




Weltreise
Australien touristisch
15.11.2005 |
Husch, husch gleitet ein Tourist nach dem anderen vom Boot in das riesige, klare Türkis darunter. Große Silber-Schwarz-Gelbe Fische flitzen in einem Schwarm um mich und die restlichen in Neoprenanzügen steckenden Gelegenheitsschnorchler herum.
Wir machen uns auf den Weg in Richtung halb abgestorbenes Riff, um mit etwas Glück Nemo zu finden. Ich kämpfe um ein touristenfreies Plätzchen und vor allem mit dem ungewohnten Zustand unter Wasser zu atmen. Mein Schnorchel taucht unter und ich schlucke eine kräftige Ladung Salzwasser. Das Meer in mir. Aber keine Sorge, ich habe den Fischen noch ein bisschen was dagelassen um das Ökosystem als Tourist nicht ganz zu zerstören.
Der zweite Schnorchelgang verläuft dann aber schon regelrecht routiniert und ich paddele gemächlich einer großen Schildkröte hinterher.
Bis ich auf einmal – bitte recht freundlich – den Ausflugsfotografen vor der Nase habe, der einem dann später versucht ein Bild mit überdimensionaler Taucherbrille im Gesicht für 10 Euro anzudrehen.
Zurück in Cairns, meiner ersten Anlaufstelle in Australien, stopfe ich schnell alles Hab und Gut in meinen 50 l Rucksack. Der Flug nach Brisbane bietet meinen Ausgleich zum überall hier angebotenem Skydiving. Ich springe zwar nicht aus dem Flugzeug, aber der Adrenalinkick während des Flugs ist sicher vergleichbar. Mit zwei Stunden Verspätung wegen technischer Probleme (ich liebe es in Flugzeugen zu sitzen, die gerade eben noch technische Probleme hatten) werden wir ordentlich durchgeschüttelt in die drittgrößte Stadt Australiens geflogen. Dort tobt zu meiner Freude gerade ein Sturm. Aber trotz Blitzen und Gießen geht alles gut und ich warte gerne noch die eine Stunde mit festem Boden unter den Füßen auf mein Gepäck, dass wegen des Sturms nicht ausgeladen werden kann.
Die Trauminsel Fraser Island, ca. 300 km nördlich von Brisbane, ist mein nächstes Ziel. Fraser Island ist die größte nur aus Sand bestehende Insel der Welt. Wie auch bei den Ostfriesischen Inseln sind durch Strömungen und aber auch mit Hilfe dreier Felsen Sandansammlungen entstanden. Nach und nach ist das herangetragene Material über den Meeresspiegel hinausgewachsen. Und nur tausend Jahre später schaukele ich in einem vollen 4-Wheel Drive Bus auf dem weichen Untergrund.
Wir halten an einem verrosteten, im Sand versunkenen Schiffswrack. „Please be back in 5 minutes“. An die 50 mit Kameras bewaffneten Touristen springen aus dem Bus in den feinen weißen Sand und schlurfen zu den Schiffsüberbleibseln, um ein Foto mit 49 Touristen und einem Schiffswrack zu machen. Weitere Attraktionen der 1-Tagestour sind ein Süßwasserbach, der Regenwald, das Mittagessen (dafür haben wir am meisten Zeit) und ein See. Dieser ist durch einen von Blättern abgedichteten Untergrund entstanden und man kann ausnahmsweise mal Kroko- und Haifrei schwimmen gehen. Aber bitte nicht länger als 35 Minuten.
Am nächsten Tag dann ein weiteres touristisches must-see: Whalewatching. Ich stehe gegen Mittag in einer Schlange vor einem Boot, die es eigentlich gar nicht geben müsste. Aber auch hier ist wieder ein eifriger Fotograf am Werk und fotografiert alle mitreisenden Familien, Pärchen und alleinreisende Backpacker mit Hafen und Rettungsreifen im Hintergrund bevor es losgeht.
Wenig später hänge ich selbst mit meiner Kamera an der Reling und versuche die Luftsprünge von Walkuh und -kälbchen festzuhalten. Einfach faszinierend!
Doch die Säuger sind nicht das einzig unterhaltsame auf dem Schiffchen. Ich witzele mit einer irischen Familie über Bier und Kohlrouladen und dann treffe ich Boat, der auch alleine unterwegs ist. Boat heißt eigentlich Jeremy, wird aber Boat genannt weil er mal eins versenkt hat.
Er ist Sprayer, hat ein selbstgebasteltes Piercing in der Lippe und erzählt mir er hat gerade sein T-Shirt im Fahrtwind verloren. Und dass er in Thailand für Australien gekickboxt hat. Nach 10 Versuchen hat er mein Sternzeichen erraten und zeigt mir stolz sein Skorpiontattoo auf der Brust. Ach, nee, was uns nicht alles verbindet! Als wir im Hafen ankommen stellt sich heraus, dass sein T-Shirt die Whalewatchingtour auf dem Anker verbracht hat und man fischt es ihm netterweise von dort herunter. Am Ende habe ich ein Jim Beam intus (na ja, so’n Gesülze hört man sich ja nicht umsonst an), eine Anlaufstelle in Irland und jede Menge Spaß gehabt.
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- Name
- Corinna Lücke
- Alter
- 27
- Ort
- Hamburg
- Webseite
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Weltreise
Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.



