64, noch ziemlich nahe am Malecon. Wir wollen Tickets nach Santiago de Cuba oder nach Baracoa besorgen.

Im Vergleich zu anderen Büros sieht es bei der „Cubana Aviacion“ sehr neu und edel aus. Das Fotografieren ist nicht erlaubt und ich werde vom Sicherheitspersonal ermahnt. So muss es für einen unbeobachteten Schuss aus der Hüfte reichen.

Es gibt eine Fülle von Beratungsplätzen. Man muss eine Nummer ziehen und darauf warten, dass man aufgerufen wird. Die Wartezeit nutze ich, um die wohl bislang sauberste und wohlriechendste Toilette aufzusuchen. Klobrillen scheinen auf Cuba aber absolute Mangelware zu sein. Leider sind bei der Cubana keine Flüge in den nächsten 2 Tagen verfügbar.

Wir versuchen es wenige Häuser weiter bei der Aero Carribean. Hier ist es viel kleiner und nicht so modern. Dafür müssen wir nicht warten und werden von einer Schwangeren mit dickem Bauch sofort bedient. Problemlos bekommen wir Tickets noch für den gleichen Tag nach Santiago. 100,- USD pro Person für einen Flug von mehr als 1000km. Zahlung mit Kreditkarte ist kein Problem. Um 11.30 Uhr verlassen wir das Büro. Der Flug geht erst um 20 Uhr.

Genug Zeit, um den verlorenen Strandtag nachzuholen. Anstatt das Auto zeitgerecht zurückzubringen, fahren an die Playas del Este. Feiner, weißer Sand und glasklares Wasser empfangen uns als gelungene Wiedergutmachung für den Schröpfversuch cubanischer Art an der Cayo Jutia.

Nachmittags essen wir frischen Fisch am Strand, müssen jedoch erst einen bezahlbaren Preis aushandeln. Dazu gibt es eine frische Kokosnuss, die uns geradewegs vom Baum in die Hände fällt. Es ist zwar etwas Arbeit, die Nuss mit stumpfem Essbesteck zu öffnen, aber es lohnt sich.

Spätnachmittags machen wir uns auf, das Auto zurückzugeben und sind gespannt, ob wir was draufzahlen müssen wegen der verspäteten Rückgabe. Mit den letzten Tropfen Benzin kommen wir an.

Doch bevor wir das klären können, gibt es noch eine kleine Showeinlage. Michael, auch Dr. Evil genannt, Fahrer der Gruppe und Todesverächter, gibt der kubanischen Obrigkeit am Flughafen ein Beispiel teutonischer Fahrkünste unter Fehlinterpretation und Missachtung polizeilicher Anweisungen. Mit 10,- USD Strafe und strenger Mine wird seine fahrerische Einlage honoriert. Offizielle Begründung des Protokolls: Rückwärtsfahren von mehr als 20 Metern und unangepasste Geschwindigkeit. Michael, wir danken Dir für den Einblick in cubanisch/polizeiliche Amtshandlungen.

Über den Autovermieter wird die Strafe eingezogen. Wir sind mit der Ablieferung des Autos 6 Stunden zu spät. Eigentlich ist ein weiterer, voller Tag zu zahlen. Ich stecke ihm 30,- Dollar unter dem Tisch zu und die Sache ist geritzt. Dafür soll er uns aber noch zum nationalen Flughafen bringen, an welchem unser Flug startet. Wir steigen wieder in dasselbe Auto und haben nun berechtigte Angst, ob der Sprit reichen wird. Auf geraden Strecken macht der Fahrer immer wieder den Motor aus, um wertvolle Tropfen des Kraftstoffes einzusparen. Jedenfalls schaffen wir es bis zum Flughafen. Ob der Fahrer es auch wieder zurückgeschafft hat, ist fraglich.

Nach zügigem Einchecken und einem Flug im Dunkeln mit einer alten, russischen Propellermaschine landen wir in Santiago de Cuba. Wir haben einen geduldigen Taxifahrer, der mit uns Privatunterkünfte abklappert, nachdem die von Maria Luisa empfohlene Adresse leider keine zwei Unterkünfte frei hatte.

Zuerst suchen wir in einer Art Vorort auf einem Hügel. Ein nett angelegtes Wohnviertel mit kleinen ein-, zwei oder dreistöckigen Gebäuden. Man sieht, dass hier früher einmal etwas betuchtere US-Amerikaner wohnten. Angesichts der späten Stunde um 23 Uhr ist es nicht einfach, etwas Geeignetes zu bekommen.

Doch wieder haben wir Glück und finden in der Altstadt einen wunderschönen Kolonialbau mit Garten im Innenhof. Brunnen, Aquarium, Bananenstauden, Papagei, Schildkröte, zwei Hunde. Übernachtung für 15,- USD mit Klimaanlage.

Die recht einfachen Kolonialfassaden in den engen Straßen lassen oft gar nicht vermuten, dass sich dahinter derart prächtige Wohnungen befinden. Doch bevor wir das alles so richtig bewundern können, fallen wir nach einem Begrüßungsdrink tot ins Bett.

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Sascha Menge
Alter
jung geblieben
Ort
Wuppertal
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Alle Reisen von Sascha Menge

Cuba Fototour

Vom 23.10 - 06.11.2002 waren Sascha Menge und seine Myriam in Cuba unterwegs auf der Suche nach dem Mythos und dem besonderen Flair der Karibikinsel. Der Fotoredakteur aus Wuppertal war bereits vor einigen Jahren beruflich hier und konnte dabei auch manchen Blick hinter die bröckelnden Fassaden der alten Kolonialbauten werfen.