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Alltag im Djungle

28.10.2005 |

Endlich: Die letzte Tür fällt ins Schloss, wir haben unsere wichtigsten Einkäufe erledigt und sind startklar.

Jannek schmeißt den Motor des 4-Wheel-Drive an. Einen festen Plan für die nächsten fünf Tage haben wir nicht und so lassen wir uns von Cairns an der australischen Ostküste aus in den Norden treiben. Die Jungs mit denen ich unterwegs bin, habe ich bei einem dieser Mad Monday Parties meines Backpackerhostels kennengelernt, und die sind wirklich mad! Ich war noch nie am Ballermann 6, aber ich habe das starke Gefühl das Cairns das Mallorca Australiens ist. Dafür spricht auch die Rate der gebrochenen Füße und deren Ursprung. Ich habe in keinem Ort der Welt, und glaubt mir, ich war schon in vielen Orten, soviel gebrochene Füße wie hier gesehen. Meiner Bettnachbarin wurde der Fußrücken zum Beispiel von einem tanzenden High Heel gebrochen.

Ein Anderer im Hostel ist beim Tanzen vom Tresen runtergefallen. Bei den anderen vermute ich einfach mal ähnliche Umstände die zu dem im Trend liegenden, wahrscheinlich extra für Cairns in Massen produzierten, hautfarbenen Verband führen.

Aber zurück zu unserem Road Trip. Unser erster Halt: Traumstrand „Ellis Beach“. Eigentlich wirklich traurig für die Einwohner. Da wohnen sie an einem so schönen Strand und können dort nicht schwimmen gehen. Von Oktober bis April tauchen dort die Wuerfelquallen auf, an deren schmerzhaften Stichen man sterben kann.

Ganz zu schweigen von den „Salties“, den Salzwasserkrokodilen, vor denen man nicht sicher ist. Um auch mal welche zu Gesicht zu bekommen ohne das einem dabei das Herz in die Hose oder besser gesagt in den Schlund eines gefräßigen Krokodils rutscht, steuern wir eine Krokofarm an: Hardleys Crocodile Adventures. Ganz nah können wir an die großen grünenbraunen Schwimmspaßverderber heran. Faszinierend. Sie bewegen sich kein Stück und manchmal muss man schon eine ganze Weile in das Schlammlochgehege schauen bevor man alle entdeckt. Aber die Krokos auf der Krokofarm tun mir dann doch etwas leid. Was in Europa für Hühner gilt, ist hier scheinbar Standard für die Reptilienart. Auf der Farm quetschen sich jede Menge Hänsel und Gretels in einem kleinen Becken, das nach vor sich hinverottenden Hühnerköpfen stinkt. Die liegen in einer Ecke als kleiner Snack zwischendurch, damit auch alle schön fett und groß werden. Bei der Züchtung wird in den Brutkästen eine ganz bestimmte Temperatur eingestellt die mehr männliche Krokobabys hervorbringt. Die wachsen schneller und sind somit effektiver für die Handtaschen- und Gürtelproduktion.

Abends kommen wir am Cape Kimberly an, schlagen unser Zelt auf und suchen nach Feuerholz. Der Wind raschelt in den Bäumen und Büschen. Oder ist es vielleicht doch ein Krokodil, das sich im stockdunkeln an uns Leckerbissen heranschleicht? Immerhin ist das Meer gleich hinter den Büschen. Ich knipse schnell meine Taschenlampe an und schaue hinter mich. Doch nichts als Büsche im Dunkeln.

Jan schnitzt neben mir am Lagerfeuer eine Bierdose zurecht. Erst zwei gegenüberliegende Löcher in die Seite, dann oben den Deckel weg, ein Stöckchen durch die Löcher, das ganze in die Glut stellen, fertig ist der Outdoorwasserkocher.

Nach 20 Minuten kocht dann auch das Wasser und er kann sich endlich über seine 25-Minuten-Terrine hermachen. Jannek hat zwei tellergroße Blätter aus dem Busch neben uns gerupft, um sie als Topflappen zu verwenden. Vorsichtig hebt er das Grillrost zur Seite und legt noch mal den Rest unseres gesammelten Feuerholzes nach. Als er nach einem Stock zum Stochern greifen will machen wir ihm Licht. Und siehe da, der dunkle Streifen nach dem er greifen wollte, ist eine Schlange. Da von den 10 giftigsten Schlangenarten der Welt 10 in Australien leben springen wir doch mal lieber auf und lassen sie ein bisschen an unserem Toastbrot und Bier schnüffeln, bevor sie sich genervt vom Licht vierer auf sie gerichteter Taschenlampen wieder davonmacht.

Am nächsten Tag heizen wir durch kurvige Straßen im Regewald, die immer wieder von kleinen brückenlosen Flüssen unterbrochen werden. Dank unseres Wagens ist das aber kein Problem.

Zwischendrin halten wir immer wieder an und machen Regenwaldspaziergänge. Wir bahnen uns einen Weg durch riesige Farne, Wurzeln zwischen denen man wohnen könnte und herunterhängenden Lianen unseren Weg. Bei einem dieser vielen Spaziergänge sehen wir sogar Cassowaries. Das sind riesige, straußähnliche Vögel mit einem flachen Horn auf dem Kopf die man in freier Wildbahn nur äußerst selten sieht.

Lautes Gelächter weckt mich am nächsten Morgen auf. Ich blinzele durch meine verschlafenen Augen. Am liebsten würde ich jetzt in einem weichen Bett in einem dunklen Raum liegen, mich noch mal umdrehen und weiterschlafen. Andererseits ist es hier mitten im Regenwald auf dem Beifahrersitz viel zu spannend, um auch nur an weiterschlafen zu denken.

Aus dem grünen Dunkel lacht ein Kookaburra wieder laut, begleitet von Gezwitscher, Unken, Piepsen und den schrägsten Geräuschen, die hier heimische Vögel und weiß der Kuckuck wer noch so von sich geben. Jannek und Basti krabbeln auch schon aus ihrem Zelt. Wir müssen uns beeilen, denn wir wollen den Sonnenaufgang in der Finchbay sehen.

Nach der ganzen Sonnenaufgangsromantik wird’s noch eine Stufe heftiger: Wir frühstücken auf einem Wellenbrecher. Zu guter Letzt fahren wir noch zum Leuchtturm und genießen den wunderbaren Ausblick. Still und heimlich duschen wir während alles noch schläft auf einem Campingplatz und schwingen uns dann wieder in den Wagen zurück.

Auf dem Rückweg in den Süden wählen wir eine Strecke durchs Outback. Vorbei an tausenden großen und kleinen Termitenhügeln ziehen wir eine riesige Staubwolke hinter uns her und erreichen nach mehreren Stunden die Tablelands, südwestlich von Cairns.

Die Tablelands sind eine vulkanisch geprägte Landschaft mit vielen Wasserfällen, Kraterseen, Nationalparks und der „Milchstrasse durch Neuösterreich“, wie Basti die Straße und Gegend gleich tauft. Grüne Hügel auf denen eine Kuhvielfalt steht, wie ich sie noch nirgends gesehen habe. Selbst an schwarz-weißen Holsteinern kommen wir vorbei. Als dann auch noch graue Wolken aufziehen ist für uns die Ähnlichkeit mit Deutschland oder Österreich wirklich verblüffend. Nur hier und dort erinnert ein exotischer Baum, dass wir Vier in Australien sind.

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Corinna
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Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.