Richtung Westafrika ...
Le Centre Social d'Aboisso
08.03.2009 |
Mit der Installierung der Conseil Généraux in den verschiedenen Départements im Jahr 2002 durch Gbagbo wurden Anfaenge einer dezentralisierten Politik geschaffen. Diese Modernisierung des Staates, die mehr Ausgleich, Gerechtigkeit und Buergernaehe schaffen soll, zieht sich jedoch noch nicht durch alle Bereiche des oeffentlichen Lebens. Kuemmern sich die Conseil Généraux vorwiegend um den laendlichen Raum der Départements, ist der Conseil Municipal mit dem Buergermeister an der Spitze zustaendig fuer die verschiedenen Kommunen, das Rathaus fuer die jeweilige Stadt in einem Département. Darueber hinaus ergibt sich eine weitere Zustaendigkeit durch die Einteilung der Départements in die verschiedenen Sous-Préfectures. Das heisst, am Beispiel Aboisso, Aboisso als Département ist Bestandteil der Region Sud-Comoë, zudem ist Aboisso gleichzeitig Sous-Préfecture, Kommune und Stadt an sich. Die Uebernahme des franzoesischen politischen Systems bedeutet in der Elfenbeinkueste eine Flut an Zustaendigkeiten bzw. deren Verschraenkung. Plus einer weiteren Zustaendigkeit auf Landesebene verursacht die Praxis der Politik besonders im Bereich des Sozialwesens ein grosses Durcheinander. So gibt es hinsichtlich sozialer Problemlagen nur selten Programme auf Nationalebene, die in die Départements delegiert werden. Es fehlt an einer koordinierten und zielgerichteten Ausstattung entsprechender Hilfssysteme und Einrichtungen. Das heisst, haeufig entledigt sich der Staat seiner Pflichten (Umweltschutz, Muellbeseitigung, Schutz von Familiensystemen etc.) und ueberlaesst diese Aufgaben mehr oder weniger engagierten ONGs. Diese spriesen zahlreich je nach thematischer Brisanz und Aktualitaet wie Pilze aus dem Boden, gefoerdert von auslaendischen ONGs oder den Botschaften.
Seit Montag, den 16.02.2009, arbeite ich im Sozialzentrum von Aboisso. Das Sozialzentrum ist eine staatliche Einrichtung und wird somit vom Staat finanziert oder eben auch nicht finanziert. Zur Zeit bestehen riesige Loecher im Budget, die die Arbeit sowie Interventionen fast unmoeglich machen. In der Praxis bedeutet das, dass 80% des Fachpersonals tatenlos herumsitzt. Kommen Klienten mit Anfragen, die nicht direkt im Zentrum behandelt werden koennen, beginnt sich das Finanzkarussel zu drehen. Ministerien, der Conseil Général oder das Rathaus werden nach Finanzspritzen befragt. Zur Zeit sind deren finanziellen Engpaesse jedoch des gleichen Ausmasses. Das heisst, der Conseil Général kann seine Agenten nicht mehr bezahlen, es gibt keine Autos und kein Benzin mehr. Jegliche Arbeiten im Umland liegen still. Das Rathaus von Aboisso musste im Dezember geschlossen werden, weil seine Angestellten nicht mehr entlohnt werden konnten. Saemtliche Gelder seitens des Staates liegen auf Eis. Hilfe fuer das oertliche Sozialzentrum bieten an dieser Stelle die italienischen Schwestern und Priester. Sie halten, so koennte man meinen, das Sozialwesen im Département engagiert und kaempferisch am Leben.
Die Arbeit im Sozialzentrum umfasst hauptsaechlich die (Wieder-)Eingliederung benachteiligter Menschen, Familienhilfe sowie Ansaetze der Gesundheitsfoerderung. Die aktuellen Faelle im Zentrum: Am Dienstag haben wir ein 16jaehriges Maedchen besucht, welches seit ueber einem Jahr alleine mit ihren 2 Bruedern (15 und 10 Jahre) im Haus der Eltern lebt. Die Mutter hat vor 4 Jahren die Familie mit 3 weiteren Geschwistern verlassen, der Vater sitzt seit 2008 im Gefaengnis – bisher ohne Verurteilung. Das Maedchen fuehrt den Haushalt und finanziert die Familie, indem sie sich von Maennern aushalten laesst, die ihr die Hochzeit versprechen. Zur Zeit ist sie wenigstens als Fischverkaeuferin fuer 15.000 FCFA (22,50 Euro) im Monat angestellt und der 15jaehrige Bruder hat eine Anstellung als Hilfsarbeiter. Der juengste Bruder geht noch zur Schule. Mit Hilfe des Sozialzentrums soll die Lebenssituation der Kinder verbessert und menschenwuerdiger gestaltet werden. Jedoch sind jegliche Kontaktaufnahmen mit der Familie, den Eltern, bisher gescheitert. Ziel ist es daher die Kinder an einem Projekt des Spanischen Roten Kreuzes teilhaben zu lassen. Mit einem Budget von 30.000 FCFA (45,- Euro) pro TeilnehmerIn soll im Rahmen des Projektes "Garage Espoir" 40 Jugendlichen im Alter von 14 ? 17 Jahren eine angemessene (entsprechend ihren Interessen und Faehigkeiten) sowie nachhaltige Arbeitsstelle geschaffen werden. Im Sinne "Hilfe zur Selbsthilfe" sollen Verkaufsstaende von Autoteilen, Brot oder Kohle sowie Telefonkabinen eingerichtet werden. Von einer Einschulung der Kinder sieht man ab, da diese nicht umsetzbar und realistisch waere. Vielmehr geht es um Schadensminimierung, darum, die Jugendlichen fit und selbststaendig zu machen und sie zukuenftig vor Ausbeute zu schuetzen. Begleitet werden soll das Ganze zumindest von einem Alphabetisierungskurs, aber auch dafuer fehlen derzeit die Mittel! Des Weiteren befindet sich momentan eine junge Frau im Sozialzentrum. Ihre Geschichte begann mit dem Versprechen einer Arbeitsstelle durch einen aelteren Herrn. Letzten Endes wurde sie jedoch an einen Rebellen im Land verkauft. Von diesem gefangen gehalten, missbraucht und geschwaengert, gelang ihr vor einigen Wochen die Flucht. Mittlerweile ist die Frau im 6. Monat schwanger und wundert sich, warum sie nach ihrer Rueckkehr ueber das Erlebte nicht sprechen konnte. Erst jetzt findet sie die Kraft, sich mit ihrer Schwangerschaft auseinander zu setzen und eine Loesung zu suchen. Das heisst fuer sie, eine Moeglichkeit zu suchen, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Da sie im Internet (!) bisher keine potentiellen Adoptiveltern gefunden hat, wendete sie sich vor einigen Tagen an das hiesige Sozialzentrum. Dieses bietet der Frau uebergangsweise eine Unterkunft und Versorgung bis eine Gastfamilie oder andere Unterbringungsmoeglichkeit fuer sie gefunden wird. Die Odyssey der jungen Frau geht weiter. Und niemand fuehlt sich wirklich zustaendig oder verantwortlich bzw. kann zeitnah nachhaltige Hilfe bieten.
Nachdem ich mittlerweile unter der Woche mit Arbeiten beschaeftigt bin, nutze ich die Zeit am Wochenende nach wie vor, um das Land zu erkunden. Einen Samstag beispielsweise haben Magdalena, deutsche Freiwillige in Abidjan-Yopougan, und ich einen Ausflug nach Yamoussoukro unternommen. Von Abidjan-Adjamé aus sind wir mit dem Gbaka in die 4 Stunden entfernte Verwaltungshauptstadt des Landes gefahren. Gerade vor mir wurde zu Allah gebetet, links vor mir zu Jesus und rechts neben mir zu Bob Marley. Bei der teils beklemmenden Enge im Fahrzeug, den Strassenverhaeltnissen und dem rasanten Fahrstil des Chauffeurs vielleicht nicht ganz unangemessen. In Yamoussoukro, dem Geburtsort des einstigen Praesidenten Houphouët-Boigny, haben wir erlebt, was der Reisefuehrer als "groessenwahnsinniges Projekt" und "Geisterstadt" beschreibt. Die riesigen Avenuen sind menschenleer. An den Ufern der zahlreichen kuenstlichen Seen weiden Ziegen am Strassenrand, auf den Buergersteigen werden Waesche und Getreide getrocknet. Die im Jahr 1990 durch Papst Johannes Paul II eingeweihte Basilika Notre Dame de la Paix ist ein Nachbau des Petersdom in Rom, Lebenswerk Houphouët-Boignys. Die Kosten fuer den Bau werden auf ca. 125 Mio. Euro beziffert. Abgesehen von der Symbolik der Verstaerkung des christlichen Glaubens in Afrika, einigen vereinzelten Touristen, die die Basilika besuchen, sowie vereinzelt geschaffenen Arbeitsplaetzen ist die Sinnhaftigkeit dieses Projektes fragwuerdig. Vor allem spiegelt es die Kontraste der 160.000 EW Stadt in voller Groesse wieder. Prestige und Verschwendung auf der einen Seite, Armut, Schmutz, Muell und Bettelei auf der anderen Seite.
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- Name
- Madlen Janke
- Alter
- 31
- Ort
- Wurzen
- Webseite
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Richtung Westafrika ...
Ab Ende August gehe ich für 1 Jahr als Freiwillige in die Côte d'Ivoire. Ich werde im Bereich AIDS-Prävention arbeiten und Alphabetisierungskurse geben. Des Weiteren lebe ich in einer Gastfamilie vor Ort, in der Nähe von Toumodi. Das ist zumindest bisher der Plan. Über weitere Infos verfüge ich noch nicht ... es kann also spannend werden!?
























Du siehst groooooooooooßartig aus! Mit gleichbleibend riesiger Begeisterung lese ich deine Berichte und habe das Gefühl das, trotzdem du nicht wirklich Gas in Projekten geben kannst, du einen Platz gefunden hast, der zu dir passt.
Ich fürchte ich areite bis Ende September, ich hätte dich sonst so gerne besucht. Aber:Ich plane fest im Oktober 1 Woche Marseille zu besuchen. Vielleicht passt es die und Sima ja auch?! Lilly ist ja nun Mami, ddie wird wohl keine Zeit haben... liebste Grüße! Britta
sagte britta am 24.03.2009 um 11:14 Uhr #