




Weltreise
Ab in den Süden...
02.01.2006 |
Von küssenden Zeltwänden und dem Preis eines Cappuccinos
Im Norden der Südinsel befindet sich einer der schönsten Nationalparks Neuseelands, der Abel Tasman National Park. Als ich dort ankomme geht alles ganz schnell. Ich buche und zahle eine zweitägige Tour am Strand von Kaiteriteri. Gerade noch habe ich Zeit mein Gepäck zu sortieren. In einen großen roten Beutel stopfe ich alles, was ich zum Campen heute Nacht brauche, in meinen kleinen Rucksack alles was ich für meine Tageswanderung benötige. In einem Wassertaxi warten schon Eintagestourler die auch die Küste des Nationalparks entlang rausfahren möchten. Ich laufe schnell, in der einen Hand meinen Rucksack, in der anderen die Wanderstiefel, zum Boot und schon brettern wir über das Tasmanische Meer. Unterwegs halten wir hier und dort um Fotos machen zu können.
Ein Schweinswal kreuzt unseren Weg kurz bevor wir in eine wunderschöne Bucht hineinfahren. Bevor ich ein Foto machen kann sagt man mir, dass ich am Ziel angekommen bin. Außerhalb des Bootes nimmt jemand meine Stiefel und den Rucksack entgegen. Ich steige aus, in der Erwartung das die anderen auch kommen. Aber Puchtekuchen, wie es ein Dozent meiner Uni ausdrücken würde.
Auf einmal stehe ich allein am Strand und das Boot fährt mit allen anderen wieder weg. Ohne Karte und...ach...wie heißt doch gleich der Strand an dem man meine Campingausrüstung abliefert? Ich stehe für einen kurzen Moment etwas geschockt an dem einzigen sandfliegenfreien Strand des Abel Tasman Parks. Als ich mich umdrehe sehe ich ein picknickendes Pärchen. Wie der Zufall es will haben sie eine Broschüre von Kaiteriteri Kayak Tours mit einer kleinen Karte. Ich erinnere mich an den Namen der Bucht, in der ich heute übernachten werde und mache mich auf den Weg. Alleine laufe ich stundenlang durch die Wälder entlang der Küste. Weiße einsame Sandstrände, türkisblaues Wasser, stahlblauer Himmel und ein Wald der eine beeindruckende Grüntonvielfalt bietet. Völlig begeistert komme ich in der Barkbay an. Der große rote Beutel wartet schon auf mich.
Ich versuche mein Zelt, Modell „Iglo“ mit zwei sich kreuzenden Wabbelstangen, ganz alleine aufzubauen. Als es mir doch zu frustrierend wird, heuere ich Hilfe bei einer Zeltnachbarin an. Ein paar Minuten später steht meine Unterkunft 1A an einem lauschigen Plätzchen. Ich lege mich mit meinem Buch hinein und schlafe fünf Minuten später.
Nachts werde ich aus dem Schlaf gerissen. Es ist stockduster. Irgendein Tier springt immer wieder auf mein Zelt und rutscht herunter. Es hat wohl meine Essensvorräte gerochen. Der Wind rüttelt an meinen Zeltwänden. Werden die Heringe halten? Ist das Tier vielleicht schon in meinem „Vorraum“?
Ich knipse meine Taschenlampe an, aber das Mückennetz am Eingang reflektiert das Licht so stark, dass ich nicht rausschauen kann. Und öffnen werde ich den Eingang jetzt ganz bestimmt nicht. Wieder springt das Etwas gegen mein Zelt. Ich scheuche es davon.
Etwas später küsst mich die Zeltwand wach, so tief hängt sie, vollgesogen vom Regenwasser. Es donnert und blitzt heftig. Ich kann die Blitze sogar mit geschlossenen Augen sehen und zähle 21, 22...krach! Also wirklich, da schlafe ich einmal alleine in der Wildnis in einem Zelt und dann passiert nur so ein Mist! Genervt drehe ich mich um und versuche weiterzuschlafen. Ich lass mir hier doch keine Angst machen.
Am nächsten Morgen treffe ich am Strand unseren Seekajakführer Aryan und einige andere, die auch nach Kaiteriteri paddeln wollen. Nach ein paar Kennenlernspielen und Instruktionen geht es endlich los. Wir machen Halt bei einer kleinen Seelöwenkolonie, paddeln in Kalksteinhöhlen und versuchen mit dem Kajak auf den großen Wellen zu surfen. Gegen Mittag kommen wir wieder an der Te Pukateabucht an, an der ich ein Tag zuvor abgesetzt wurde. Wir picknicken auf einem Kajaksegel und Aryen verkauft uns für 2 Muscheln und 1 Stück Treibholz Tee und Kaffee. Für 3 Muscheln, 2 Stück Treibholz und 1 Feder gibt es sogar Kakao und Cappuccino.
Touris on the rocks Ein paar Tage später und Kilometer südlicher picknicke ich auf Eis. Wir haben nach drei Stunden Eistreppen hochsteigen ein windstilles Plätzchen auf dem Franz Josef Gletscher gefunden und genießen unsere Sandwiches.
Dan, unser Tourguide, unterhält sich mit mir in fließendem Deutsch mit bayrischem Akzent. Die Liebe macht’s möglich. Zwei Jahre hat er in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nürnberg verbracht, ist seiner Liebsten hinterhergereist. Da dort kein Mensch Englisch konnte ging das ruckzuck mit dem Deutsch lernen.
Die Pause ist um, ich ziehe meine Spikes nach. Mit dem Eispickel in der Hand macht sich unsere kleine Gruppe weiter auf den Weg durch blauschimmernde Gletscherspalten und Eistunnel bis wir eine Seitenmoräne erreichen. Auf dieser stokeln und rutschen wir langsam wieder gletscherabwärts.
Stadt für Extremisten Im weiter südlich gelegenen Queenstown, der Stadt der Extremsportarten, tropft wie aus einem undichten Wasserhahn ein Paraglider nach dem anderen vom Himmel. Helikopter knattern durch die Lüfte und sorgen abwechselnd mit den Krankenwagen, die Verletzte durch die Gegend karren, für eine recht aufregende Geräuschkulisse. In der Innenstadt reihen sich Whitewaterraftinganbieter an Bungijumpabenteuerbüros. Alle aus meinem Kiwiexperience Bus sind furchtbar damit beschäftigt ihre Aktivitäten zu buchen und durchzuführen. Aneta aus Polen, die von der 43 m hohen Kawarau Brücke, der ersten kommerziellen Bungijumpbrücke springt, ist enttäuscht. Es ging alles viel zu schnell. Der Fallschirmsprung hat ihr viel besser gefallen. Trotzdem macht sie auch noch den Swingjump mit 60 m Freifall.
Dort wird man von einem weit vom Absprung entfernt angebrachtem Seil gefangen und schwingt in einem 200 m Radius weiter. Der Übergang vom Fallen zum Schwingen ist ganz sanft, man merkt ihn kaum, sagt sie. Ich mache lieber einen ausgefallenen Ausflug zu den Milford Sounds. Von einem Schiffchen aus bestaune ich mit ein paar Franzosen und Holländern, die mitgekommen sind, die steilen Felswände des Fjordes und die vielen Wasserfälle.
Trendweihnachtsgeschenk 2005 in Neuseeland Mit den Franzosen fahre ich zurück nach Auckland um Weihnachten bei McIntyres zu verbringen. Am 1. Weihnachtstag nach einem ausgedehntem Frühstück mit Verwandten ist es soweit. Die Geschenke unterm Weihnachtsbaum werden verteilt und geöffnet. Der Renner unter den Geschenken: Eine Packung Lindt Weihnachtspralinen. Fast jeder bekommt die Schweizer Schokolade von irgendeinem anderen geschenkt. Am Ende liegen fünf Packungen im Wohnzimmer verteilt. Abends gibt es in großer Runde gefüllten Truthahn und Schweinebraten mit Süßkartoffeln und Gemüse. Zum Nachtisch bleibt der urbritische Christmaspudding natürlich nicht aus. Mmmh, der dunkle Früchtekuchen mit zuckriger Brandysoße schmeckt einfach köstlich. Am Ende des zweiten Weihnachtsfeiertages habe ich schon einen guten Vorsatz für das neue Jahr: Abnehmen.
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- Name
- Corinna Lücke
- Alter
- 27
- Ort
- Hamburg
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Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.






