




Weltreise
Grenzwertigkeiten.
09.02.2006 |
Zurückgepfeffert “Heyaaaa, Gringaaaa!” In Copiapó, ca. 800 km nördlich von Santiago de Chile, kann man als Alleinreisende keine zwei Schritte gehen ohne etwas hintergerufen, -gepfiffen oder gehupt zu bekommen. Das hält mich aber nicht davon ab mir diese kleine ehemalige Silberminenstadt etwas genauer anzusehen.
Enge Straßen durchziehen den Ort, die Bürgersteige mit bunten Marktständen bepackt. Auf der Plaza Prat ruhen viele von der Hitze erschlagenen Einwohner und Straßenhunde unter Pfefferbäumen. Schon wieder ruft mir jemand etwas hinterher. Dieses Mal drehe ich mich um und rufe genauso blökend „heyaaaa, Latinoooos!“ zurück. Die Herren der Schöpfung brausen verwirrt in ihren heißen Fahrzeugen davon. Das ihnen hinterhergepfiffen wird sind sie wohl nicht gewohnt.
Von wechselnden Identitäten und Nachbarschaftsproblemen San Pedro de Atacama, wo ich mich ein paar Tage später befinde, ist mein Absprungsort in die Salzwüste Boliviens. Weißgetünchte ineinander übergehende Hauswände werden von staubigen Gassen in Quadrate geteilt. Fast jeder Eingang ist ein Restaurant, Souvenirgeschäft oder Reisebüro. Man lebt hier eindeutig vom Tourismus. In einem der vielen Reisebüros buche ich meine Tour. Drei Tage lang werde ich im Jeep reisen, eine Nacht davon in einem Hotel aus Salz uebernachten. Zu sechst starten wir am nächsten Tag in unserem noch ganz weißen Jeep: Zwei Amerikaner, die sich als Neuseeländer vorstellen. Amerika ist gerade nicht so gefragt. Eine Deutsche, die versucht als Südamerikanerin durchzugehen. Auf Deutsch reden hat sie keine Lust.
Der Franzose und ich bleiben bei unserer Staatsangehörigkeit, aber der Chilene unter uns gibt sich in Bolivien lieber als Argentinier aus. Die Stimmung Boliviens gegenüber Chile ist nicht die Beste. Man gibt den Chilenen die Schuld an der schlechten wirtschaftlichen Situation im Land. Im Salpeterkrieg von 1878/79 hat sich Chile seinen heutigen Norden brutal erkämpft. Somit verlor Bolivien seine Häfen und gleichzeitig seine Handelsmöglichkeiten per Schiff. Es gibt zwar Verträge seitens der Chilenen, die den Bolivianern die Nutzung ihrer Häfen erlaubt, aber aus Sicht vieler Bolivianer müsste der Norden Chiles wieder Eigentum Boliviens sein. Evo Morales, neuer Präsident und Vertreter der indigenen Bevölkerung, hat genau dieses zum Ziel. Einen Krieg wird es aber sicher nicht geben, denn Chile überragt Bolivien militärisch hochkant. Was und ob Morales also etwas bei der sozialistisch orientierten, ebenfalls neuen Präsidentin Chiles, Michelle Bachelet erreicht, wird man noch sehen.
Bolivianischer Surrealismus Unser Fahrer Alejandro biegt plötzlich von der geteerten Straße in das staubige Niemandsland links davon ab. Wir steuern über eine Sandpiste auf ein kleines Häuschen zu. Willkommen an der bolivianischen Grenze. Wir fahren weiter durch die 4.000 m bis 5.000 m hoch gelegene Wüste. Wind und Sand haben Felsbrocken zu bizarren Figuren geformt. Genau hier hat sich Salvador Dali für viele seiner Bilder inspirieren lassen. Ich stehe mit meiner Kamera im rotbraunen Sand und warte darauf, dass jeden Moment eine brennende Giraffe durchs Bild läuft. Und dann sehe ich ihn plötzlich höchstpersönlich: Salvador Dali. Christian, der Chilene, hat auf einmal unglaubliche Ähnlichkeit mit dem Künstler des Surrealismus und muss für ein Foto herhalten.
Am dritten Tag erreichen wir endlich unser eigentliches Ziel, die Salzwüste Uyuni. Auf Grund der Regenzeit steht der weiße Salzboden unter Wasser, was aber einen beeindruckenden Effekt hat. Alles spiegelt sich wie in einem riesigen Wasserfarbenklappbild. Weit und breit nichts als Himmel: über den Köpfen und zu Füßen. Nur am Horizont schwimmen einige Berge in Fischform durch die Luft. Wer eine Ausschüttung von Glückshormonen mit einem großzügigem Schuss Freiheitsgefühl nötig hat, sollte unbedingt mal hierher kommen.
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- Name
- Corinna Lücke
- Alter
- 27
- Ort
- Hamburg
- Webseite
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Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.




