




Weltreise
Ankunft in Tokio - das kleine Japan-ABC aus dem Land ohne "R".
09.09.2005 |
DAS LAND OHNE „R“ "Whats you name?" "CO-LI-NA". In Japan kann man so einiges europäisches wiederfinden, aber ein "r" sucht man vergeblich. Deshalb beantworte ich die Frage nach meinem Namen meist nicht mehr mit Corinna, es sei denn ich habe eine halbe Stunde Zeit, gemeinsam das “r” aussprechen zu üben. Was es sonst noch so erzählenswertes aus meiner ersten Woche gibt, erfahrt ihr in meinem kleinen Japan-ABC.
S WIE SCHREIN GEHABT Der Buddhismus und Shinto-Glaube sind die beiden Hauptreligionen Japans und scheinen eine recht lockere Angelegenheit zu sein. Es geht hauptsächlich darum sein Glück zu finden.
Besucht man eine Tempelanlage muss man am Eingang durch ein Tor in dessen Säulen links und rechts furchterregende, aus Holz geschnitzte Wächter stehen. Sie lassen nur gute Menschen passieren. Es folgt ein überdachter Brunnen, aus dem man mit langstieligen Kellen Wasser auf die Hände schöpft, um diese vor dem Tempelbesuch zu reinigen. Die nächste Station ist ein großer Kessel, in dem 1001 Räucherstäbchen qualmen. Den Rauch einfach dahin fächeln, wo man schöner werden möchte. Oder über das Haupt schöpfen, um mehr Weißheit zu erlangen. Jetzt schnell noch einmal an einer riesigen Säule inmitten eines kleinen Gebäudes, die alle heiligen Schriften beinhaltet drehen, schwups, brauchen wir diese nicht mehr zu lesen. Im Tempel vor den buddhistischen Statuen wirft man eine Münze in einen großen Kasten und betet. Shintoshreinen haben keine Figuren. Dort klatscht man in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Götter zu erlangen bevor man betet.
Möchte man einen Wunsch loswerden, kauft man sich ein Stück Holz auf dem man den Wunsch notiert. Während der nächsten Zeremonie werden alle Stückchen verbrannt.
Bei einer solchen Zeremonie war ich letzten Sonntag auch gleich dabei. Angelockt vom rhythmischen Trommeln betreten Toshihiro Takeda, ein japanischer Freund, und ich barfuss den Tempel und knien uns hin. Nach einigen Gesängen in gleichbleibender Tonlage und Trommelbegleitung wird plötzlich rechts von uns eine hölzerne Wand zur Seite geschoben. Dahinter erwartet uns ein grün gekleideter Mönch. Er tupft jedem etwas Weihwasser auf die Handinnenflächen, die man anschließend aneinander reibt. Einem anderen Mönch folgend verneigen Toshi und ich uns mit gefalteten Händen vor allen drei Figuren. Einige drehen sich auch zum Priester am Altar um, der gerade dabei ist in einem lodernden Feuer, dem einzigen Licht im Raum, die „Wunschstäbchen“ zu verbrennen. Anschließend werden weitere Fürbitten vorgelesen und verbrannt. Die Menschen in Takahata bitten nicht nur für den Weltfrieden sondern auch für bessere Telefonverbindungen. Ich habe fuer eine sichere Reise gebeten. Um das noch tatkräftig zu unterstützen haben mir Takedas einen Anhänger mit der Göttin für sicheres Reisen geschenkt, der jetzt an meinem Rucksack baumelt. Es gibt im Buddhismus für fast alles Götterfiguren, sogar eine für den Alkohol. Die größte, die ich bis jetzt gesehen habe ist eine 11,4 m hohe Buddhafigur in Kamakura, südwestlich von Tokyo. Dort konnte man sogar reinklettern und die Bauchfalten von innen streicheln oder Münzen in die Falten stecken.
B WIE BAUCHORIGAMI Bei den Japanern selbst kann man keine Bauchfalten entdecken. Das liegt natürlich am leichten Essen. Also was ich hier schon so vernascht und gegessen habe, das geht ja bald auf keine Kuhhaut mehr. Bei mir scheint die Wunderschlankwirkung auch noch nicht einzusetzen, aber vielleicht probiere ich auch einfach zuviel: Kugelfischcarpaccio, Ramen-noodles, Miso-Suppe, Sesampudding (mhhh), Sushi hier, Sashimi da, Fisch mit Reis zum Frühstück, alles schön in kleinen Portionen rund um den glücklichen Konsumenten verteilt. Mit Stäbchen essen kann die Weltreisende mittlerweile im Schlaf. Selbst Puddingkonsistentes Tofu mit Sesamsoße obenauf. Und solange sie sich nicht nach den 5 Sushiröllchen aus dem Supermarkt noch den Rest TUC-Kekse und einen Schokoriegel aus dem Flugzeug, dem seit einer Woche schon ganz heiß und kalt wird, reinhaut, geht auch alles gut.
E WIE ENDSTATION Und da das Essen soviel Abwechslung bietet, bietet man am Ende auch dem Essen viel Abwechslung. Mal landet es im Hocken über einer im Boden eingelassenen Porzellanwanne, mal in einem halben Computer mit Sitzheizung und Darmspülung oder so was (ich hab mich noch nicht getraut den entsprechenden Knopf zu drücken) und mal in der Springbrunnenvariante. Hier ist auf dem Spülkasten ein Waschbecken angebracht. Betätigt man die Spülung wird auch gleich der Wasserhahn aktiviert und man kann sich parallel die Hände waschen. Echt praktisch.
Soviel zu meinen ersten Eindrücken. Vorschau für nächste Woche: Kamikazewahlkampf in Japan, Rushhoursardinen, die Erklimmung des Fujisan, Karaoke und Entspannung auf japanisch.
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- Name
- Corinna Lücke
- Alter
- 27
- Ort
- Hamburg
- Webseite
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Weltreise
Was mich erwartet? Ist ja wohl klar:
Höfliche und zurückhaltende, kamerabestückte Japaner, surfende Aussies, schafzüchtende Neuseeländer in der Kulisse von „Mittelerde“ und feurige, tangotanzende Südamerikaner.
In meinen Berichten werdet ihr sehen, ob mein klischeebestücktes Weltbild zusammenbricht oder nicht und die Metamorphose einer Bratwurst mit Sauerkraut essenden Deutschen zur Globetrotterin beobachten können.




