KubaCuba Fototour

Zu Fuß unterwegs in Pinar del Rio

28.10.2002 |

Schlimmer geht’s immer! Das Wechselbad der Gefühle setzt sich mit seinen Segen und Unheil bringenden Ereignissen fort. Den vorläufigen Höhepunkt der Reise bildet ein Diebstahl, den My heute morgen feststellt. Gestern Nachmittag hat My das erste und einzige Mal ihr Geld auf dem Zimmer gelassen. Und nun fehlen 300,- USD. Dabei hat der Dieb nicht alles gestohlen, sondern von jeder Scheinsorte nur einen Teil genommen, damit es nach Möglichkeit nicht auffällt. Doch My notiert sich die täglichen Ausgaben und zählt täglich nach, weil sie während der Reise einen Überblick behalten möchte. Daher weiß sie ziemlich genau, wie viel Geld sie hat und bemerkt das fehlende Geld bei der täglichen Kontrolle. Somit ist eindeutig klar, dass das Geld gestern Nachmittag/Abend aus dem Zimmer gestohlen wurde, als wir nicht da waren.

Zudem fehlt mir eine kurze Hose. Stattdessen finde ich eine Kurze Hose von Michael unter dem Bett. Von der wertvollen Kameraausrüstung fehlt glücklicherweise nichts. Yvonne und Michael darauf angesprochen, stellen sie fest, dass ihre Sachen ebenfalls durchgewühlt wurden. Bei ihnen fehlt jedoch kein Geld, wohl weil Sie es in Reisegürteln versteckt halten. Als Myriam erste Tränen über die Wangen kullern, werde ich sauer. Ich rufe den Hausherrn hinzu und verlange nach der Polizei. Er behauptet, ein Diebstahl sei unmöglich. Seit 5 Jahren habe es keinen Zwischenfall gegeben. Darauf zeigen wir Myriam’s Notizen über die Ausgaben und die daraus resultierenden, fehlenden 300,- USD. Und ich erneuere meine Aufforderung, nun die Polizei zu rufen, auch wegen der Versicherung bei Einbruch-Diebstahl. Doch er bittet darum, nicht die Polizei zu rufen, weil er befürchte, dass man seine Unterkunft deswegen für 5 Jahre schließen werde.

Er geht in seine Wohnung und kehrt mit 300,- USD zurück, die er mir zahlen will, wenn wir davon absehen, die Polizei zu rufen. Seine Frau steht dabei neben ihm und scheint zum ersten Male zu realisieren, dass sich möglicherweise fremde Personen in ihrem Hause tummeln und ihr Unheil anrichten. Eine dicke Gänsehaut zeichnet sich auf ihrem ganzen Körper ab. Ohne die beiden, die absolut geschockt wirken, zu bezichtigen, wünsche ich mir, dass wir die Scheine markiert hätten, um festzustellen, ob wir jetzt nicht den einen oder anderen Schein wiederbekommen, den wir bereits besessen haben. Jedenfalls nehmen wir das Geld an und vereinbaren Stillschweigen. Auch um evtl. einen kleinen Vorteil dem Dieb gegenüber zu haben, falls er erneut aktiv werden möchte. Wir tun so, als sei nichts geschehen und als hätten wir nichts bemerkt. Aber es ist ein sehr blödes Gefühl, dass wir keinen sicheren Rückzugsort haben. Jedenfalls hält unser Gastgeberehepaar nun verschärfte Wache.

Beim Frühstück ergeben wir uns der Spekulation. Wer war es? Die Handwerker im Haus? Die beiden dunklen Gestalten, die uns vor Kurzem entgegenkamen, als wir ins Haus gingen? Das halte ich für möglich. Wer waren die überhaupt? Was ist mit Pedro? Nicht er selber. Er war gestern mit uns unterwegs. Aber als Teil organisierter Kriminalität? Etwas später wird er uns jedenfalls fragen, ob mit dem Zimmer und der Unterkunft alles in Ordnung sei. Aber ist die Frage alleine verdächtig? Vielleicht haben wir ja auch nur bedröppelt dreingeschaut und deshalb die Frage. Aber Spekulation hilft nicht weiter. Es ist ein blödes Gefühl, dass wir möglicherweise jemandem weiter ins Gesicht lachen, der uns beklaut. Unschuldige bezichtigen werden wir aber nicht. Letztlich hat sich unser Verlust auf eine kurze Hose beschränkt und wir sind gewarnt.

Doch nun haben wir noch den ganzen Tag vor der Brust und planmäßig erkunden wir die Stadt zu Fuß.

Bereits vor der Haustüre stelle ich fest, dass gegenüber eine Schule ist, die mir bislang nicht auffiel. Unser erster Gang führt uns ins Touristenbüro. Dort stehen zwei nagelneue PC’s mit Windows 2000 und Internetzugang. Hier gibt es tatsächlich die kleinen Zugangskärtchen „Tuisla“ von „Correros de Cuba“ zu kaufen. Für 15 Dollar gibt es 3 Stunden Internetzugang. Allerdings ist die Übertragungsgeschwindigkeit alles andere als berauschend. Gerade wenn man zu Hause DSL nutzt. Aber nun können wir endlich die ersten Nachrichten nach Hause schicken und es funktioniert zuverlässig.

Hier findet uns Pedro, der einfach nur die Leute fragen muss, um uns zu finden. Da wir am Folgetag wieder abreisen werden, verabreden wir uns für den Abend, um gemeinsam Essen zu gehen.

Dann treibt uns der Hunger auf die Straße und wir suchen Pesopizza. Schnell werden wir fündig. Für 16 Peso wechseln 4 Pizza Margarita den Besitzer, wobei 26 Peso 1,- USD ausmachen. Dann haben wir Durst und suchen nach Pesodrinks. Auch hier werden wir fündig. Aus einem großen Kessel wird der Drink direkt hinter dem Hauseingang geschöpft und in grünen Marmeladengläsern serviert. Der Preis. Ein Peso pro Glas. Na ja, dann ist natürlich auch noch ein Eis vom Stand direkt nebenan drin, das für 2 Peso den Besitzer wechselt. Und wir sehen auch, wozu man eine Tüte Pesoerdnüsse noch so alles gebrauchen kann.

Frisch gestärkt ziehen wir weiter. Wir finden einen netten Markt, auf dem alles mögliche zu kaufen ist. Autoersatzteile, Gemüse, Süßigkeiten, Schuhe…

Dafür verlieren wir unsere Mädels. Nämlich aus den Augen. Auf unserer Suche lernen wir eine Reihe Leute kennen. Nur die Mädels finden wir so schnell nicht. Ein schwarzer Cubaner ist sehr erfreut uns kennen zu lernen. Er erkundigt sich über Deutschland, weil er in drei Monaten dorthin reisen wird. Er macht sich etwas Sorgen darüber, ob es für ihn dort sicher sei, weil er Schwarzer ist. Er habe gehört, dass dies unter Umständen gefährlich sein könnte. Und zur Sicherheit lässt er sich von uns bestätigen, dass in Deutschland für alle Menschen die gleichen Gesetze und Preise gelten. Trotzdem sagen wir, dass es auch in Deutschland keine absolute Garantie für die persönliche Sicherheit gibt.

Tja, offensichtlich ist die ganze Welt um ihre Sicherheit besorgt, wenn es auf eine Reise geht.

Endlich finden wir auch unsere Mädels wieder. Die brennende Neugierde, die Yvonne ständig dazu zwingt, in Hinterhöfe zu schielen, wird ihr zum Verhängnis, als sie durch einen Spalt hindurch auf einen Hof schauen möchte und dabei direkt in ein anderes Augenpaar auf der anderen Seite des Tores blickt und sich dabei tierisch erschreckt.

Wir finden ein nettes Restaurant, dass wir für unser heutiges Abendessen vormerken. Der Paladar „El Meson“, in einem schönen Kolonialbau gelegen. Die Anzahl der „Nagelstudios“ auf Cuba steht der unserer Heimat in nichts nach.

Meine Kamera ist ein wirklich ein probates Mittel, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Niemand scheint sich so gerne fotografieren zu lassen, wie der Cubaner. Wenn ich bloß eine Sofortbildkamera dabei hätte… man könnte den Leuten damit eine riesige Freude machen.

Und wir treffen den ersten und bislang einzigen Menschen an, der aus dem „Fotografieren lassen“ ein Geschäft macht und sich mit einer wirklich stattlichen Zigarre als Fotomotiv anbietet. Das kennen wir eigentlich nur aus Havanna, dessen „Stars“ die Hochglanzseiten vieler Reiseführer zieren.

Wirklich erbärmlich sind die Geschäfte, in denen Kubaner auf Bezugsschein einkaufen. Durch die Knappheit der Güter wird auch heute noch mit Bezugsschein rationiert. Nur wer Dollar besitzt, kann sich mehr leisten und die Segnungen der kapitalistischen Konsumwelt erwerben.

Als sich Yvonne und Michael spät nachmittags hinlegen, ziehen wir alleine los, um das schöne Licht der untergehenden Sonne einzufangen.

Bevor wir wieder nach Hause gehen, kann ich mir einen weiteren, kleinen Traum erfüllen. Eine Rasur bei einem Frisör. So richtig schön, mit heißem Handtuch, Pinsel und Rasiermesser. Für 1,- USD wird er wahr. Eigentlich kostet es nur wenige Peso. Doch wer mir einen kleinen Traum erfüllt und ein scharfes Messer an meinen Hals hält, dem gebe ich gerne etwas mehr. Inklusive ist auch das obligate Gespräch über Gott und die Welt.

Nach der Rasur und dem After-Shave wird die Haut noch mit einer beruhigenden Creme behandelt. Mit einem vibratorähnlichen Gerät wird sie eingearbeitet. Ich weiß, was sie jetzt denken. Was hat dieser Mensch für komische Träume? Doch ich habe dieses Erlebnis sehr genossen.

Abends finden wir uns dann im Paladar El Meson ein. Die wenigen Tische sind voll besetzt und wir werden ins Hinterzimmer gebeten, um kurz auf einen freien Tisch zu warten. Im Vergleich zu den bisherigen Paladares gibt es hier eine Speisenkarte mit Preisen. Wir essen reichlich und gut zu fairen Preisen. Hauptgerichte zwischen 3,85 und 4,50,- USD. Reichliche Beilagen für 1,- USD, Cerveza „Cristal“ für 1,20 und Cola für 1,- USD. Zudem ist das Ambiente des Kolonialbauses mit seinen hohen Decken sehr gemütlich und eindrucksvoll.

Nach dem Essen schlendern wir noch durch die Stadt. Bei einem Bier wollen wir uns von Pedro verabschieden. Endlich finden wir auch Peso-Bier. 10 Peso pro Flasche, der erste Schluck wird für Ochun geopfert. Morgen früh, wenn Pedro in der Uni ist, geht es für uns zurück nach Havanna. Wir müssen das Auto zurückgeben.

Auf dem Wege treffen wir, wie klein die Welt doch ist, Jesus (den wir in Vinales kennen lernten) wieder. Bereits aus der Ferne meinten wir ihn am Klang der Gitarre wiederzuerkennen. Nun kann er uns seinen Sohn vorstellen. So erweitert sich unsere Abschiedsrunde ein wenig und der Abend wird fortan wieder mit wunderbarer Musik verschönert. So lassen wir den Abend ausklingen.

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Name
Sascha Menge
Alter
jung geblieben
Ort
Wuppertal
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Alle Reisen von Sascha Menge

Cuba Fototour

Vom 23.10 - 06.11.2002 waren Sascha Menge und seine Myriam in Cuba unterwegs auf der Suche nach dem Mythos und dem besonderen Flair der Karibikinsel. Der Fotoredakteur aus Wuppertal war bereits vor einigen Jahren beruflich hier und konnte dabei auch manchen Blick hinter die bröckelnden Fassaden der alten Kolonialbauten werfen.