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Und weiter geht es über die Nordinsel

27.12.2005 |

Die Ostküste entlang reise ich mit einem holländischem Pärchen, das ich in Rotorua kennenlerne. In Hicks Bay bekommt Femke, die bessere Hälfte, mysteriöserweise ständig Schluckauf. Ob der Ort daher seinen Namen hat? Ich möchte Femke filmen wenn Sie sagt: „We are in 'hicks'-Bay“, aber jedes Mal ist ihr Schluckauf auch schon wieder weg. Hier also das einzig wahre Gegenmittel frei Haus.

Der maorische Hostelbesitzer in besagtem Ort schenkt uns einen halben Riesenhapukafisch, den er unter anderem nachmittags mit Freunden gefangen hat. Dafür müssen wir zwei entschuppen und ausnehmen. Remko und ein mit dem Fahrrad herumreisender Italiener fangen mit Hilfe eines Besens noch drei Krebse in den von der Flut wassergefüllten Ritzen des Küstenuntergrunds. Abends haben wir ein Buffet zusammen das sich blicken lassen kann.

Am 21. November schauen wir uns den allerersten festlandweltweiten Sonnenaufgang an und frühstücken am Leuchtturm Nutellabrötchen. Welch ein Genuss! Über Gisborne und Napier, die wirklich nicht viel zu bieten haben, geht es nach Taupo zum größten See Neuseelands. Lake Taupo ist genauso groß wie Singapur und wenn man eine Schnur von einer Seite zur nächsten ziehen würde wäre der mittlere Teil der Schnur 90 m tief im Wasser. Tja, ich sag’s ja, die Erde ist rund.

Um 5:40 werde ich am nächsten Morgen vor meinem Hostel abgeholt. Ganz schön früh. Aber dafür, so verspricht es die Broschüre für die Durchquerung des Tongariro Nationalparks, keine Menschenmassen. Na denn. Ich stehe mit fünf lustigen Israelis und zwei stockernsten Schweizerinnen im Morgengrauen. Ungeduldig scharren die Schweizerinnen mit den Füßen. Sie können es kaum erwarten den Vulkan zu stürmen und zischen auch sofort auf und davon, als wir eine Stunde später am Fuß des 2287 m hohen Ngauruhoe ankommen. Ich habe es nicht so eilig, stapfe „Devils Staircase“ hoch und weiß wieso „teuflisch “. Oben angekommen schlage ich die Option im eisigen Wind den schwarzen Ngauruhoe Gipfel zu erklimmen aus. War ja gerade erst auf dem Mt. Fuji. Wolken sind aufgezogen und tauchen die vor mir liegende, dunkele Schlammlandschaft des South Crater in Nebel.

Gerade noch sehe ich zwei Personen im Dunst vor mir verschwinden. Ich durchquere die Ebene bevor es wieder bergauf geht, diesmal zum Red Crater. Der Red Crater ist – wer hätte es gedacht - innen ganz rot. Ich setze mich an den Rand und wärme mich am Dampf der aus dem Untergrund steigt auf. Ein bisschen weiter bewundere ich die leuchtend blauen Emerald Lakes. Nach meiner Sieben-Stunden Wanderung durch diese wunderbar abwechslungsreiche Vulkanlandschaft gönne ich mir ein heißes Bad, ein leckeres Essen und falle ins Bett.

Endlich mal wieder ausschlafen. Ja, man glaubt es nicht, aber wenn man ständig den Ort wechselt, irgendwelche Busse erwischen muss, dann ist einmal richtig ausschlafen ein seltenes Vorkommen.

Ich schlurfe in die Küche, die sich direkt vor meinem Zimmer befindet. Juliette, meine Bettnachbarin, sitzt bereits am Tisch und knabbert an einem Apfel. Sie ist eine von diesen Mädels, die von Luft und Äpfeln leben. Ich bevorzuge eine riesige Schüssel Müsli. Als ich meine Vollmilch hinzugieße kommen wir ins Gespräch. Das übliche. Wo-kommste-her-wie-lange-schon-in-Neuseeland-wie-lange-noch-wo-gehste-hin? England-ca 2 Monate-weiß noch nicht-in den Süden, zu einer Freundin. Aber dann erzählt sie mir noch ihre Geschichte, wie sie nach Taupo gekommen ist und was ihr in den letzten Wochen passiert ist und das ist alles andere als der übliche Small Talk.

Sie war mit ihrer Freundin unterwegs, die hier in Neuseeland arbeitet. In Auckland haben sie einen netten Typen kennengelernt, der noch Mitfahrer suchte. Gemeinsam sind sie hoch in den nördlichsten Zipfel Neuseelands, Cape Reinga, wo das Tasmanische Meer auf den Pazifik stößt. Beeindruckend, wie die Meere kollidieren. Man soll es richtig beobachten können. Wie auch immer. Am Strand kommt ein Mädel auf sie zu. Sie behauptet ihr gemeinsamer Freund würde von der Polizei gesucht. So ein Schwachsinn, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank die Frau. Verwechselt ihn bestimmt mit jemandem. Weiter geht’s. Juliettes Freundin muss zurück nach Queenstown auf die Südinsel. Daher reist die Britin alleine mit dem netten Australier weiter. Sie halten an Traumstränden zum Surfen, kochen gemeinsam und verstehen sich immer besser. In einem Hostel, Mr. Perfect ist gerade anderweitig beschäftigt, kommt der Manager auf Juliette zu. Er möchte ihr etwas zeigen. Auf seinem Computerbildschirm flimmert das Foto von einem Verbrecher. Gesucht wegen Diebstahl an Backpackern, sexueller Belästigung und Vergewaltigung. Es ist ihr Reisepartner. Endlich nimmt Juliette die Sache ernst und überliefert ihn der Polizei. Jetzt wird sie von Opfer helfen Opfern - Frauen betreut, die ihr über den Schock hinweghelfen, einem Kriminellem vertraut zu haben und drei Wochen mit ihm in einem Auto rumgereist zu sein.

Während ich meine letzten Haferflocken aus der Müslischale kratze, bin ich irgendwie doch ganz froh, mein KiwiExperience Busticket gekauft zu haben. Auch wenn’s vielleicht nicht der spannendste Weg ist durch Neuseeland zu reisen.

Am nächsten Morgen holt mich der grüne KiwiExperience Bus ab. Es geht nach River Valley, einem unbekannten grünen Tal, weiß gepunktet von Schafen. Ich verbringe den verregneten Nachmittag damit an einem riesigen Kamin in einem riesigen Sofa zu sitzen und „Der Pate“ zu lesen, während der Regen auf das Glasdach prasselt. Kaum bin ich etwas später in meinem 32er-Schlafsaal eingeschlafen, brüllt sich eine Neuseeländerin die Seele aus dem Leib. 29:10 im Rugbyspiel gegen Schottland. All Blacks haben mal wieder haushoch gewonnen. Na ja, wenn man hier schon in den Zeitungen und Nachrichten nichts Weltpolitisches mitbekommt, dann doch wenigstens den Grand Slam 2005 Spielstand im Schlaf.

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Corinna
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Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.