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Ohne Schweiß kein Reis!

17.09.2005 |

F wie fighting with Fujisan Ich bin nur fünf Schritte weitergegangen und keuche, schnappe nach Luft. Nur noch die verdammten letzten 20 m, dann habe ich die Spitze des 3.776 m hohen Mt. Fuji erreicht. Kenjiro, den ich im Bus zur fünften Station des Bergs kennengelernt habe, liegt ein paar Meter unterhalb von mir auf dem Boden und hält sich seine Sauerstofflasche vors Gesicht. Wir sind am Ende unserer Kräfte. Seit fast 5 Stunden kraxeln wir schon am Fujisan entlang. Die Luft wird immer dünner, die Sonne geht langsam unter, aber wir haben den eisernen Willen an einem Tag hoch und runterzukommen. Kenjiro ist wie ich alleine unterwegs. Gemeinsam bilden wir ein unschlagbares Team. Das frittierte Etwas, das ich mutigerweise im Supermarkt für mein Lunchpaket gekauft habe, stellt sich als Hühnerknorpel raus. Und so tauschen wir Hühnerknorpel gegen mit Lachs gefüllte Reistaschen. Auch unser Tempo ist ziemlich gleich. Doch jetzt komme ich nur noch vorwärts, wenn ich langsame, kleine Schritte mache, während Ken erst forsch losjagt und dann lange Pausen macht. Sich so langsam und schwerfällig in der schwarzroten Tuffsteinlandschaft des Schichtvulkans fortzubewegen gibt mir das Gefühl auf dem Mond zu sein. Oder habe ich schon Halluzinationen?

Mit dem Wetter haben wir richtig Glück, eigentlich war ein Taifun angekündigt. Trotz der Sonne ist es jedoch 30° C kälter als am Fuß des Berges und Ken und ich schleichen bei 5° C vermummt weiter dem Gipfel entgegen. Zwei ehrgeizige Goldkettchen aus Deutschland, die es sich nicht nehmen lassen wollen vor uns anzukommen, überholen auf 3.770 m. Nach 5 Stunden und 15 min. sind wir endlich da, schreiten erschöpft und überglücklich durch einen geschmückten, mit vielen Münzen besteckten Schreinbogen und genießen den atemberaubenden Weitblick.

S wie siedend heißes Quellenbad.... Wenn sich Japaner nach einem anstrengenden Tag entspannen, begeben sie sich in ein Onzen. Das sind kochend heiße Quellbäder, also flüssige Saunen, wenn man so will. Allerdings wird das ganze Jahr über geonzt, auch im Sommer bei für Hamburg ungewöhnlichen 35° C (hier momentan Standard). Und man glaubt es nicht. Es ist echt angenehm. Erst geht man in einen hölzernen Vorraum und entledigt sich allem, dessen man sich entledigen kann (deswegen gibt es hierzu auch keine Fotos, sorry). Mit einem rittersportgrossem Handtuch bewaffnet betritt man, nach Geschlechtern getrennt, das Bad. Dort sind kleine, offene Kabinen mit kleinen Plastikhockern. Man wäscht sich so hier und da, schüttet sich mit Hilfe einer kleinen Schale Wasser über und darf dann in das heiße Becken steigen. Dort heizt man so vor sich hin. Wenn man japanisch kann, kann man sich dabei sogar unterhalten. Nach einer Weile geht man wieder raus, hüllt sich in einen Kimono, isst leckere japanische Köstlichkeiten um dann entweder lauthals „Dancing Queen“ vor der Karaokemaschine von sich zu geben oder ein weiteres Onzen zu nehmen.

T wie Technik, die begeistert Natürlich kann ich in Japan das Thema Technik nicht unter den Tisch fallen lassen, nachdem ich doch schon so von den Toiletten mit eingebauter Waschanlage beeindruckt war (die ich immer noch nicht ausprobiert habe, denn irgendwo hat meine Neugier doch ihre Grenzen). Aber auch das kann natürlich noch in Japan getoppt werden. Zum Beispiel durch den Backofen mit Internetanschluss der bei meinem Cousin Alex und seiner Frau Mika in der Küche steht. Möchte man ein bestimmtes Gericht zubereiten, kann man sich im Internet die Zubereitungsdaten (Länge und Temperatur) herunterladen und einstellen. Faszinierend auch die ferngesteuerte Badewanne. Diese kann man einfach per Handy vom Büro aus vollaufen lassen, um sich dann, sobald zu Hause angelangt, in die gewünscht temperierte Lauge zu begeben.

H wie Hiroshimas Hölle Anfangs wusste ich gar nicht, wofür die fetten gelben Streifen auf den Bürgersteigen in Japans Städten sind. Doch Akiko erklärt es mir. Auf dem linken Auge kann Sie nichts mehr sehen, das rechte tränt ständig. Sie ist eine Überlebende des Atombombenabwurfs über Hiroshima. Anhand der gelben Streifen kann Sie sich ganz gut orientieren. Nun führt Sie mich zu den Sehenswürdigkeiten ihrer Stadt. „Dort“ sagt sie und zeigt mit dem Finger auf eine graue Stelle des Modells der verwüsteten Stadt im Peace Memorial Museum „stand das Haus meiner Großmutter“. Doch genauso wie das Holzhaus am 6. August 1945 um 8:15 verschwunden ist, genauso ist auch ihre Großmutter verschwunden. Draußen zeigt mir Akiko einen grasbewachsenen Hügel der aus der Asche verbrannter Menschen besteht.

Die süße 76-jährige Dame mit hellblauem Schlapphut hat ihren Spaß daran gefunden Studenten aus aller Welt eine Unterkunft in Hiroshima inklusive Führung und Verköstigung zu bieten. Und so sitzen wir zusammen in einem französischen Drehrestaurant mit Blick auf die wiederauferstandene und lebendige Stadt. Auch das Nachtleben will mir die rüstige Dame nicht vorenthalten und schleppt mich in ein Theater mit japanischen Tänzen. Zu meiner Überraschung sind die Tänzer teilweise Transvestiten, was den sonst eher etwas eintönigen Tanz doch etwas unterhaltsam macht. Akiko und ich sitzen und rätseln „Mann oder Frau?“.

Schwups, schon ist wieder eine Woche um. Nächste Woche erfahrt ihr dann aber wirklich etwas über den Kamikazewahlkampf, außerdem Tokios Nachtleben und ich werde der spannende Frage „Was machen über 1000 Affen in Inuyama?“ nachgehen.

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Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.