




Weltreise
Alles hat ein Ende...
13.03.2006 |
Cusco. Immer noch befinde ich mich in schwindelnden Höhen, genauer gesagt 3.326 m über dem Meeresspiegel. Aber dank der täglichen Kokateedosis, habe ich mit der Höhe keine Probleme mehr. Kokatee ist keine Droge. Die Bewohner des Inkareiches kauten die im Regenwald geernteten Blätter zusammen mit der Asche anderer Pflanzen als Katalysator gegen Höhenkrankheit, Hunger, Frieren, Müdigkeit und Schmerzen. Heute ist dies in der indigenen Bevölkerung immer noch Usus. Obwohl völlig harmlos, kann man nur in Bolivien und Peru Kokablätter legal erhalten. Wie man denn nun aus den Blättern das vor allem in Nordamerika heißbegehrte Kokain gewinnt, konnte mir hier aber keiner sagen.
Gefährlicher ist offensichtlich das Leitungswasser Cuscos. Milchig strömt es aus dem Wasserhahn und selbst abgekocht kann ich Montezumas Rache nicht entkommen. Aber was wäre schon eine Südamerikareise ohne dieses Kribbeln im Darm? Statt den Inkatrail entlang zum Machu Picchu zu wandern nehme ich gezwungener Maßen den überteuerten Zug für Touristen. Mit dem lokalen Zug für 1/15 des Preises darf ich als Tourist nicht fahren, was auch streng kontrolliert wird. Und so schunkele ich mit englischsprechendem Personal im zick zack aus dem Kessel Cuscos hoch hinaus.
Es geht an Schweinen und Straßenhunden vorbei, durch das heilige Tal nach Aguas Calientes, dem letzten Ort vorm Machu Picchu. In aller Herrgottsfrühe kraxele ich am nächsten Morgen die Terrassen des jahrhundertelang unentdeckten Ortes hoch.
Machu Picchu liegt in Wolken. Nur hier und dort kann man etwas altes Mauerwerk erkennen. Ich lege mich an den Rand einer Terrasse und schaue mir das Spektakel an. Meine Füße baumeln im Nebel. Auf einmal halte ich den Atem an: eine Lücke in den Wolken gibt den Blick frei und ich sehe den sich ca. 2000 m tiefer durchs Tal schlängelnden Rio Urumba. Etwas schwindelig bewege ich mich schnell vom Rand weg. Als ich später die Inkabrücke sehe, wird mir klar, dass es so etwas wie Höhenangst auf dem Machu Picchu sicher nicht gegeben hat.
Ein paar Stunden später liegt die Stadt komplett sichtbar vor mir. Der nächste Schwall von Touristen in bunten Regenponchos verteilt sich auf den Treppen und in den dachlosen Gebäuden. Überall kann man herumlaufen, alles anfassen. Es wirkt wie ein riesiger Abenteuerspielplatz und ich kann mich erst am späten Nachmittag davon losreißen.
Von Cusco aus reise ich in den Süden nach Arequipa. Dort gefällt es mir so gut, dass ich gleich 10 Tage bleibe und eine Woche lang einen Spanischkurs besuche. Doch mein Rückflug nach Deutschland von Buenos Aires aus nähert sich mit erschreckend schnellen Schritten und ich befinde mich noch immer in Peru. Mit nur drei Bussen und einem Taxi in insgesamt 53 Stunden reise ich über Chile nach Argentinien in die Hauptstadt des Tangos. Das Beste kommt wohl immer zum Schluss. Ich habe mich Hals über Kopf in Buenos Aires verliebt: Künstlerviertel, Tango auf den Straßen, freundliche Menschen, tolles Wetter und gutes Essen.
Vollbepackt mache ich mich trotzdem ein paar Tage später auf den Weg zum Flughafen. Mein letztes Gespräch auf Spanisch führe ich mit Carlos, dem Taxifahrer. Er beneidet uns Europäer, die wir es uns leisten können zu reisen. Vor drei, vier Jahren, ja, da war der argentinische Peso soviel Wert wie der amerikanische Dollar. Damals konnte man sogar nach Übersee reisen. Aber heute? Nicht denkbar. Er wünscht mir einen guten Flug und ein paar Stunden später ist es dann soweit. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Ich habe es geschafft. Ich begieße meine gelungene Weltreise mit einem obligatorischem Tomatensaft, klappe meinen Economysitz ganze 2 cm und somit komplett nach hinten und mache Pläne für Hamburg. Dont cry for me Argentina, ich komme zurück. Garantizado.
Es gibt keine Kommentare.
Deine Meinung?
- Name
- Corinna Lücke
- Alter
- 27
- Ort
- Hamburg
- Webseite
- ---
Weltreise
Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.



