Richtung Westafrika ...

Escherichia Coli

03.02.2009 |

Nachdem ich die Malaria im Dezember, die Darmbakterien in Kombination mit einer Cholik, Pilzinfektion sowie Erkaeltung im Dezember und Januar ueberstanden habe, bin ich hoffentlich endgueltig wieder gesund und fit fuer neue Abenteuer in der Elfenbeinkueste. Diese muss ich allerdings alleine bestreiten, da meine Mitstreiterin und Kollegin Ina am 27. Januar 2009 die Elfenbeinkueste verlassen hat und nach Deutschland zurueck gereist ist.

Die letzten 6 Wochen habe ich aufgrund meiner Erkrankungen fast ausschliesslich in Abidjan verbracht. Neben regelmaessigen Terminen in Kliniken sowie umfangreichen Spritzen-Behandlungen unter fragwuerdigen Bedingungen – mein persoenlicher Hoehepunkt war das Angebot einer aus der Safety-Box geangelten Kanuele – hatte ich aber auch zahlreiche angenehme Erlebnisse. Mit einem Freund war ich zu einer Preisverleihung zur Ehrung der besten ivorischen Kuenstler sowie zu diversen Tanzveranstaltungen im Palais de la Culture (Kulturpalast) in Abidjan. Dabei habe ich den Direktor des Palastes Sidiki Bakaba, ivorischer Schauspieler, sowie zahlreiche andere ivorische Kuenstler (Saenger, Taenzer und Schauspieler) kennen gelernt. Sozusagen das Who is Who der Elfenbeinkueste. Die Veranstaltung zur Auszeichnung der Besten, sage ich mal, war nicht gerade oscarreif. Trotz einer internationalen Fernsehuebertragung fielen zeitweise Ton und Mikrofon aus, der Programmablauf war mehrfach unklar und unterbrochen. Die Beleuchtung und Buehnendekoration wuerde ich eher als suboptimal bezeichnen, die Stimmung allerdings wie immer als gut, ausgelassen und heiter.

Neben Ausfluegen nach Assouindé und Maféré war ich auch wieder in Grand Bassam. Zum letzten Mal gemeinsam mit Ina und ihrem Freund Felix, der zu Gast war, haben wir den Strand von Bassam und das Musée National du Costume besucht. In dem Museum konnten wir uns Informationen ueber die traditionelle Kleidung, Musik, ueber das landestypische Handwerk sowie den Aufbau der Doerfer in den verschiedenen Landesregionen einholen. Darueber hinaus habe ich das Maison des Artistes besucht und mir die vielen farbenfrohen Gemaelde angeschaut. Eines dieser Werke darf ich jetzt mein Eigen nennen. Kunsthandwerk – meine kleine Leidenschaft! Ich mag es, in den Ateliers der Schneider, Goldschmiede und Maler zu sitzen und diese bei ihrer Arbeit zu beobachten. Die Ergebnisse der Handarbeiten sind immer beeindruckend.

Letzten Mittwoch habe ich mich, gemeinsam mit Felix und einem Schueler aus dem Internat, auf den – infolge langer Wartezeiten – zeitaufwendigen Weg nach Assouindé gemacht. Vor Ort haben wir den Tag an der Lagune und anschliessend, nach einer Ueberfahrt mit der Pirogue, am Strand verbracht. Das Dorf Assouindé liegt etwas abschuessig von der Route de Bassam (Strecke Aboisso/Abidjan). Die Lagune ist idyllisch von Palmen und einigen vereinzelten Haeusern umgeben, der Strand streckenweise sauber und voll schoener Muscheln. Ein Ausflug in das kleine Fischerdoerfchen ist in jedem Fall sehenswert. Wenn die gluehende Sonne gegen 16.00 Uhr etwas an Kraft verliert, kann man sogar die ortsansaessigen Fischer bei ihrem Handwerk beobachten. Das Ganze gleicht einem Familienprojekt. Die Maenner werfen die Netze aus und holen sie wieder ein, damit die Kinder die gefangenen Fische einsammeln koennen. Die Kleinkinder laufen mit ihren Muttis zwischendrin herum und beobachten das taegliche Zeremoniell. Auf diese Art und Weise werden sie zeitgleich an ihre spaeteren Pflichten und Arbeitsaufgaben herangefuehrt. Diese bewerkstelligen sie, soweit ich beobachten kann, auch ueberwiegend mit Freude und Einsatzbereitschaft – ob es der Verkauf von Fruechten am Obststand, das Spuelen von Tellern im Allocodrome, das Sammeln von Muscheln beim Spiel am Strand, die daheim zubereitet werden, oder eben der Fischfang ist.

Nach dem Besuch des Buergermeisters in Maféré, dem Arbeitsangebot in dem dortigen CDV (Centre de Dépistage Volontaire) sowie der Ausreise von Ina fand am 29. Januar 2009 eine kurzfristig geplante Versammlung statt. Unter Beteiligung der Tutoren, dem Directeur Technique, dem Secrétaire Général, dem Chef de Cabinet sowie Tiemélé, der rechten Hand des Praesidenten des Conseil Général, sollte der derzeitige Stand unseres Freiwilligendienstes ausgewertet werden. Die Bilanz: Frust bei allen Beteiligten, mangelnde Transparenz hinsichtlich des weltwaerts-Programms (sowohl inhaltlich als auch finanziell), keinerlei Aktivitaeten fuer die Freiwilligen seit 5 Monaten und infolge dessen der vorzeitige Abbruch des Dienstes einer Freiwilligen. Im Rahmen der 2stuendigen Arbeitssitzung wurden die Fehlerquellen und Ursachen fuer das bisherige Scheitern des Projektes analysiert. So herrschen nach wie vor Unklarheiten im Ablauf des Programms, da es sich um ein Pilotprojekt handelt. Darueber hinaus fehlt es den Kooperationspartnern untereinander an Verbindlichkeit und Transparenz bzgl. der fuer Jeden bestehenden Rechte und Pflichten, es besteht kein formeller Rahmen. Zudem wurde hinsichtlich der Aufnahme von Freiwilligen ein gewisser blinder Aktionismus ausgemacht. Im Rahmen persoenlicher Beziehungen – keine institutionelle Bereitschaft – wurde der Empfang von Freiwilligen beschlossen. Im Nachhinein bestehen jedoch aufgrund intern getroffener Arrangements Engpaesse im Budget, was die Beherbergung und Versorgung der Volontaere betrifft. Und zu guter Letzt haben sich die Verantwortlichen endlich mal eingestanden, dass sie uns infolge der oben benannten Gruende ueber 5 Monate hinweg vernachlaessigt und uns selbst ueberlassen haben. Nach dieser recht zufrieden stellenden Bestandsaufnahme wurde die Versammlung vorerst vertagt. Mittlerweile habe ich wenigstens die Zusage, dass am Montag, den 09. Februar 2009, eine Loesung fuer meine Arbeitslosigkeit gefunden werden soll. Gemeinsam mit den Tutoren der Aufnahmeorganisation (POYA International) sowie des Conseil Général soll ein Arbeitsplan fuer die naechsten Wochen erstellt werden. Zwischenzeitlich beschaeftige ich mich mit der Erkundung von Aboisso, Bekannten und Freunden treffen, Hausputz, Waesche waschen, Reisen nach Abidjan und eben dem Schreiben von Berichten. Viel Spass beim Lesen und viele Gruesse sendet Madlen.

Es gibt keine Kommentare.
Deine Meinung?

Training AFRIKA BOYA ITraining AFRIKA BOYA IITanzvorfuehrung im Palais de la Culture in AbidjanEine traditionelle Guitarre - la koraKunsthandwerk in Grand Bassam - sculpture IKunsthandwerk in Grand Bassam - sculpture IIKunsthandwerk in Grand Bassam - Malerei (Alfred Sansan)Werk von Alfred Sansan, Tel. (00225) 05778603Alfred Sansan IAlfred Sansan IIKunsthandwerk in Grand Bassam - tissageVerkauf von Stoffen in AboissoDie verschiedenen traditionellen PagnesUnsere Stoffverkaeuferin in AboissoBijouterie in AboissoGold- und SilberschmiedDorf- und Familienleben
Madlen
hat nur 35 Bilder geschickt
Madlen
hat nur 35 Bilder geschickt
Userbild
Name
Madlen Janke
Alter
37
Ort
Wurzen
Webseite
---

Alle Reisen von Madlen Janke

Richtung Westafrika ...

Ab Ende August gehe ich für 1 Jahr als Freiwillige in die Côte d'Ivoire. Ich werde im Bereich AIDS-Prävention arbeiten und Alphabetisierungskurse geben. Des Weiteren lebe ich in einer Gastfamilie vor Ort, in der Nähe von Toumodi. Das ist zumindest bisher der Plan. Über weitere Infos verfüge ich noch nicht ... es kann also spannend werden!?