Goldenes Land
Akklimatisieren in Bangkok
24.01.2010 |
Da war es ploetzlich wieder, das Gefuehl des 'Everything magically falls into place". Da sass ich doch in der Business Class der Emirates und bekam gerade grosszuegig Champagner nachgeschenkt. "Mr Buch, would you like another shrimp cocktail?"; die Stewardess wusste, dass diese Frage im Prinzip ueberfluessig war. Nach 7 Stunden im Zug und 4 Stunden Wartezeit am Flughafen hatte ich auf dem Flug Muenchen-Dubai kurz vorm erschoepft Zusammenbrechen Dennis kennengelernt, den Stage Manager von Madonna. In Dubai angekommen, verloren wir uns sogleich in einer spannenden Unterhaltung bei Guinness Bier zwischen Scheichen in weissen Gewaendern und einem eklektischen Mix aus internationalen Reisenden. Dennis hatte viel zu erzaehlen. Seit Jahren rund um den Globus unterwegs um gigantische Buehnen fuer verschiedene Kuenstler zu bauen, zudem noch Profikletterer mit Rekord an der Eiger Nordwand, Basejumper und in seiner Freizeit Einsiedler in einer Huette in den Bergen Tirols. Er haute die Anekdoten nur so raus, ich hoerte gebannt zu und vergass die Zeit. Bis ich mich urploetzlich an meinen Weiterflug nach Bangkok erinnerte… Sah es noch kurz danach aus, als haette ich ihn bereits verpasst, liess mich die beduinenhaft gewandete Stewardess zu guter Letzt doch noch als Nachzuegler das Flugzeug besteigen. Nun gab es zwei grosse Ueberraschungen: Wie ich in der Gangway staunend bemerkte, kletterte ich in einen A 380, das groesste derzeit existierende Flugzeug, von dem mir Dennis gerade noch in den hoechsten Toenen vorgeschwaermt hatte! Und dank meines Zuspaetkommens hatte ich ein Upgrade auf die Business Class erhalten: Im ersten Stock des zweigeschossigen Riesenvogels sitzend genoss ich also vorzuegliches Essen und Bloody Maries satt, sowie einen mich massierenden ergonomischen Liegesessel!! "Was, wir sind schon da?!", wollte ich ausrufen, als wir gegen Abend schliesslich in Bangkok landeten.
Die Tueren oeffneten sich, und mit den Geruechen, die traege durch die schwuele Luft waberten, waren alle Erinnerungen an meine frueheren Asienreisen sofort zurueck und ich trotz 28 Stunden Reisezeit von einem Moment zum anderen hellwach. Mit wehenden Fahnen liess ich mich nach 3 Jahren der Abwesenheit auf ein Neues von dieser wahnwitzigen Stadt verzaubern und vollends gefangen nehmen.
Einige Dinge haben sich seit 2007 veraendert: Es gibt noch mehr Staende, noch mehr Verkaeufer und noch mehr Tuk Tuks. Die Stadt scheint foermlich zu explodieren, der Verkehr ist ein Desaster. In mindestens jeder zweiten Bar in Banglampoo spielt nun jemand seine akustische Gitarre und jodelt dazu vornehmlich Texte von Liam Gallagher. Sollte ich da vor ein paar Jahren etwa einen Trend losgetreten haben? Die Reisenden haben heutzutage andere Nationalitaeten: Neben Englaendern, Deutschen und Schweden trifft man nun auch gerne mal Ungarn, Letten, Russen, und eine beeindruckende Zahl junger Chinesen. Auf der Khao San Road gibt es jetzt das koestliche Beer Lao zu kaufen. Und neben den ueblichen Fuss- und Nackenmassagen kann man sich nun auch von kleinen Fischen in einem Bassin die alte Haut von den Fuessen knabbern lassen!
Jedoch ist das Grundgefuehl hier das gleiche geblieben. Es gibt alles zu kaufen, nichts kostet die Welt. Alle Sinne werden permanent beansprucht. Man schwitzt, man laeuft sich die Fuesse wund, man trinkt doch wieder Chang trotz des Wissens um den 'Changover'. Die Amerikaner reden zu viel und zu laut, die Englaender saufen ohne Unterbrechung, die Spanier sind gepierced und tragen Dreadlocks, die Deutschen sind funktional, aber stillos angezogen und schauen stets leicht skeptisch, und die Israelis trifft man nur in grossen Gruppen, meist lautstark feilschend. Und natuerlich all die Thais, Pakistanis, Inder, Karen, die einem die verschiedensten Dinge andrehen wollen: "U like massage? Make nice suit. Tuk Tuk Sir? Orange juice 10 Baht. Where you go? I tell fortune, mister, you have good karma. ..." Und wieder liebe ich jede Minute hier! Die Laute der exotischen Voegel, die Gerueche aus den Garkuechen und den vom tropischen Regen benetzten Pflanzen, die raeudigen Hunde ueberall, die unvoreingenommene Freundlichkeit der Thais, das fantastische Essen an jeder Strassenecke, die sattgruene Vegetation, die generelle Lebensfreude. Schoen auch die kleinen, aussergewoehnlichen Momente, wenn beispielsweise im Stau der Taxifahrer neben mir seine Tuer kurz oeffnet, um sich auf die Strasse zu uebergeben, und danach seelenruhig weiterfaehrt. Oder wenn man aus Hoeflichkeit das alte daenische Ehepaar darauf aufmerksam macht, dass eine Kakerlake soeben ihre Tasche nach Nahrung durchsucht. Ich kann nun mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich diesem Zauber wohl immer wieder aufs Neue erliegen werde.
Um aber diesmal neue, unbekannte Seiten Bangkoks kennenzulernen, verliess ich mich auf zwei der Tips, die ich im Laufe der letzten Jahre gesammelt hatte.
Zunaechst schloss ich mich einer Fahrradtour durch Ecken Bangkoks an, durch die sonst keine Touristen kommen. Der 30 Kilometer lange Weg fuehrte uns durch Slums voller freundlicher Menschen, im Boot ueber den Chao Praya, und durch Hinterhoefe, Garkuechen, Schulen und Parkhaeuser. Der beeindruckendste Teil dieser Expedition jedoch war eine Dschungellandschaft, keine 8 Kilometer vom Zentrum des Molochs entfernt. Die Haeuser standen auf Stelzen im Sumpf, und wir fuhren auf einem schmalen Streifen Beton, in einem Meter Hoehe ueber dem brackigen Wasser. Mitten in diesem dampfenden, sirrenden Urwald liegt ein Park, in dem wir einem freilebenden Varan aus naechster Naehe dabei zusahen, wie er vergeblich Karpfen und riesige Welse attackierte. Zwei alte hollaendische Schachteln mit Gucci-Sonnebrillen und Uhren von Cartier, die staendig etwas zu motzen hatten und sogar meinten, sich eine Meinung ueber den thailaendischen Koenig erlauben zu duerfen, truebten das Vergnuegen zwar ein wenig, alles in allem kann ich diese Tour, die sich ein in Bangkok lebender Hollaender ausgedacht hat, aber nur jedem waermstens empfehlen, der die Essenz dieses Landes zu verstehen versucht. Am naechsten Tag fuhr ich mit dem Linienboot in den Norden Bangkoks nach Ko Kret, einer Insel mitten im schlammig-braunen Chao Praya Fluss. Bereits die Fahrt dorthin ist spektakulaer. Vorbei an luxurioesen Hotels, angefressenen kolonialen Teakbauten, Huetten, vor denen die Kinder schwimmen, und unfertigen Hochhaeusern, Relikten aus der Finanzkrise der Neunziger, schwankt und brummt sich das Boot unaufhaltsam den Chao Praya hinauf. Auf der kleinen, sehr urspruenglichen Insel gehen die Menschen noch ihrem uralten Beruf nach, der Toepferei. Ueberall stehen ihre Kunstwerke aus Lehm. Zudem gibt es wieder voellig andere Spezialitaeten zu essen, so zum Beispiel kleine Fischkuchen und im Teig gebacken Orchideen, beides sehr delikat. Endlich ass ich sogar mal ein "tausend Jahre altes Ei". Was soll ich sagen, ungefaehr so schmeckte es auch… Sah es waehrend meiner einstuendigen Wanderung durch die tropische Vegetation rund um die verschlafene Insel noch ganz danach aus, als haette hier der Tourismus tatsaechlich noch nicht Einzug gehalten, und ich sei die einzige Langnase weit und breit, wurde ich zurueck im Dorf eines Besseren belehrt, als die Touristenboote landeten und hunderte Farangs auf einmal ausspuckten. Der darauf folgende Wolkenbruch, der das bunte Treiben fuer eine Viertelstunde vollends lahmlegte, entschaedigte mich jedoch, und so bleibt auch dieser Tag als ein aussergewoehnliches Bangkok-Erlebnis in Erinnerung.
Morgen frueh im Morgengrauen geht es nun endlich weiter zum eigentlichen Reiseziel, ein Flugzeug wird mich von hier nach Yangon bringen. Dort freue ich mich besonders auf die Shwedagon-Pagode und die Strassenmaerkte, aber ganz allgemein kann ich es kaum erwarten, den vielbeschworenen Zauber Burmas und die legendaere Freundlichkeit seiner Bewohner endlich selbst kennenzulernen. Je nachdem, ob Internet dort verfuegbar und ausreichend schnell ist, werde ich meine naechsten Blogeintraege entweder von dort, oder aber nach meiner Ruekkehr in Bangkok veroeffentlichen, die ich in etwa fuer den 20. Februar angepeilt habe. Bis dahin wuensche ich Euch und mir eine schoene Zeit!
Windows Live: Make it easier for your friends to see what you?re up to on Facebook. http://www.microsoft.com/middleeast/windows/windowslive/see-it-in-action/social-network-basics.aspx?ocid=PID23461::T:WLMTAGL:ON:WL:en-xm:SISB2:092009
Es gibt 4 Kommentare.
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- Name
- Marco Buch
- Alter
- 36
- Ort
- Berlin
- Webseite
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Goldenes Land
Eines der letzten Abenteuer, ein Land aus einer anderen Zeit.




























Marco, Du alter Glückskeks, Business Class nach Bangkok,Respekt!
Die Fahrradtour klingt toll und Deinen schönen Bericht lese ich voller Vorfreude auf Asien und ein Treffen 2er kältegplagter Berliner Seelen auf Koh Phanghan.
Enjoy! Berlin gerade aktuell - 17 Grad. d.h. es ist reale 45 Grad!!! wärmer bei Dir.
sagte Martin Zillger am 26.01.2010 um 11:49 Uhr #
hi marco, 7 wochen in asien, viel spaß :D
sagte olivia s. am 26.01.2010 um 19:32 Uhr #
du hast aber auch immer ein Glück, noch viele schöne Wochen dir und komm ja gesund und munter wieder, brauch dich hier als dj ; )
sagte Doreen am 28.01.2010 um 00:36 Uhr #
Perfekt Man!
Dein Gas ist sprichwörtlich, immer weiter, perfekt!
Geniess es und komm nicht vor dem Frühling wieder, Dein Auto ist sowieso eingeschneit....
sagte christian am 29.01.2010 um 21:27 Uhr #