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Auf den Straßen Boliviens.

11.02.2006 |

Zitterpartie Nachdem wir die Salzwüste Uyuni durchquert haben kommen wir im gleichnamigen Ort an. Im Gegensatz zu unseren Eindrücken von der Salzwüste sind wir aber alles andere als begeistert. Die Einwohner mögen ganz offensichtlich keine Touristen. Es regnet viel und die Straßen stehen ständig unter Wasser. Es ist lausekalt, was bei beheizten Räumen auch kein Problem wäre. Nina, Felix, Christian Salvador Dali und ich wollen so schnell wie möglich weiter. Obwohl das Auswärtige Amt aufgrund von Überfällen und Unfällen dringend davon abrät einen Nachtbus nach La Paz zu nehmen, bleibt uns nichts anderes übrig. Tagsüber fahren keine. Wie auf einem Presslufthammer rattern wir in den Norden, denn die staubigen Straßen sind von Schlaglöchern durchzogen. Durch das Gewackel öffnet sich das Fenster neben mir immer wieder und kalte Luft zieht herein. Von einem Frischeerlebnis im Bus kann ich aber trotzdem nicht sprechen.

Gegen zwei Uhr halten wir in einem stockfinsteren Ort. Auf die Frage nach einem baño deutet jemand auf die matschige Fläche entlang einer Häuserwand hin. Mein Bedürfnis ist nicht groß genug um dieses Gruppenerlebnis zu teilen. Auf dem Rückweg zum Bus werfe ich einen Blick in die offene Ladeklappe. Dort liegen mehrere Männer eingemummelt in Decken. Der Liegewagenbereich. Ob sie dort unten mehr zahlen als die Menschen, die die 14 Stunden Fahrt im Gang stehen? Ich setze mich wieder auf meinen Platz und versuche zu schlafen. Aus dem Pappkarton auf dem Schoss einer Señorita miaut kläglich ein kleines Kätzchen. Völlig durchgerüttelt kommen wir gegen 4 Uhr morgens in Oruro an. Einmal umsteigen und drei Stunden weitere Fahrt, dann sind wir endlich in La Paz.

Kleider machen Leute Der Bus fährt durch den Randbezirk der mit 3660 m über dem Meeresspiegel höchstgelegenen Hauptstadt der Welt. Ich beobachte Frauen mit Schweinen an der Leine, die am frühen Morgen auf dem Weg zum Markt sind. Nicht nur auf dem Land sondern auch in der 1,5 Millionen Einwohner Stadt La Paz laufen viele Frauen in ihren Trachten durch die Straßen. Strumpfhosen in knalligen Farben stecken in flachen Plastiballerinas. Darüber ein aufgebauschter Falten- oder Vollanrock. Über den Schultern ein bunter Überhang und auf dem Kopf einen braunen Bocalino, der etwa so aussieht wie eine englische Melone. Die langen, schwarzen Haare sind zu zwei Zöpfen geflochten die am unteren Ende wie zu einem großen „U“ zusammengehalten werden.

Diese kann man aber nur sehen, wenn sie nicht gerade ein Kind, Lamm oder sonstiges eingewickelt in einem riesigen, buntem Tuch, auf ihrem Rücken transportieren.

Den Wer-toppt-den-Farbenmix?-Preis erhält aber eindeutig die Backpackersparte „Perwoll“. Eingehüllt in buntgewebte Hosen kombiniert mit buntgestrickten Pullovern und buntgehäkelten Mützen versuchen sie möglichst südamerikanisch auszusehen, bisher getragene Farbpaletten zu sprengen oder einfach nur ihre Souvenirs zu transportieren? Wer weiß.

Verhext Ich laufe mit meinen drei Freunden durch die Stadt. Es ist wahnsinnig laut. Die Straßen sind vollgestopft mit Autos und Bussen, umrandet von Marktständen. Minibustaxen, sogenannte „Kollektivos“, hupen während Jungs die nächsten Haltestellen aus der offenen Tür herausrufen. Männer und Frauen mit kleinen Handwägelchen verkaufen lauthals frischgepressten Orangensaft. Außer Obst und Gemüse kann man auch Elektroleuchten, Kleidung und gefälschte DVDs erhandeln. Hier gibt es alles was der Bolivianer so braucht. Getrocknete Lamaföten und ausgestopfte Frösche mit Glitzeraugen findet man auf dem Hexenmarkt. Man verschenkt sie als Glücksbringer an Freunde, die in ein neues Haus gezogen sind. Meine Sinnesorgane werden mal wieder herausgefordert. Auch die Nase kommt nicht zu kurz. Mal riecht es nach rohem Fleisch, Urin, Blumen, mal nach Gebratenem und Gesottenem.

Bei einem Orangensaftmann am Plaza San Francisco treffen wir uns mit Hendrik. Er ist der Sohn des hiesigen Deutschen Botschafters und ein Freund von Felix. So kommt es dass wir noch am gleichen Abend mitten in La Paz auf deutschem Boden italienisch kochen, vom riesigen Trampolin im Garten aus in den Sternenhimmel hineinhüpfen und Cocatee in der Shisha-Ecke trinken.

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Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.