IMAX-Dreh: Secrets of Sibiria
Russland - ein Land voller Kontraste
15.04.2002 |
Impressionen von Frank Müller – Russland ist ein Land in dem so vieles anders funktioniert als im Westen und genau das macht den großen Reiz aus, dort zu drehen. Ein IMAX Dreh ist extrem aufwendig und selbst mit der kleinsten Ausrüstung benötigt man noch 30 Kisten, ein Gewicht von 400 kg. Das fängt bei dem kleinen Kamera-Spezialschraubenzieher an und hört bei dem großem Kamerabody auf, den man nur mit zwei Personen tragen kann. Der Zoll in St. Petersburg brauchte genau 10 Minuten um dieses riesige Equipment zu registrieren, auch hier ist Russland eine Überraschung wert.
Der erste Drehtag war in einer herrlichen historischen orthodoxen Kirche, ein Gebäude, das nachts von einem Sicherheitsdienst bewacht wird, denn in der Kirche stehen extrem wertvolle vergoldete Ikonen. Der Dreh konnte deshalb nur tagsüber stattfinden, ausschließlich zwischen den zwei täglichen Messen, was uns letztendlich genau 4 Stunden Zeit für den kompletten Dreh gab, fast unmöglich, da hierfür eigentlich 12 Stunden eingeplant waren, außerdem hatte unser Team noch nie zusammengearbeitet.
Die großen Versprechungen des Oberbeleuchters, man hätte hier ein komplett eingespieltes Beleuchtungsteam waren etwas weit hergeholt, denn ein großer Teil der Beleuchter hatten am Abend schwer getrunken, so dass sie furchtbar langsam waren. Als nach mehrmaligen Aufforderungen viele Dinge nicht passierten, begannen der Kameramann Rodney und ich damit, die Lampen selbst zu positionieren, die einzige Möglichkeit durch die wir den Dreh noch bewerkstelligen konnten und trotz 30 Minuten Überlänge eine sehr herzliche Einladung von dem anfangs kritischen Priester bekamen, mal wieder in seiner Kirche zu drehen.
Unseren zweiten Drehort konnten wir nur per Helikopter erreichen, ein russisches Kloster, das auf einer Insel nördlich von St. Petersburg liegt. Auch hier bestätigen sich wieder russische Verhältnisse, kleine Hubschrauber gibt es kaum in diesem riesigen Reich, fast überall wird die riesige MI 8 genutzt, die problemlos 20 Leute transportieren kann. Ein großes Glück, denn nur so konnten wir unser riesiges Equipment mitnehmen, plus einen 400 Liter Kerosintank, damit uns unterwegs nicht der Sprit ausgeht. So musste sich unser Team von 8 Leuten zwischen Tanks und Kamerakoffern positionieren.
Der mehrmals übermalte 25 jährige Helikopter machte außergewöhnlich merkwürdige Geräusche während des einstündigen Flugs, ich konnte kaum zur Ruhe kommen, besonders nachdem sich unsere russische Produktionsleiterin vor dem Flug mehrmals bekreuzigt hatte. Der starke Kerosingeruch im Hubschrauber verstärken noch meine panischen Phantasien. Erst als der alte riesige russische Hubschrauber sicher auf der romantisch verschneiten Klosterinsel landete und der Pilot sich in aller Ruhe eine Pfeife im nach Kerosin riechendem Cockpit anzündete, verflogen all meine Flugängste ganz plötzlich.
In dieser russischen ländlichen Gemütlichkeit fanden wir auch den klassischen Mönch, der täglich ins Eiswasser springt, um sich vor der eisigen Kälte zu schützen. Ein Dreh der nicht wiederholbar war, denn bei minus 10 Grad konnte er nur ein einziges Mal ins Wasser springen. Nachdem wir 30 Minuten auf die Sonne warteten, waren wir bereit zum Dreh, das ganze Team war selbst mit dicker Winterkleidung schon halb erfroren, als sich dieser beleibte russische „Bär“ ins eiskalte Wasser stürzte. Sekunden vergingen und er schien nicht mehr aufzutauchen, dann plötzlich kam sein Kopf wieder an die Wasseroberfläche eine Aufatmen im Team. Später erzählte uns der Mönch, dass er unter dem Eis kurzzeitig das rettende Loch nicht mehr gefunden hatte.
Nach einem zehnstündigen Flug mit der sibirischen Fluggesellschaft Kras Air in einer neu angestrichenen Tupolev 154, landeten wir morgens um 7:00 Uhr im fernen Irkutsk. Vom Flugzeug aus konnten wir uns ein Bild über die faszinierende endlose Weite der sibirischen Taiga machen, eine ursprüngliche Wildnis, die in dieser Größe nirgendwo auf dieser Erde zu finden ist.
Auf unserer Recherchereise fanden wir ein klassisches Bahnwärterhaus, ein Ort an der transsibirischen Eisenbahn, in dem alles im sowjetischen Originalzustand aus den 70er Jahren ist. Kaum hatten wir einen wichtigen Ausweis von der russischen Eisenbahn vorgezeigt, da konnten wir in diesem Haus drehen, sicher hätten wir in Deutschland einige Tage für die Drehgenehmigung warten müssen. Pünktlich bauten wir unser Equipment für den nächsten Personenzug auf. Wir hatten noch etwas Zeit für die letzten Vorbereitungen, als plötzlich der Zug angerollt kam, 15 Minuten zu früh, wir hatten mit allem gerechnet, Verspätung von 1-2 Stunden, aber niemals, dass der Zug zu früh kommen würde, so mussten wir am nächsten Tag nochmals die gleiche Einstellung drehen.
Auf dem von Menschenmassen überfüllten Irkutsker Bahnhof bilden sich herrliche Bilder. Unser riesiges Equipment muß aus dem Zug in den Minibus getragen werden. Die Produktionsleiterin engagiert 5 Gepäckträger, die innerhalb von Minuten das extrem schwere Gepäck transportieren, denn unter den Gepäckträgern herrscht absolute Konkurrenz, ein 1,60m kleiner Mann trägt dabei 3 schwere Kisten, zusammengeschnürt mit einem absolut primitiven Gurt, dabei schleppt er gerade Equipment im Wert von 100.000 € durch den Bahnhof, ein Glück das er selbst davon nichts ahnt.
Auf unserer Fahrt entlang des herrlichen Baikalsee, ein Weltnaturerbe, das durch die UN geschützt ist, entdeckten wir einen exotischen Fischstand, an dem 20 Frauen ihre geräucherten Baikalfische anbieten. Die Verkäuferinnen sind sehr verwundert, das plötzlich ein komplettes IMAX Team bei ihnen auftaucht, aber mit etwas Charme und Höflichkeit können wir die Verkäuferinnen überzeugen, ihre Stände so einzurichten, dass sie genau ins Bild passen. Eine halbe Stunde verschieben wir Tische und Fische, setzen alle perfekt ins Bild, die Kunden werden als Schauspieler eingesetzt, eine Szene die so spontan inszeniert kaum im Westen vorstellbar wäre. Bei dem Teamfoto gibt es ein riesiges Gelächter, als der Kameramann beim Fotografieren mit seiner Leica die Kappe auf seinem Fotoapparat lässt.
Kurz vor dem Sonnenuntergang finden wir ein gemütlich verschneites sibirisches Dorf, das genau meinen Vorstellungen von russischer Heimat entspricht. Es bleibt nur eine halbe Stunde Zeit, um die Einstellung zu finden und zu drehen, für einen IMAX Dreh, viel zu wenig Zeit. In absoluter Eile engagiere ich zwei großartige Babuschkas, die genau in diese Stimmung passen. Nur leider sind die Damen schwer betrunken, aber sie beteuerten, dass sie nur einen klitzekleinen Wodka getrunken hätten, denn heute sei ein großer Feiertag, von dem aber keiner etwas gehört hatte.
Auf der kurzen Fahrt zu dem richtigen Haus bleibt uns dann noch mitten im Dorf der Minibus stecken, in sibirischen Dörfern wird grundsätzlich kein Schnee geräumt. In absoluter Panik holen wir die Kamera aus dem Bus, es bleiben uns nur noch wenige Minuten bis zum Sonnenuntergang, wir schleppen das riesige Equipment die letzten hundert Meter selbst. In letzter Minute errichte ich noch eine Bank, um die lustigen Babuschkas vor dem russischen Häuschen hinzusetzen. Mit dem letzten Sonnenstrahl können wir dann mit viel Glück diese Einstellung drehen…
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- Name
- Frank Müller
- Alter
- jung geblieben
- Ort
- Hamburg
- Webseite
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IMAX-Dreh: Secrets of Sibiria
Regisseur Frank Müller nimmt Euch mit nach St. Petersburg und an den fernen Baikalsee. Hier entstanden unter seiner Regie kürzlich die ersten Aufnahmen zum IMAX-Film "SECRETS OF SIBERIA". Der Film ist einer der ersten in Deutschland produzierten Large Format Filme und der weltweit erste 70mm IMAX Film über Russland und Sibirien.





















Guten Tag. Ich würde mir sehr gerne den Film anschauen. So wie ich auf den Fotos erkannt habe, handelt es sich u.a. von der Insel Valaam in norden von St.Petersburg.
Wo kann man den Film Kaufen?
sagte Anton am 02.03.2009 um 15:17 Uhr #