



Südamerika Rundreise
Kaltstart in das Jahr 2008
01.01.2008 |
Das Jahr hat heute Nacht um 12 in Ermangelung eines Kühlschranks mit lauwarmem Sekt angefangen. Acht Stunden später stehen wir fröstelnd in der Tiefkühltruhe Südpatagoniens, uns gegenüber die 4 Kilometer breite und 60 Meter hohe eisige Front des Perito Moreno Gletschers. Wir sind die ersten Besucher im Nationalpark. Es herrscht morgendliche Stille. Jedes Schmatzen des Wassers, jeder Schritt, hat eine ungewohnte akustische Dimension. Selbst unseren stummen Atem, der angesichts der Kälte kleine Wölkchen vor unseren Mündern zaubert, vermeint man zu hören.
Wir sind noch keine zehn Minuten da, als ein Donnergrollen aus der Tiefe des Gletschers auf uns zurollt. Der Ort seines Ursprungs ist nebelverhüllt, aber das Crescendo verrät die sinkende Distanz. Ein Klang, ähnlich dem einer singenden Säge, streut Spannung in den anrollenden Donner, durchkreuzt ihn, breitet sich über den Eiskörper aus und definiert auf diese Weise seine immensen Dimensionen. Das Klanggewitter gipfelt vor unseren Augen in einem unheimlichen und vergleichsweise stummen Spektakel: Ein großer Eisblock der Gletscherfront sinkt senkrecht in die Tiefe, begleitet von Eissplittern und Staub. Erst als der Klotz auf die Wasseroberfläche klatscht und im See versinkt, setzt das akustische Erleben wieder ein. Die aufgeregten kleinen Wellen schmatzen, das schwimmende Eisschollenmosaik wogt und zeugt noch Minuten später von diesem Intermezzo.
Der Perito Moreno Gletscher ist einer der wenigen wachsenden Gletscher unserer Erde, der Klimaveränderung und Erderwärmung zum Trotz. Aber wie kann es sein, dass ein Gletscher wächst, wenn die meisten in gefährlichem Tempo schrumpfen? Das Geheimnis liegt auf der anderen Seite der Anden, in Chile. Die heftigen Westwinde treffen hier ungebremst auf ihrem Weg nach Osten auf die Andenkette und steigen hoch. Bei 323 Regentagen jährlich kommt es dabei in dieser Region auf satte 5000 mm Niederschlagsmenge. Diese beträchtliche Menge an Regen beziehungsweise Schnee bildet in der Höhe die Eismassen, die sich von dort sukzessive nach Argentinien die Berge herunter schieben. Der Perito Moreno Gletscher fließt mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Tag in der Mitte und circa der Hälfte an seinen Rändern. Man kann sagen, er ist flott unterwegs.
Durch seine stete Vorwärtsbewegung überwindet er immer wieder den Wassergraben, der ihn vom Festland trennt. Die so entstehende Eisbarriere trennt den Eisschollenkanal des Lago Argentino vom Rico-Arm ab und staut letzteren auf. Sobald der Wasserspiegel deutlich gestiegen ist, und damit der Druck der Wassermassen zu groß wird, bricht der Damm. Die letzte "Gletscherexplosion" dieser Art hat sich im März 2006 ereignet. Inzwischen ist der Gletscher wieder mit dem Festland verwachsen. Wir liebäugeln natürlich mit dem Gedanken, dass. Aber alle Anzeichen und Vorhersagen sprechen dagegen.
In der Tat bleibt uns dieses Spektakel verwehrt. Aber quasi zum Abschied geht ein zweiter großer Eiserker geräuschlos vor unseren Augen in die Knie und versinkt in den Tiefen des angeblich bis zu 170 Meter tiefen Eisschollenkanals. Als die ersten Ausflugsboote sich von Wassers Seite vorsichtig der imposanten Eisfront nähern und hinter unserem Rücken die ersten Touristenbusse ihre schnatternde Ladung ausspucken, machen wir uns wieder auf die Rückreise nach El Calafate, zurück aus der Tiefkühltruhe in ein warmes Café. Obwohl hier Sommer ist, fühlen wir uns gerade eher wie im Skiurlaub und müssen unsere eingefrorenen Einzelteile jetzt erst einmal wieder sorgfältig eines nach dem anderen auftauen.
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- Name
- Friederike von Bistram
- Alter
- 36
- Ort
- Hamburg
- Webseite
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Alle Reisen von Friederike von Bistram
Südamerika Rundreise
Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.





















hi friedi, hope this mail gets to you. just chancing to see if i can get in touch with you. actually, i hope you remember me. u stayed at my place in galway with your brother some ten years ago
sagte hergen am 16.10.2010 um 22:12 Uhr #