KubaCuba Fototour

Der erste Ausflug

24.10.2002 |

Nach Kaffee, Obst und Brot zum Frühstück versuchen wir einen Leihwagen zu bekommen, um die Rundreise beginnen zu können. Es gibt mehrere Anbieter. Lt. Infobüro soll Micar der Günstigste in Guanabo sein. Dabei fragt sich Michael, wie und warum es sein kann, dass ein sozialistischer Staat mehrere Autoverleihfirmen und Fluggesellschaften zu teilweise unterschiedlichen Preisen unterhält. Eines der vielen kubanischen Rätsel.

Micar bietet uns einen Chrysler Neon für 65,- USD am Tag inkl. Vollkasko ohne Selbstbeteiligung und freie Kilometer. Für 4 Personen eine bezahlbare Sache. Doch leider ist es nicht möglich, den Wagen zu leihen und an einem anderen Ort wieder abzugeben. Somit würden wir wieder nach Guanabo zurückkehren müssen.

Daher packen wir unsere Sachen, verabschieden uns von Margarita nebst Gatte Israel und lassen uns mit dem Taxi nach Havanna fahren (30 USD). Am internationalen Flughafen gibt es eine große Auswahl an Anbietern. Das Preisniveau ist aber leicht höher. Wir mieten einen Mitsubishi Lancer für 70,- USD pro Tag. Reichlich zerschrammt mit schlecht ausgeführten Karosseriearbeiten, aber recht neu. Es ist üblich, dass der Wagen mit vollem Tank geliefert wird und man ihn leer wieder abgibt. Deshalb muss eine Tankfüllung (natürlich leicht überteuert) zusätzlich mit der Rechnung bezahlt werden. 200,- USD Deposit bar oder per Kreditkarte als Selbstbeteiligung für das nicht mitversicherte Radio.

Nun kann es losgehen…oder?

Wie kriegen wir das alles bloß in den Kofferraum? Es dauert ein Weilchen, bis wir den Dreh raushaben, das gesamte Gepäck von 4 Personen zu verstauen. Einpacken, auspacken, einpacken, auspacken… drehen, wenden, PRESSEN!!! ... RUMMS! Die Klappe ist endlich zu. Der Innenraum des laufenden Wagens schon eiskalt und wir total verschwitzt.

Bevor es nach Soroa geht, erkundigen wir uns auf dem nationalen Flughafen nach den Möglichkeiten, ein Flugticket nach Trinidad, Santiago de Cuba oder Baracoa zu bekommen. Doch, oh Wunder, am Flughafen kann man keine Tickets kaufen!

Die Dame im Flughafenbüro ist hilfsbereit, aber ahnungslos, wie wir an Tickets kommen können. Letztlich stellt sich heraus, dass Tickets nur in den Büros der Fluggesellschaften zu kaufen sind. Und die befinden sich in Havanna im Stadtteil Vedado in der Straße „La Rampa“. Gut zu wissen.

So, jetzt geht’s los.

Soroa

Mit Kubaführer von Reise-Know-How und einer Karte bewaffnet, fahren wir die Autobahn A4 Richtung Pinar del Rio. Kubanische Autobahnen unterscheiden sich sehr deutlich von den uns Bekannten. Statt zäh vorwärts bewegender Blechlawinen, gibt es hier nur wenig Autoverkehr. Stattdessen nutzen Fahrräder, Kühe, Ziegen und anderes Getier die mit Schlaglöchern übersäte Straße. Das Tempolimit zwischen 80 und 100 Km/h sollte man tunlichst befolgen. Es ist sehr zu empfehlen, eine Landkarte mitzunehmen.

Die Beschilderungen sind vielenorts knapp und schlecht. In einem Mix aus Landkartenstudium und Nachfragen werden wir uns fortan durchschlagen. Erstes Ziel ist der Wasserfall und der botanische Garten von Soroa.

Unterwegs nehmen wir den Fahrer eines gestrandeten Fahrzeuges mit, der nach Pinar del Rio muss. Er will ins Büro seiner Firma, um den Wagen mit einem Schlepper zu bergen. Doch nach und nach drängt sich der Gedanke auf, dass es vielleicht ein netter Schlepper ist, der uns nach Pinar del Rio zu bringen versucht. Dort habe ein Onkel eine schöne Unterkunft, abends gäbe es ein großes Fest in der Stadt … blablabla … er hört nicht mehr auf zu reden.

Elegant setzen wir ihn ab, als wir die A4 in Richtung Bahia Honda nach Soroa verlassen. Wir wünschen ihm alles Gute für den weiteren Weg nach Pinar del Rio. Zum Abschied erklärt er freundlich den weiteren Weg, damit wir uns an diesem verwirrenden Autobahnkreuz nicht verhaspeln. Im weiteren Verlauf der Reise werden wir noch mehrfach Leuten begegnen, die sich mit einer Kladde in der Hand und einer abenteuerlichen Story vor den Wagen werfen. Doch das wiederkehrende, amtliche Auftreten mit der Kladde hat sie letztlich selber enttarnt.

Erster Anlaufpunkt in Soroa ist der Parkplatz und das Restaurant, dass sich im Eingangsbereich zum Wasserfall befindet. Dort kann man auch die Tickets (3,- USD pro Person) kaufen. Schon auf dem Parkplatz erkundigt sich der Parkwächter, ob wir nicht eine Massage benötigen, die ebenfalls zum Dienstleistungsspektrum des Erlebnisses Soroa gehört. Zu westlichen (aber noch bezahlbaren) Preisen gibt es kubanische Kost.

Vom Restaurant aus ist es ein kleiner Fußmarsch runter zum Wasserfall. In der Mittagshitze ist der Wasserfall eine herrliche Abkühlung und wunderschön. Dazu eine frische Kokosnuss mit Strohhalm für 1 USD. Mit Rum für 2 USD. Ich bin so angenehm abgekühlt, dass meine Freunde ihre warmen Hände an mir kühlen.

Die nasse Badehose vergesse ich dann im Baum als wir gehen. Dass ich die weitere Reise trotzdem mit meinem Badetextil bestreiten kann, verdanke ich einer jungen Kubanerin, die mir das gute Stück mit einem Augenzwinkern hinterhergetragen hat.

Vorläufiger Höhepunkt des Tages ist der an sich unspektakuläre Rückweg. Auf halben Wege flitzt blitzschnell eine Schlange aus dem Gebüsch und schlängelt sich durch die Beine von My, um weiter panisch zu flüchten. My schlängt das Herz bis zum Hals! ...der Schlange sicher auch, denn versehentlich hätten My und Yvonne im vollen Gang beinahe draufgetreten.

Den Orchideengarten betrachten wir nur von außen. Der Eintritt mit 3,- USD + 2,- USD pro Kamera (3,- USD pro Videokamera) erscheint uns nicht angemessen. Bei 4 Personen und 3 Kameras kommen wir auf 18,- USD.

Fahrt nach Vinales

Von Soroa fahren wir nördlich bis Bahia Honda und folgen dann der Straße westlich Richtung Vinales. Einfach traumhaft! Überall lädt die bergige Landschaft der Mogoten zum Anhalten ein und wir treffen nette, freundliche Leute. Zum ersten Mal sehe ich Mimosen, dessen Blätter sich zusammenziehen, wenn man sie berührt.

Alles andere als nett und gut ist die von Schlaglöchern durchsiebte, kurvenreiche Straße. Die Schlaglöcher haben es wirklich in sich. Und wir sind froh, dass wir mit Vollkasko ohne Selbstbeteiligung unterwegs sind. Trotzdem, oder gerade deshalb, bietet dieser Teufelsritt eine Menge Spaß.

Nach und nach färbt sich die Erde tatsächlich knallrot, wie es die Reiseführer berichten.

Staunend halten wie immer wieder an, um den Mix aus Laubbäumen, Kiefern und Palmen in roter Erde zu bewundern. Eingerahmt vom Hintergrund der Mogoten und der untergehenden Sonne spiegelt sich die wunderschöne Landschaft auf den Wasseroberflächen von Reisfeldern. Dermaßen beeindruckt und gebremst von Schlaglöchern, erreichen wir Vinales erst im Dunkeln.

Dennoch finden wir nach kurzem Suchen eine wunderschöne Unterkunft in der Casa von Maria Luisa. Sie ist Zahnärztin. (Calle Salvador Cisnero No.142; Tel: 93390, direkt an der Hauptstraße Richtung Pinar del Rio).

Es stehen zwei Zimmer zur Verfügung. Eines mit Klimaanlage. 15,- USD pro Nacht, Frühstück für 3,- USD, Mittag- und Abendessen für 5,- USD, inkl. Säfte und Kaffee.

Wunderschöne, alte Möbel versprühen reichlich Charme und den Geruch edlen Holzes. Schwer beeindruckt sind wir von der nach und nach mehr als reichlich gedeckten Speisetafel mit frischem Fisch, Reis, verschiedenen Salaten und Obstsorten, Suppe, Brot, Butter, nachdem wir so unerwartet und kurzfristig dort aufgeschlagen sind. Unübertrieben ist es der leckerste Fisch, den ich bislang gegessen habe.

Aber auch mit dem besten Willen für die Köchin schaffen wir es nicht im Entferntesten, alles zu essen. Ich verliebe mich noch heute in diese wunderschöne Region und die Unterkunft. Den Abend lassen wir auf der Veranda mit Cuba Libre und Mojito ausklingen. Neben dem Haus befindet sich ein kleines Lokal (Casa Don Tomas), das mit bunten Lampen zu uns herüberscheint und mit dem Wind leise die Salsa einer Liveband zu uns herüberweht. Die Band hat sogar „Hotel California“ von den „Eagles“ im Repertoire.

Der Bruder unserer Gastgeberin Luisa, Fernando, gesellt sich zu uns und wir fragen ihn, was man in der Umgebung unternehmen kann. Dabei versorgt er uns mit selbstgemachten Zigarren, während wir den Rum spendieren. Da wir alle Nichtraucher sind, haben die aromatischen, starken Zigarren eine wirklich „berauschende“ Wirkung. Wir bitten Fernando, er möge uns welche für zu Hause besorgen. 25 Stück für 10 Dollar.

Erst gegen Ende der Reise werden wir erfahren, dass es verboten ist, Zigarren ohne Banderole und Echtheitszertifikat zu kaufen und auszuführen. Neu daran war nicht die Tatsache an sich, sondern dass nun danach gesucht und beschlagnahmt wird. Ohne selber erwischt zu werden (einfach ins große Gepäck stecken), werden wir am Flughafen beim Rückflug einen ganzen Haufen beschlagnahmter Zigarren sehen.

Unter anderem erzählt Fernando, dass man zu Pferde ins weitläufige, für Pkw’ s in weiten Teilen unzugängliche, Vinalestal reiten kann und dass dies ein wunderschönes Naturerlebnis sei. Der Preis beträgt 5 Dollar die Stunde. So wollen wir am nächsten Morgen mit der aufgehenden Sonne losreiten.

Dafür muss sich Fernando auf den Weg machen, um das zu arrangieren. Sein Motorrad springt jedoch nicht an und er muss erst eine Weile schimpfend basteln und reichlich ankurbeln, bevor das Krad sich keuchend, qualmend und widerwillig in Bewegung setzt.

Als der Rum sich schwer in den Kopf setzt, gehen wir alle schlafen.

Es gibt keine Kommentare.
Deine Meinung?

Sascha
hat nur 14 Bilder geschickt
Sascha
hat nur 14 Bilder geschickt
Userbild
Name
Sascha Menge
Alter
jung geblieben
Ort
Wuppertal
Webseite
---

Alle Reisen von Sascha Menge

Cuba Fototour

Vom 23.10 - 06.11.2002 waren Sascha Menge und seine Myriam in Cuba unterwegs auf der Suche nach dem Mythos und dem besonderen Flair der Karibikinsel. Der Fotoredakteur aus Wuppertal war bereits vor einigen Jahren beruflich hier und konnte dabei auch manchen Blick hinter die bröckelnden Fassaden der alten Kolonialbauten werfen.