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Casa Esmeralda

17.09.2007 |

Tür Nummer eins, dann Tür Nummer zwei. Letztere fällt mit einem lauten Schlag ins Schloss, es herrscht ungewohnte Ruhe. Die Doppeltorschleuse funktioniert wie ein Sofortfilter: Lärm, Schmutz und Stress bleiben draußen. Hinter diesen Mauern tickt die Uhr langsamer, atmet es sich freier, lohnt sich das Lauschen. Hier zwitschern die Vögel! Sie singen bekannte Melodien, zum Teil fremde und auch exotische. Ansonsten ist es mucksmäuschenstill.

Aber unser Kommen blieb nicht unentdeckt. Mora sprengt die Ruhe, stürzt polternd die Treppe von der Dachterrasse im hinteren Bereich des Anwesens herunter und nimmt die Zielgerade, den Holzsteg, der das Vorderhaus mit dem Hinterhaus verbindet, mit Karacho. Ihre großen Hundepranken trommeln über den Steg, und ihr gutgenährter Hundekörper verleiht ihrem Galopp den entsprechenden Nachdruck. Sie kommt mit einem bluffenden „Wuff“ vor uns zum Stehen. Mora ist die Haus- und Hofhündin der Casa Esmeralda, ein großes schwarzes Tier mit freundlichem Wesen. Sie kennt uns erst seit gestern und sorgt einmal akustisch für Ordnung. Recht hat sie! Kurz nach diesem Pflichtauftritt gibt sie den Streicheleinheiten den Vorzug.

Gestern sind meine Klassenkameradin Karen und ich mit Sack und Pack in der Casa Esmeralda eingezogen. Vergangene Woche haben wir unendlich viel Zeit damit zugebracht, den richtigen Ort für den Auszug aus unserem Gastfamilienleben zu finden. Wir waren in Winkeln dieser Stadt unterwegs, die uns bis dato gänzlich unbekannt waren. Wir haben José, Pepe und andere potentielle Vermieter kennen gelernt und unser mickriges Spanisch erprobt. Wir haben viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt, sind dabei bis auf die Knochen nass geworden, seit diesem Sintfluterlebnis besitze ich einen herrlich hellblau geblümten Regenschirm, und wir haben viel diskutiert: Über Pro und Kontra von Familienanschluss, Hostelleben, Kosten und vor allem über die Voraussetzungen, derer es bedarf, um sich weit weg von zu Hause ein bisschen zu Hause zu fühlen. Eine sehr emotionale und facettenreiche Debatte, die mit einem Mal ein Ende hatte, als das Schleusentor der Casa Esmeralda zum ersten Mal hinter uns ins Schloss fiel.

Wer sucht, der findet, sagt man. Und so tragen wir die für brave Schülerinnen suboptimale Lösung, in einem Schlafsaal mit fünf Betten zu wohnen, mit Fassung. Der Rest passt so wunderbar, dass allenfalls unsere französischen Mitbewohnerinnen darunter leiden, dass wir morgens sehr zeitig aufbrechen, um noch einen Platz in der Subte zu bekommen. Denn der Schulweg ist jetzt zu weit, um ihn zu Fuß zu gehen, und das Problem der morgens berstenden U-Bahn besteht weiterhin. Aber für ein kleines bisschen Heimat am anderen Ende der Welt ist kein Weg zu weit und kein Weckerklingeln zu früh.

Die Casa Esmeralda liegt im Stadtteil Palermo Hollywood, einem Substadtteil Palermos, in dem viele Designer, Medienunternehmen und Film- und Fernsehproduktionen ihren Sitz haben. Daher der Name. Jenseits der Bahngleise, im Süden, grenzt es an Palermo Soho. Schon die Namen lassen zwei Trendviertel vermuten. Aber der wirkliche Charakter dieser Ecke der Stadt ist längst nicht so überdreht wie ihre Namen. Besonders die alten oft nur zweistöckigen Häuser, denen mit vielen bunten Töpfen Farbe ein neues Kleid verpasst wurde, prägen das Bild. Die Straßen sind mit Bäumen gesäumt, deren frisches Frühlingsgrün sichtbar sprießt. Auch die Café, Restaurant, und Kneipenszene ist vielversprechend, und die Läden im Umkreis dienen der Inspiration meines Designergeistes. Ich fühle mich pudelwohl hier.

Der Stadtteil ist gut und dieses Refugium noch viel besser. In der Hängematte liegend schaukele ich meine Gedanken und genieße mein neuerworbenes Heimatgefühl. Vermutlich basiert es in erster Linie auf der Entledigung meiner von mir nicht adäquat ausgefüllten Gasttochterrolle und ist durch Unabhängigkeit und Ruhe dominiert. Aber auch durch soziale Kontakte, eine eigene Küche, die ich benutzen darf, und in die ich Gäste einladen kann, wenn mir der Sinn danach steht. Ich genieße die Dusche, die so groß ist, dass man Walzer darin tanzen könnte. Ich bin froh, den Duft des Naphthalins gegen den der Blumen in diesem Garten eingetauscht zu haben. Genüsslich grabe ich meine Finger in Moras zottiges Fell und ernte ein zufriedenes Grunzen.

Es gibt einen Kommentar.
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  1. Liebe Friedi, danke für Deinen Bericht.Schön, dass Du mit deiner neuen Unterkunft zufrieden bist und hoffentlich auch etwas zur Ruhe kommst. Beth und Kersten sind gestern Eltern von "Oliver" geworden.
    Herzliche Gruesse
    Freda und Joern

    sagte Freda Schneider am 17.10.2007 um 18:20 Uhr #

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* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

Casa Esmeralda. Blick von meiner Bettkante in den GartenCasa Esmeralda. Der Frühling im HerbstlookCasa Esmeralda. Mora heißt übersetzt Brom- oder MaulbeereCasa Esmeralda. Verbindungssteg zwischen den Häusern mit   WegelagererCasa Esmeralda. Dieses Untier plündert nachts die Mülleimer. Eine   Riesenschweinerei. Ansonsten ein PrachthundCasa Esmeralda. Abendlich heimeliges WohnzimmerCasa Esmeralda. Nachts auf dem Dach. NordenCasa Esmeralda. Nachts auf dem Dach. SüdenCasa Esmeralda. Nachts auf dem Dach. WestenCasa Esmeralda. Nachts auf dem Dach. OstenPalermo Hollywood. Ein buntes Pflaster. Gelb, Gelb, Gelb...Palermo Hollywood. Ein buntes Pflaster. Rot, Rot, Rot...Palermo Hollywood. Ein buntes Pflaster. Blau, Blau, Blau...Palermo Hollywood. FußbodenfundstückPalermo Hollywood. Glotzendes Haus mit schiefem Maul und FrisurPalermo Hollywood. Das Frühlingsgrün spriesstPalermo Hollywood. TellerfassadePalermo Soho. Die Fassaden sind ähnlich wie jenseits der Bahngleise in   HollywoodPalermo Soho. Auch hier ist die Welt bunt
Friederike
hat nur 20 Bilder geschickt
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Friederike von Bistram
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Alle Reisen von Friederike von Bistram

Südamerika Rundreise

Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.