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Im Rausch der Sinne

28.11.2005 |

Manchmal erlebt man Dinge, da traut man seinen Sinnen kaum...

Göttliche Augenblicke - No Sex, no drugs but Rock’n Roll Zum Gottesdienst? Es ist Freitag Abend, ich bin in Sydney. O.K. Gefeiert habe ich die letzten Nächte zur genüge auf dem Kiez Sydneys, Kings Cross. Ich bin für vieles offen, steige mit Theda, die mich gefragt hat, in den Bus und befinde mich in einem Haufen gut gelaunter Studenten aus aller Welt. An einem riesigen Gebäudekomplex steigen wir aus. Über den Türsteher mit Dreadlocks, der uns noch nicht reinlassen will, bin ich dann doch etwas verwundert. Irgendwann dürfen wir aber hinein, in die große, verdunkelte Halle. Auf der Bühne steht schon die Hillsongchurchband bereit die hereinströmenden Massen von jungen Leuten mit ihrer Musik zu begeistern. Was ihnen dann auch 1a gelingt.

Die Musik ist rockig, leicht mitzusingen, auch wenn man es zum ersten Mal hört. Zumal auf den Leinwänden hinter der Band der Text zu lesen ist. „Jesus, you’re the only one for me...“. Ich bin leicht verunsichert und traue meinen Augen kaum. Da rocken hunderte von Gleichaltrigen um mich herum, und singen zu E-Gitarre und Schlagzeug etwas vom Erschaffer von Himmel und Erde. Mädels, die sich eben noch zur Begrüßung kreischend um den Hals gefallen sind und die gut geplätteten Haare der Anderen bewundert haben, schließen andächtig ihre Augen. Jungs, die Aussehen als wären sie gerade aus einem H&M-Plakat gefallen, strecken ihre rechte Hand, die Innenfläche nach vorne gerichtet, aus und singen voller Inbrunst mit.

Nach einer halben Stunde Konzert begeben sich alle auf ihre Plätze. Ein 27-jähriger, gutaussehender Typ mit Irokesenschnitt tritt an ein gläsernes Pult. Er ist der Pfarrer der Pentecostal Gemeinde in Sydney. Ganz lässig steht er da, in Jeans, T-Shirt und AllStars. Seine Ohrringe funkeln im Scheinwerferlicht, als er uns von seinem letzten Surfausflug erzählt. Da wurde es etwas brenzlig aufgrund befürchteter Haie im Wasser. Anhand seines Erlebnisses erklärt er, wie wichtig es ist, dem Nächsten zu helfen. Das alles tut er auf eine Art und Weise, die auf eine ehemalige Karriere als Entertainer oder Showmaster zurückschließen lässt. Circa 300 Teens und Twens lachen begeistert und notieren sich eifrig die Message des Tages.

Zwischendrin werfen einige ein zustimmendes „yeah“ ein. Alles erinnert mich ein bisschen an einen Gospel-Gottesdienst. Sätze werden nachgemurmelt, Besucher aufgefordert sich zu Jesus zu bekennen, wenn sie soweit sind. Höhepunkt der Predigt ist das anschauliche nageln eines freiwilligen Besucherohrs an ein Holzbrett, wie es in Exodus 21, Vers 6 zu lesen ist. Ein Gottesdienst der etwas anderen Art. Ich bin beeindruckt von den vielen jungen Gläubigen, habe aber keine Zeit mich festnageln zu lassen und ziehe nach Melbourne weiter.

Auf den Geschmack gekommen - Ich Kartoffel, du Reis? Melbourne ist eine der schönsten Städte Australiens, wie ich finde. An meinem ersten Abend setze ich mich mit meinen Kartoffeln an den großen Tisch der Hostelküche. Ich bin mal wieder ne’ Neue. Rechts von mir sitzen Vertreter Japans und Korea über ihren Reisgerichten, links knabbern die Erfinder der Windmühle an Bratwürstchen.

In der Küche bereitet ein Inder mit Turban ganz gelassen im Dunst der restlichen internationalen Essensgerüche seine Lammrippchen zu. Meine Kartoffeln schmecken gleich viel interessanter.

Der Kontakt zu Ost und West ist schnell geschlossen und wird gleich in der Bar untendrunter mit Freibier begossen. Ein paar Tage später sieht man mich Sushiröllchen drehen, mein erstes Holländisch sprechen (hier für alle was Schönes: slaap lekker = gute Nacht) und Pläne mit einer Polin, einem Italiener und zwei Japanerinnen schmieden. Die Great Ocean Road mit ihrer bizarren Kalksteinküste wollen wir sehen und Phillip Island, wo jeden Abend bei Sonnenuntergang kleine Pinguine vom Meer über den Strand ab in die Dünen huschen.

Tomaten auf den Ohren – Kein Mädchen für alles Weil mir Melbourne und die Leute im Hostel so gut gefallen bleibe ich gleich mal zwei Wochen an einem Ort. Um ein bisschen meine Reisekasse zu schonen falte ich für freies Wohnen täglich zwei Stunden bunte Bettwäsche zusammen. Ab und zu tun mir die Leute richtig leid, die in meinem zusammengestelltem Mix schlafen müssen. Schwarz-weißer Sternkopfkissenbezug mit orangenem Blümchenbettdeckenbezug auf blauweißgestreiftem Laken. Aber manchmal bleibt so was am Ende einer Maschine einfach übrig. In meinem Altbauhostel scheint das auch niemanden zu stören.

Als ich eines Tages vier weiteren Kollegen helfen soll ein Bett zu beziehen, bittet mich ein Schnösel im Flur sein Hemd zu bügeln. Hab ich richtig gehört? Man stelle sich vor, ein heruntergekommenes Gebäude mit Backpackern aus aller Welt, Zimmer ab 16 AUS $, das sind so um die 9 EUR und dann jemand, der einen fragt, ob man sein Hemd bügelt! Von diesem Lachanfall habe ich noch Tage Muskelkater gehabt.

Hochnäsig - Blaue Bergluft Nachdem ich fast sieben Wochen an Küsten verbracht habe, wird’s höchste Zeit mal wieder ein bisschen Bergluft zu schnuppern. Zurück in Sydney treffe ich noch mal Theda, um mit ihr durch die Blue Mountains zu wandern. Und sie sind wirklich blau! Die vielen Eukalyptusbäume geben einen im Sonnenlicht bläulich erscheinenden Dunst ab. Fasziniert stehen wir an mehreren Aussichtspunkten und blicken von oben durch die riesigen Täler der Sandsteincanyons.

Und schon ist meine Zeit in Australien um. Ich habe Veggimite, einen Hefebrotaufstrich den man hier von Geburt an verpasst bekommt, gegessen, viele nette Aussies kennengelernt und immerhin einen Teil der Ostküste dieses riesigen Kontinentes gesehen. Ich könnte noch viel länger hier bleiben, aber Neuseeland ruft schon nach mir.

Aufi geht’s!

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Corinna
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Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.