KubaCuba Fototour

Letzter Tag in Santiago

04.11.2002 |

In aller Frühe verabschieden wir Michael und Yvonne zu Ihrem Abstecher nach Baracoa.

So machen wir uns auf ins Büro der Cubana Aviacion, dass nur 2 Blocks entfernt ist. Wir kaufen 2 Tickets nach Varadero gleich morgen früh. Stückpreis 100,- USD. Nach den beiden Diebstahlgeschichten und dem damit verbundenen Ärger fürchten wir ein wenig um den Erholungswert der Reise. Auch wenn alles sehr schön und interessant ist, möchten wir ein paar Tage im Hotel in Varadero verbringen. Alle Wertsachen in den Safe und die Seele sorgenfrei ein paar Tage baumeln lassen.

Dann versuchen wir, den Rest unserer Tuisla Internetkarten zu benutzen, um ins Internet zu gehen. In der Postoffice von Correos de Cuba werden wir fündig. Hier akzeptiert man unsere Karten. Doch alles ist gerammelt voll mit cubanischen Studenten im unklimatisierten Raum. Sehr interessant, das cubanische Treiben zu sehen. Aber nach einiger Zeit des Wartens gehen wir wieder ins Hotel Casa Granda und gönnen uns den Luxus der schnellen Internetverbindung. 5,- USD für eine Stunde oder 3,- USD für eine halbe Stunde. Vielleicht haben wir schon Antworten bekommen.

Tatsächlich. Meine Mutter hat auch zurückgeschrieben. Auf unsere Erzählung hin, dass wir nach Varadero ins Hotel wollen, bietet sie an, eine Reservierung über ein Reisebüro zu Hause zu organisieren. Eine kurze Internetrecherche ergibt dann auch schnell, dass die Konditionen durchweg günstiger sind als direkt im Hotel zu buchen. So machen wir von dem Angebot Gebrauch.

„Morgen Nachmittag werden wir in Varadero ankommen. Bitte ein 3 oder 4 Sterne Strandhotel mit All Inclusive und GANZ WICHTIG einem Safe auf dem Zimmer. ...Wir melden uns heute Abend wieder…“

Der Nachmittag ist wieder der cubanischen Polizei gewidmet. Der 14 Uhr Termin. Diesmal rüsten wir auf und nehmen unsere Wirtin Maria mit, die gut Englisch spricht und uns als Dolmetscher helfen kann. Wir verlassen uns nicht auf die Zusagen, dass man vor Ort Englisch spricht oder Dolmetscher zur Verfügung hat.

So fahren wir mit dem Taxi pünktlich an der Unidad Provincial de Procesamiento Penal in Versailles/Santiago de Cuba vor. Wie erwartet, spricht keiner Englisch. Dennoch scheint hier alles geordneter zu laufen. Wir warten nur eine kurzen Augenblick und der Captain, der uns freundlich begrüßt, ist offensichtlich im Thema und vorbereitet. Wir ziehen uns in ein einstöckiges, ruhiges, schattiges, spartanisches Bürohäuschen zurück. Der Captain versucht sich sogar als Mechaniker, indem er die abenteuerliche Elektroinstallation eines Ventilators versucht für uns in Gang zu bringen. Seine Schreibmaschine hat er unter dem Arm mitgenommen. Die Akte, die scheinbar die Unterlagen unseres Falles beinhaltet, ist mittlerweile daumendick. Er bittet uns, noch 20 Minuten zu warten. Es wurde ein Anwalt bestellt, der mir lt. cubanischem Gesetz zur Wahrung meiner Interessen zusteht.

Dann geht es los. Der Captain geht die Sache hochkonzentriert an und kontrolliert noch einmal mit gezielten Fragen das Protokoll vom Tag des Geschehens. Dabei schreibt er ein Neues. Marias Dolmetscherdienste sind sehr hilfreich. Er erläutert, dass es sich bei dem vorliegenden Fall um ein Kapitalverbrechen im Sinne des cubanischen Gesetzes handelt. Diebstahl an Touristen. Beide Diebe sind erst 16 Jahre alt. Ich wundere mich, dass sie betonen, dass es sich um Schwarze handelt. Abweichend zum deutschen Recht, erlangen Cubaner mit 16 Jahren die Strafmündigkeit. So erwartet die beiden eine rund 10-jährige Haftstrafe.

Vom restlichen Geld weiß man auch hier nichts. Maria wird bevollmächtigt, uns das Geld zu überweisen, wenn es wieder auftaucht. Für alle Fälle bekomme ich den Vorfall bescheinigt. Das ist das Mindeste, was ich verlange, wenn aufgrund meiner Anzeige möglicherweise erhebliche Haftstrafen ausgesprochen werden.

Der Rest des Tages verläuft ruhig. Wir machen einen Spaziergang und packen unsere Sachen für den morgigen Abflug zusammen. Leider konnten wir wegen der Diebstahlsache nicht so viel sehen, wie wir das gerne getan hätten. Dafür kennen wir nun schon drei Polizeistationen.

Mit der Abenddämmerung versuche ich erneut mein Glück, ein schönes Bild der Kathedrale einzufangen. Doch die Kirche liegt zu jeder Tageszeit im Schatten. Dafür ist mir ein schöner Sonnenuntergang gegönnt.

Dann will ich wissen, ob sich schon was mit der Hotelbuchung von zu Hause aus ergeben hat. Diesmal wähle ich den direkten Weg und rufe an. Und tatsächlich ist alles geregelt. Hotel Brisas del Caribe. Strandhotel, Zimmersafe, All Inclusive. Hotelvoucher per Fax direkt ans Hotel. Ein paar Tage der reinen Erholung und Entspannung mit Sonnenmilch im Tagebuch winken uns lächelnd zu. Schnell schnappe ich noch ein paar Informationen aus dem Internet auf, um Myriam mit allem Wissenswerten zu versorgen. Jacuzzi, Tauchen inklusive, Sportgymnasium…

Nach dem Abendessen mache ich mich auf die Suche nach Yuri. Ich will mich von ihm verabschieden und wir haben ihm zum Dank ein Päckchen fertig gemacht. Eine ganze Tüte für einen Obdachlosen. Am Parque Cespedes finde ich ihn schließlich, nachdem ich mich durchgefragt habe. Ich reiche ihm, mit der Bitte es anzunehmen, die Tüte. Stolz präsentiere ich, dass es sich mitunter um die berühmte, gestohlene Hose handelt. Des weiteren ein wenig Geld, T-Shirts, Sonnenbrille, Waschmittel und Toilettenartikel. Er verspricht, umgehend zu schreiben.

Am letzten Abend schaffen wir es dann endlich, mal ein wenig vom Nachtleben zu schnuppern. Santiago ist eine Stadt der Künste. Livemusik, Tanzschulen, Künstler. Eine aktive Nachtszene. In manche Tanzschule kann man durch geöffnete Türen hereinsehen. Früh müssen wir wieder aufstehen.

Varadero, wir kommen!

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Sascha Menge
Alter
jung geblieben
Ort
Wuppertal
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Alle Reisen von Sascha Menge

Cuba Fototour

Vom 23.10 - 06.11.2002 waren Sascha Menge und seine Myriam in Cuba unterwegs auf der Suche nach dem Mythos und dem besonderen Flair der Karibikinsel. Der Fotoredakteur aus Wuppertal war bereits vor einigen Jahren beruflich hier und konnte dabei auch manchen Blick hinter die bröckelnden Fassaden der alten Kolonialbauten werfen.