Richtung Westafrika ...
Die PMI d'Aboisso
04.04.2009 |
Nachdem mein Arbeitsplan nach 7 Monaten endlich aufgestellt ist und ich mich fuer eine Verlaengerung des Freiwilligendienstes bis August 2009 entschieden habe, arbeite ich nun seit einigen Tagen in der PMI (Protection Maternelle et Infantile) von Aboisso. Die PMI ist eine Art dem Krankenhaus angegliederte Beratungsstelle fuer Muetter mit ihren Kleinkindern. Ihr Angebot umfasst in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus die medizinische Betreuung der Muetter vor und nach der Geburt, die Impfung von Mutter und Kind, das Wiegen und Beobachten der Babys sowie deren koerperlichen, geistigen und motorischen Entwicklung. Dementsprechend finden zu den Themen Gesundheit, Hygiene und Ernaehrung seitens der 2 angestellten Sozialarbeiterinnen Beratungsgespraeche sowie praktische Demonstrationen und Uebungen statt. Die vor Ort taetigen Hebammen sowie KrankenpflegerInnen uebernehmen Aufgaben wie praenatale Untersuchungen und Impfungen. Grundsaetzlich sind in der Konzeption des Krankenhauses auch Gruppengespraeche und Hausbesuche vorgesehen. Dafuer bestehen derzeit jedoch keine Kapazitaeten, weder im Budget noch hinsichtlich des Personalschluessels. Krankheits- oder ausbildungsbedingt fehlendes Personal wird nicht vertreten. Entsprechend ueberlastet sind einige Abteilungen, andere wiederum sind zeitweise arbeitslos. Auf Grund des Platzmangels in der gesamten Einrichtung finden die Beratungsgespraeche mit den Sozialarbeiterinnen und Hebammen nur selten in Form von Einzelgespraechen und anonym statt, sondern ueberwiegend in Anwesenheit anderer Muetter. Ungewoehnlich fuer mich und, so denke ich, auch heikel. Intime, private oder gar tabuisierte Themen koennen in diesem Rahmen nicht besprochen werden. Themen wie Sexualitaet, AIDS etc. bleiben stets vor der Tuer. Erschwerend bezueglich der Immunschwaechekrankeit AIDS kommt hinzu, dass die werdenden Muetter ihren Status haeufig nicht kennen, dass Tests im Fall der Schwangerschaft nicht obligatorisch sind, Tests in der Einrichtung zur Zeit nicht mal vorraetig sind und spezielle Programme fuer HIV-positive Muetter in der Vergangenheit eingestellt wurden. Alle genannten Punkte in Kombination mit der gaengigen Politik, die Neugeborenen die ersten 6 Monate zu stillen, stellen die PMI, den Gesundheitssektor sowie Politiker vor ein gesundheitspolitisches Problem. An diesem wird gegenwaertig jedoch nicht gearbeitet.
Die Notwendigkeit der PMI ist unbestreitbar. Auch wenn ich mich oefters dabei ertappe, zu denken, in Afrika wurden schon immer viele Kinder geboren, die Menschen wissen, diese gross zu ziehen, muss ich haeufig feststellen, dass gerade hier viele Herausforderungen, in Folge dessen auch Ueberforderung und teilweise Vernachlaessigung herrschen. Angefangen bei der Geburtenplanung. Die Frauen haben noch immer Vorurteile bezueglich der Pille, sie sterilisiert und bringt Krankheiten. Zudem wird sie von vielen Frauen unregelmaessig eingenommen. Manchmal erscheinen Frauen in der Einrichtung, deren Pillenrezepte seit Wochen abgelaufen sind. Diese unbestaendige Pilleneinnahme kann natuerlich durchaus zu Irritationen des Hormonhaushalts und koerperlichen Beschwerden fuehren. Kondome, so wurde mir berichtet, werden nach wie vor von vielen unbelehrbaren Maennern abgelehnt. Das hat zur Folge, dass zahlreiche Kinder in recht unguenstige sowie ungesunde Familien- und Lebensverhaeltnisse geboren werden. Es gibt junge Muttis, Schuelerinnen und Studentinnen, die keinen Mann an ihrer Seite haben, Grossfamilien, die finanziell ueberfordert sind und sich medizinische Versorgung nicht leisten koennen, HIV-positive Muetter, Vaeter und Kinder. Sie leben zum Grossteil in Armut, in unhygienischen Verhaeltnissen, haben keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser und die Ernaehrung ist unausgewogen oder gar unzureichend. Das weit verbreitete Maggi-Pulver bringt zwar Geschmack, aber keine Vitamine! Die Kinder spielen zwischen Muell, Dreck und Staub, sie nehmen alle moeglichen Gegenstaende in den Mund, sind gefaehrlichen Muecken sowie anderen Krankheitsuebertraegern jederzeit ausgesetzt. Auch wenn es mittlerweile Praeventionsprogramme gibt, die beispielsweise Neugeborenen Moskitonetze zuteilen oder Impfkampagnen durchfuehren, ist die Gesundheitsfuersorge im Land noch lange nicht flaechendeckend. Der Zugang zu traditionellem (medizinischen) Wissen geht mit der Zeit verloren, der zur modernen Medizin ist finanzaufwendig, bildungsabhaengig und auch infrastrukturell bedingt.
Neben der Arbeit in der PMI habe ich in der letzten Woche an einer Impfkampagne einer spanischen ONG in Kooperation mit dem Conseil Général d'Aboisso teilgenommen. Gemeinsam konnten wir an einem Tag knapp 3.500 Kinder im Alter von 2 bis 14 Jahren gegen Meningitis impfen. Unter Einsatz der Polizei mit Gummiknueppeln und Gummibaendern konnten die draengenden Massen beruhigt und anschliessend versorgt werden. Zur Zeit finden im gesamten Land zahlreiche Impfkampagnien gegen Polio, Tetanus, Rougeole etc. statt. Der Bedarf ist gross, denn die Kindersterblichkeitsrate ist nach wie vor hoch. Es gibt viele behinderte Menschen mit Beinverkruemmungen, Hasenscharten oder anderen koerperlichen Einschraenkungen. Mit Hilfe der oeffentlichen Kampagnien soll allen Menschen der Zugang zu medizinischen Schutzimpfungen ermoeglicht werden.
Neben der Arbeit gibt es natuerlich wie immer kleinere und groessere Freizeitvergnuegen. Das vorletzte Wochenende habe ich in Dabou verbracht. Unweit von Abidjan liegt das mittelgrosse Staedtchen mit seiner wunderschoenen Moschee, den beeindruckenden Mango-, Avocado- und Fromagierbaeumen sowie seiner lebendigen Lagune, an der fleissig Handel betrieben wird. Dieses Wochenende bin ich leider wieder einer Malariamuecke zum Opfer gefallen und habe an hohem Fieber, Schuettelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, an Erbrechen sowie einem furchtbaren bitteren Nachgeschmack im Mund gelitten. Aber ich bin auf dem Weg der Besserung! Mit meinem Visa im Gepaeck geht es morgen Richtung Aboisso und anschliessend nach Ghana, Accra. Viele Gruesse und bis bald sendet euch Madlen.
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- Name
- Madlen Janke
- Alter
- 30
- Ort
- Wurzen
- Webseite
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Richtung Westafrika ...
Ab Ende August gehe ich für 1 Jahr als Freiwillige in die Côte d'Ivoire. Ich werde im Bereich AIDS-Prävention arbeiten und Alphabetisierungskurse geben. Des Weiteren lebe ich in einer Gastfamilie vor Ort, in der Nähe von Toumodi. Das ist zumindest bisher der Plan. Über weitere Infos verfüge ich noch nicht ... es kann also spannend werden!?
















