KubaCuba Fototour

Ausspannen in Varadero - Pauschales Finale

06.11.2002 |

Da sind wir nun. In der Kunstwelt cubanischen Tourismus. Abgeschirmt vom tatsächlichen Leben auf Cuba. Schlagbaum am Eingang, Sicherheitsdienst und eine Stadt in der Cubaner nur Zutritt haben, wenn sie hier arbeiten oder wohnen. Hier übrigens noch die Nachlieferung des Meisterstückes, als der Sicherheitsmann unsere glorreiche Ankunft mit einem Foto festhielt.

Es präsentiert sich das Bild des Pauschaltouristen. Mit Badelatschen schlurft er die Wege entlang vom Zimmer zur Bar und an den Strand. Mama hätte längst zu mir gesagt: „Kind, heb’ die Füße beim Gehen hoch!“ Und abends bemüht sich eine Schar von Animateuren redlich, beim trägen Volk ein wenig Stimmung aufkommen zu lassen. Allerdings ist es nicht ganz leicht, nach 10 Stunden Sonne und 24 Cocktails noch auf den Putz zu hauen. So schläft der eine oder andere in seinem Stuhl ein, nur gestört von gelegentlichem Applaus, während die cubanische Version von „Titanic“ im Meer versinkt. Wir bevorzugen die persönlichere Atmosphäre und besuchen gelegentlich die Proben am Nachmittag.

Wie es sich für ein pauschales Arrangement gehört, wird es durch reichliche Mängel getrübt. Eine Baustelle legt den gesamten Bereich der Terrasse bei der Lobby und Teile des Hauptpools lahm. Baucontainer und Baufassaden schmücken das Gesamtbild. In den Möbeln unseres Zimmers ist der Holzwurm. Und nachdem wir es bislang geschafft haben, in der einfachsten Unterkunft nicht zerstochen zu werden, sind wir nunmehr allnächtliche Opfer von Bettwanzen. Dafür können wir die Klimaanlage im Gegensatz zu den meisten anderen Hotelgästen einwandfrei regulieren. Und nur 4 Mal müssen wir sie nach einem Ausfall reparieren lassen.

Die meisten Fitnessgeräte im Gymnasium sind defekt. Trotzdem schinde ich mich fast täglich rund 90 Minuten in der Hitze. Irgendwie widersinnig, dass alle möglichen Räume klimatisiert sind, während das Sportgymnasium nur Ventilatoren an den Decken hat. Auch eine Reiseleitung stellt sich nicht vor, selbst nach unserer Anfrage bei der Rezeption nicht. Am Ende werden wir vom Qualitätsmanagement der ach so seriösen Firma Thomas Cook (ehemals Condor und Neckermann) mit einen Reisegutschein von 150,- Euro belohnt.

Aber man bezichtigt uns der Lüge, eine Reiseleitung habe sich nicht vorgestellt und beteuert, dass die beschriebenen Mängel von der Reiseleitung nicht bestätigt werden konnten, obwohl wir eindeutige Fotobeweise vorgelegt haben. Na ja, wer sich schon nicht um die Gäste kümmert, der schert sich wohl auch nicht sonderlich um die Zustände.

Die Leute bei Thomas Cook scheinen es so zu sehen, dass es dem Gast obliegt, auf den Zustand der Hotelanlage zu achten. Erst bei Beschwerden gibt es für den Reiseveranstalter Anlass zur Mängelbeseitigung. Am besten nehmen wir beim nächsten Urlaub unseren Anwalt gleich mit. Wir stellen rechtlich verwertbare Ermittlungen an, stellen Beweise sicher, befragen Zeugen. Badehose und Shorts lassen wir gleich Daheim und packen stattdessen Businesskleidung ein und Gesetzestexte. Und da wundern sich die Damen und Herren, dass die Branche kriselt.

Aber unserer Erholung tut die Sache keinen Abbruch und wir genießen die Annehmlichkeiten des Hotellebens und machen ein paar Bekanntschaften, die sich beim Backgammonspielen so herrlich des Falschspielens bezichtigen können. Die Tatsache, dass wir wegen der Baumaßnahmen große Umwege durch dunkle Gänge zum Restaurant gehen müssen, trägt nur unserer Gesundheit bei.

Inklusive ist auch ein Schnuppertauchen sowie ein Tauchgang im Meer nach bestandener Tauch- und Schwimmprüfung. Und einen zweiten Tauchgang gibt es für nur 25,- USD. Der beinhaltet sogar das Tauchen in einer Höhle. Bis zu einer Tiefe von rund 17 Metern sinken wir herab. Ein wirklich phantastisches Erlebnis. Dabei hole ich mir eine Verbrennung an einer Feuerkoralle. Leider gibt es hiervon keine Fotos, da ich während der Tauchgänge meine Ausrüstung nicht unbeaufsichtigt lassen möchte. Skandal an der ganzen Sache ist, dass Myriam 25,- Dollar zahlen soll, da sie uns wegen einer Ohrverletzung nur begleiten will, ohne selber zu tauchen. Abzocke cubanischer Art, am Ende auch noch von Thomas Cook als einwandfrei bestätigt. Obwohl Myriam gleichermaßen als Inklusivleistung der Tauchgang und die damit verbundenen Transporte zustehen, soll sie dafür zahlen, wenn ihr eigener Kopf bloß nicht mit den Gerätschaften unter Wasser geht. Nie wieder Thomas Cook!!!

Der Zimmerservice und das all-inclusive-Leben macht träge. Während der Rumreiserei schaffte ich es immer, irgendwann den Stift in die Hand zu nehmen. Doch hier wird es zur Herausforderung, die kleinen Erlebnisse und das merkwürdige Verhalten urlaubsreifer Großstädter schriftlich festzuhalten. Myriam und ich müssen ein Geständnis ablegen. Wir werden es nicht mehr nach Havanna schaffen. Nicht mal ein Abstecher mit dem Touristenbus dorthin kann uns für einen Nachmittag unserer verdienten Ruhe entreißen. Ein ganzer Urlaub in dieser Art von Leichenstarre ist für uns undenkbar. Aber als Abschluss nach einer eindrucksvollen Reise ist es sehr angenehm.

Nach wenigen Tagen treffen auch Yvonne und Michael in Varadero ein. Allerdings kommen sie privat in der Stadt unter und wegen der strengen Politik des Hotels müssen wir uns außerhalb treffen. Sie sind etwas von Havanna mit seiner „Überkommerzialisierung“ enttäuscht.

Und so endet langsam mein Bericht über unsere Cubareise. Es sei denn, ich soll Ihnen ausführlich von exzessivem Herumliegen am Strand oder am Pool erzählen.

Davon, dass wir Vögel aus der Hand füttern konnten. Von den üblichen Magenproblemen, die gelegentlich im Zusammenhang mit dem Hotelessen auftreten. Davon, dass auch die Hotelangestellten jede Gelegenheit nutzen, um Schwarzwaren anzubieten oder eine Massage.

Von der Band, mit der wir uns anfreunden, die keinerlei Trinkgeld von uns erwarten und sich privat mit uns treffen und uns zu sich einladen.

Davon, dass wir dem Tod die Stirn bieten und in einem Mini-Freizeitpark mit einer cubanischen Achterbahn fahren. Von Castro, dem Gärtner, der jeden Tag freundlich mit seinem Hut grüßt und am Abreisetag die ganze Anlage nach uns absucht, um Myriam eine Rose zu schenken.

Davon, dass wir am Abreisetag hemmungslos zuschlagen und heimlich an der Bar Havanna Club für kleines Geld kaufen. Davon, dass wir uns für Dollar in den Transferbus einkaufen und deswegen manche Pauschaltouristen hinterher im Bus stehen müssen.

Davon, dass ich mich am Flughafen rund 10 Minuten um Kopf und Kragen reden muss, dass ich meine Dutzende von Filmen für private Zwecke verknipst habe, auch wenn ich ein Fotodesigner bin. Jawohl, auch Fotodesigner sollten das Recht auf Urlaub mit Kamera haben. Davon, dass eine der Kameras für ein GPS-System gehalten wurde und meine armen Filme ein halbes Dutzend mal durch das Röntgengerät geschickt wurden.

Dann sitzen wir im Flugzeug nach Hause. Wir werden mit dem Trailer für den kommenden Star Trek-Film verwöhnt, der uns einen baldigen Kinobesuch nahe legt. Und wir machen die ersten Erfahrungen, wie es ist, wirklich heftige Turbulenzen zu durchfliegen. Unangekündigt schütteln sie uns durch, während gerade das Essen serviert wird.

Haltlos rutscht das Tablett vor meinen Augen hin und her. Instinktiv stecke ich das Brötchen in meinen Mund und greife nach der Tasse Tee und dem Becher mit dem Tonic-Wasser. Mit einem Knie versuche ich das Tablett an seinem Platz zu halten und mit den Armen das Wackeln der Getränke auszupendeln. Dabei läuft es mir rechts kalt und links heiß über die Hände. Als dann ein paar Leute vor und hinter uns in die kleinen Papiertüten sich noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen, ist die Situation perfekt. Vom Brötchen erstickt, dass ich immer noch mit den Zähnen festhalte, muss ich loslachen. Dabei poltern die Stewardessen mit den Servierwagen die Gänge entlang, um sich selber endlich auch anschnallen zu können. Dazu bestätigt der Pilot, dass die Sache nicht gefährlich, sondern nur unangenehm ist.

Bekleckert aber heil landen wir in Düsseldorf. Noch einen Kaffee am Flughafen und wir lassen uns von unserem Abholkommando nach Hause kutschieren. Regen und Kälte bringen uns wieder in die Wuppertaler Realität. Es scheint nichts Schöneres zu geben, als nach einem 10-stündigen Flug, stundenlangen Kontrollen und insgesamt mehr als 24 Stunden Wachsein, eine Dusche zu nehmen und ins eigene, frisch bezogene Bett zu steigen und ein wenig Schlaf nachzuholen bis in den frühen Abend hinein. Den Himmel bedeutet es, wenn der Folgetag darauf ebenfalls noch frei ist.

Ich bzw. wir hoffen, dass Ihnen es ein wenig Spaß gemacht hat, bei unserem Urlaub ein dabei zu sein. In jedem Fall war Cuba eine interessante Erfahrung. Wirklich schön wurde es abseits größerer Menschenansammlungen. Das Valle de Vinales war eines der Höhepunkte und scheint es wert, dort und in der Umgebung einen kompletten Urlaub zu verbringen.

Das Naturerlebnis Cuba ist phantastisch! Hingegen ist das Erlebnis der Städte durch die wirtschaftliche Situation und die totale Konzentration auf den Tourismus eine zweischneidige Sache, begleitet von Bettlerei, penetranter Geschäftigkeit und Kleinkriminalität, ohne die man das Kleinod echten cubanischen Stadtlebens (mit vielen kleinen, schönen, persönlichen Erfahrungen) anscheinend nicht mehr erleben kann.

Mit ganz herzlichen Grüßen verabschieden wir uns.

Sascha und Myriam

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² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

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Name
Sascha Menge
Alter
jung geblieben
Ort
Wuppertal
Webseite
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Alle Reisen von Sascha Menge

Cuba Fototour

Vom 23.10 - 06.11.2002 waren Sascha Menge und seine Myriam in Cuba unterwegs auf der Suche nach dem Mythos und dem besonderen Flair der Karibikinsel. Der Fotoredakteur aus Wuppertal war bereits vor einigen Jahren beruflich hier und konnte dabei auch manchen Blick hinter die bröckelnden Fassaden der alten Kolonialbauten werfen.