KubaCuba Fototour

Sierra Maestra

03.11.2002 |

Mit der einigermaßen zurückgewonnenen Mobilität kann der Urlaub nun weitergehen. Auf dem Außenrist kann ich wieder einigermaßen gehen.

Yvonne und Michael laden uns zu einer Tour an der Küste der Sierra Maestra entlang ein. Sie haben ein Auto mit Fahrer und Klimaanlage organisiert. Privat also und nicht ganz legal. Denn Privatleute dürfen keine Touristen mitnehmen. Und so steigen wir in die klimatisierte Keksdose eines Daihatsu Cuore mit dem gelben Nummernschild, dass die private Natur des Fahrzeuges offenbart.

Die Sierra Maestra ist wirklich eine beeindruckende Gebirgslandschaft.

Die Unübersichtlichkeit in den Bergen hat den Revolutionären um Castro seiner Zeit Schutz vor Batista geboten. Und genau hier in Santiago de Cuba hat das Batista-Regime ihr Ende gefunden. Am 31.12.1958 floh Batista aus dem Land. Wir fahren 3 Stunden die Küste entlang. Freundlich grüßende Cubaner treiben auf den Straßen all ihre Haus- und Nutztiere umher. Ziegen, Schafe, Kühe, Pferde…

Zur Rechten liegen die Berge, dessen höhere Gipfel bereits in den Wolken liegen. Zur Linken liegt das Meer. An einigen Stellen ist die Straße von Schotterlawinen verschüttet. Aus Geröll hat man Wege zum Umfahren gebaut. Sogar aufwendige Tunnels durch die Berge sind so verschüttet worden. Trotz all der Schönheit gibt es nur wenige Strände. Überwiegend besteht die Küste aus schroffem Felsen oder rundgescheuerten Steinen. Doch gelegentlich laden kleine Buchten mit beigefarbenen oder dunklem Sand zum Baden ein.

Wir folgen zunächst einem Schild zum Revolutionsmuseum, werden jedoch nicht fündig. Längst haben wir befestigte Wege verlassen und können nun die Geländegängigkeit und das Durchhaltevermögen unseres rasenden Elefantenrollschuhs bewundern, dass sich ächzend und stöhnend über Stock und Stein bewegt. Der Fahrer kennt keine Gnade mit seinem Fahrzeug. Letztlich müssen wir feststellen, dass derzeit erst ein neues Museum gebaut wird aus Lehm und Stroh.

Dafür haben wir nun Gelegenheit, den verlorenen Strandtag an der Playa Siboney wieder gut zu machen. An dem augenscheinlich schönsten Strand lassen wir uns nieder. Die Berge dabei im Rücken.

Zwei Jungs, die am Anfang von Ihrem Vater beraten werden, angeln vom Strand aus nur mit Schnüren und Haken. Ansonsten sind wir ganz allein. Nur noch ein Schwein kommt beizeiten vorbeigeschnüffelt. Von den Bergen im Rücken fließt ein kleiner Süßwasserstrom glasklaren Wassers über den Strand ins Meer. Dabei hat er eine Furche in den Sand gezogen. Leider sind meine Füße noch zu schmerzempfindlich, als dass ich im Sand größere Strecken zurücklegen könnte, um dem Verlauf Richtung Berge zu folgen.

Dafür ist es erquickend genug, sich in der brütenden Mittagshitze in das Wasser des Baches zu legen, nicht zu schwitzen und zu relaxen. Ein einmaliges Erlebnis.

Ein kühlendes Dauerbad, strahlender Sonnenschein, vor uns das Meer und hinter uns die beeindruckende Kulisse der Sierra Maestra mit einem Hut aus Wolken. Wenn man ruhig im Bach liegen bleibt, sinkt man nach und nach körpergerecht ein Stückchen ein. Es ist auf Dauer fast schon ein wenig kühl. So halten wir es mehrere Stunden in der Sonne aus.

Wir müssen dringend etwas für unsere Röstung tun, damit man uns zu Hause auch den Urlaub gebührend ansehen wird.

Auf dem Rückweg finden wir mal einen Preissschlag anderer Art. Wir trinken 8 frische Fruchtsäfte aus den bereits angesprochenen Marmeladengläsern an einem kleinen Peso-Stand für umgerechnet 3 US-Cent. Nie und nirgends haben oder werden wir etwas Günstigeres bekommen.

In Santiago zurück angekommen, laden wir Yvonne und Michael in die Bar des Hotels Casa Granda am Park Cespedes ein (direkt an der Kathedrale), die an den Markisen im Bild zu erkennen ist. In der Hochparterre befindet sich die offene Bar in dem schönen Bau und man hat einen guten Blick auf den Platz. Wir drücken unsere Dankbarkeit in Mojitos aus. 2,- USD für einen Cocktail im 4 Sterne Hotel sind vertretbar.

Es sind gut gemixte Drinks. Doch dass sie nicht mit Habana Club gemixt wurden, findet nicht unsere geschmackliche Zustimmung. Vermutlich ist es weißer Ron Mulata. Wer Habana Club kennt, kann ihn recht gut herausschmecken. Also ordere ich die nächste Runde mit dem Zusatz „con Habana Club, por favor“. Angesichts unserer geschmacklichen Expertise macht die Kellnerin große Augen. Man kann förmlich in ihren Augen lesen: „Was, das schmeckt ihr (doofen Touris) heraus?“

Und tatsächlich ist die nächste mit Silver Dry der gewünschten Marke gemixt. Mittlerweile hat unsere Bedienung das Geschlecht gewechselt. Die dritte Bestellung ergänze ich mit der Frage, ob sie auch mit 3-jährigem Habana Club mixen können. Das kommt nun einer Revolution gleich. Wir zerstören das Weltbild cubanischer Gastronomen über deutsche Touristen. Eilig bewegt sich der Kellner zur Theke und wir werden zum Gespräch an der Theke und mancher schlägt sich vor Vergnügen auf die Schenkel.

Auf unseren nüchternen Mägen beginnen sich die 3 Drinks schon mächtig angenehm auszuwirken. Dann sehen wir unseren guten Engel Yuri auf dem Platz und laden ihn zu einem Bier ein. Mojitos mag er nicht. Wieder einmal ist es so, dass er als Cubaner keinen Zutritt zur Bar erhält. Yvonne und Myriam müssen all Ihre weiblichen Reize und blonden Haare einsetzen, um des Wachmanns Herz zu erweichen, unseren Freund einzulassen. C’est la Guerre. Etwas später treffen wir auch den Basken aus Bilbao wieder, der uns bei der Diebstahlgeschichte an der Playa Siboney ebenfalls mit seiner Aussage geholfen hat. Er ist auf einem Fahrrad durch Cuba unterwegs. Wir feiern zusammen weiter, bis uns das bereitstehende Abendessen nach Hause lockt. Heute gibt es ein kleines Festmahl, denn es ist für Yvonne und Michael der letzte Abend, bevor Sie in aller Frühe einen Abstecher nach Baracoa machen werden. Das feiern wir gebührend mit Fisch, Lobster und weiteren Drinks.

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Sascha Menge
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Wuppertal
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Alle Reisen von Sascha Menge

Cuba Fototour

Vom 23.10 - 06.11.2002 waren Sascha Menge und seine Myriam in Cuba unterwegs auf der Suche nach dem Mythos und dem besonderen Flair der Karibikinsel. Der Fotoredakteur aus Wuppertal war bereits vor einigen Jahren beruflich hier und konnte dabei auch manchen Blick hinter die bröckelnden Fassaden der alten Kolonialbauten werfen.