




Weltreise
Sterneküche.
17.01.2006 |
Es wird davor gewarnt dieses Erlebnismenü mit leerem Magen zu lesen. Für eventuelles Magenknurren nach dem Verspeisen dieser Zeilen übernimmt die Autorin keine Haftung.
Aperitif Noch ein letzter Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Andenkordillere bevor die Lan Chile Maschine durch eine Smogwolke nach Santiago abtaucht. Immer noch besser als der Mundgeruch meines französischen Sitznachbarn, denke ich und kann es nach 11,5 Stunden Flug kaum erwarten hier rauszukommen. Aber was erwartet mich wenn ich aus dem Flugzeug steige?
Es ist Marita, die winkend hinter der Absperrung steht. Sie hat mich gleich an meinem riesigen Rucksack erkannt. Eine Woche lang verwöhnt mich meine Tante, vor allem mit chilenischen Spezialitäten. Wir essen die leckersten Muscheln der Welt, Machas, mit Parmesankäse überbacken und trinken dazu unseren Pisco Sour.
Pisco wird aus Muskatellertrauben gewonnen und als Aperitif mit Limonensaft, Puderzucker und Eischnee verfeinert. Nächte werden mit chilenischem Rotwein oder Cola Mono (Affenschwanz), einer Art Baileys, auf dem Balkon verbracht, bis die Lichter der Stadt doppelt funkeln. Und ihre chilenische „Familie“ lerne ich auch gleich kennen: La Familia Lacrampette y amigos.
Suppe und Hauptgang Der Jahreswechsel steht vor der Tür und es ist ganz klar: gefeiert wird mit einem Asado (Grillfest) im Garten von Lacrampettes. Als wir ankommen hängen bereits riesige Lammkeulen und –rippen über einem Feuer. Nach vier Stunden sind sie gar, zart und saftig und eine weitere Stunde später samt Salaten verschwunden. Auch hier wird um 12 Uhr mit Sekt angestoßen, aber einige Brauchtümer sind dann doch etwas anders. Hier trägt man gelbe Unterwäsche für ein glückliches neues Jahr und einen Geldschein im Schuh für ein finanziell abgesichertes neues Jahr. Möchte man im neuen Jahr eine Reise machen rennt man dreimal mit einem Koffer ums Haus. All ist schon ganz aus der Puste. Er will dieses Jahr noch mit einem Freund nach La Serena und rennt was das Zeug hält. Nach all dem Essen wird es auch für mich Zeit für etwas Bewegung und ich fahre mit All, Rodrigo, Scotch und Viktor auf eine Studentenparty. Bis morgens um Sieben wird zu Salsa, Reggeaton und Cumbia gerockt und anschließend mit einer Sopa de Mariscos (Meeresfrüchtesuppe) und Bier auf dem Fischmarkt die nötige Bettschwere erlangt.
Die tausend Schritte Abgesehen vom vielen Essen und Feiern mache ich aber auch noch ein bisschen Sightseeing in Santiago. Die Jungs nehmen mich zu einer riesigen Besichtigungstour mit, von der mich vor allem der Berg Santa Lucia beeindruckt hat. Romantische, verwinkelte Wege führen an Burgzinnen entlang, hinter Sträuchern versteckt, vorbei an einer kleinen Kapelle hoch nach oben, zu einem grandiosen Ausblick bei smogfreiem Himmel.
Nach(t)tisch Es fällt mir nicht leicht mich von all den Vorzügen, die ich in Santiago und Vina del Mar mit Marita und den Jungs hatte, zu trennen. Eigenes Zimmer mit Bad, gutes Essen, Autofahrten hierhin und dorthin. Aber ich möchte noch soviel von Südamerika sehen und reise alleine in den Norden weiter.
In La Serena unternehme ich eine nächtliche Tour zu den Observatorien. In der dortigen Wüste in Höhen über 1000 m gibt es einen der klarsten Himmel der Welt. Das liegt zum einen an der geringen Conterminacion lucina (jahaaa, ich kann sogar schon Lichtverschmutzung auf Spanisch sagen!) dort und zum anderen hält der Küstennebel alle störenden Staubpartikel davon ab, über die 1000 m Grenze zu fliegen. Deshalb stehen dort auch die drei wichtigsten Observatorien der Welt: El Tololo, La Silla und Las Campanas. Touristen können sich den Sternenhimmel aber nur durch die Fernrohre des Cerro Mamalluca Observatoriums anschauen.
Aber was ich da sehe reicht schon vollkommen aus um mich völlig zu begeistern. Ganz nah zoomen wir uns an den Mond heran und können jeden Krater und jedes Fleckchen sehen.
Später schauen wir uns den Sternenhimmel draußen an. Zwanzigmal erklärt uns Fernandez mit spanischem Akzent das Sternbild Orion: This is the face, the face, O.K.?....this is the shoulder, the shoulder, O.K.?….this is the other shoulder, the other shoulder, O.K.?… etc. Kann jemand mal den Mond ausknipsen, damit ich die Sterne besser sehen kann? Meine Güte, der ist vielleicht hell hier und dabei ist er erst halbvoll.
Am Ende gibt’s für jeden Pisco Sour und ne Packung Kekse. Glücklich und genauso halbvoll wie der Mond fahren wir Erleuchteten von Vicuna nach La Serena zurück.
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- Name
- Corinna Lücke
- Alter
- 27
- Ort
- Hamburg
- Webseite
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Weltreise
Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.



