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Man trägt Frack

07.12.2007 |

Den Äquator haben sie nie überquert, sie sind überzeugte und treue Bewohner der südlichen Hemisphäre. In Europa wurden sie dementsprechend erst spät bekannt. Im Tagebuch des portugiesischen Seefahrers Vasco da Gamas vom 25. November 1497 findet sich ein erster Hinweis auf die Begegnung von Europäern und Pinguinen vor der südafrikanischen Küste. Vasco da Gama und seine Crew trafen damals auf die heute ironischerweise nach seinem Seefahrerkollegen benannten Magellan-Pinguine. Diese sind auch an den Küsten Südamerikas heimisch.

Schon von Weitem höre ich ihre trompetigen Rufe und ihr gutturales Schnarren. Sie kommunizieren lautstark, stehen oder liegen in ihren Nesthöhlen, die über die unwirtliche und vegetationsarme Küstenlandschaft verteilt sind. Sie sehen dabei aus wie schwarzweiße Spielfiguren in ihren Startlöchern.

Einige haben sich unter das wenige Gestrüpp in den Schatten zurückgezogen, andere stehen mit geschlossenen Augen am Wegesrand, die Flügelchen leicht abgespreizt, die Schnäbel in die Luft gestreckt. Würden sie nicht hin und wieder ihr Gewicht von einem Fuß zum anderen sortieren, ihren Bürzel für die Balance als drittes Bein zu Hilfe nehmend, könnte man meinen, sie wären unter Medusas Blicken zu Stein erstarrt.

Völlig unbeeindruckt lassen sie die Besucherströme an sich vorbeiziehen. Die Reserva Faunistica Punta Tombo ist die größte Pinguinkolonie außerhalb der Antarktis und damit auch Touristenmagnet der argentinischen Küstenregion. Jedes Jahr im September reisen über eine halbe Million Magellan-Pinguine an, um hier zu nisten. Im Dezember sind die Kleinen bereits geschlüpft, und die Eltern teilen sich wechselweise Nestwache und Nahrungssuche. In manchen Nestern kann man in der Tat vor den Füßen des wachehaltenden Elternpinguins ein bis zwei plüschige Vogelbabys ausmachen. Noch sind die Kleinen zu frisch, um das Nest zu verlassen. Aber über der Kolonie kreisen bereits die ersten Skuas auf Beutezug.

Aufgebracht jagt ein dicker Pinguin einem etwas kleineren im Watschelgang hinterher und bannt ihn aus seiner Nistzone. Der kleinere hat versucht, sich ein gemütliches Plätzchen im Nest zu sichern. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist er ein Spross der letzten Saison. Pinguine nutzen häufig das Nest des Vorjahres wieder, sie sind weitestgehend standort- und partnertreu. Der Kleine hat also Papi und Mami wiedergefunden aber keinen Anspruch auf Nestwärme. Er trollt sich. Mit jedem Jahr wird er ein bisschen länger in der Kolonie bleiben, irgendwann sein eigenes Nest bewachen und dann die komplette Saison über in Punta Tombo verbringen. Die Saison endet im April. Im Herbst zieht die Pinguinpopulation nach Norden in brasilianische Küstengewässer, um sich dort ihren Winterspeck anzufressen.

Ein kleiner Kerl watschelt vor mir zielstrebig zweien seiner Kollegen hinterher. Als er sie eingeholt hat, biegt das Trio in einer scharfen Kurve vom Weg ab hinunter zum Meer. Ihre kleinen kegelförmigen Körper schlagen nach rechts und links gefährlich aus, während sie den Berg hinuntereiern. Ihr Watschelgang ist unnachahmlich. Und ihre den Gang konterkarikierende korrekte Kleidung unterstreicht die Komik. Es ist absolut unmöglich in ihrer Anwesenheit die Mundwinkel in stimmungsneutraler Position zu lassen. Pinguine sind die Clowns der Tierwelt und echte Sympathieträger.

Bleibt nur grundsätzlich die Frage zu klären, warum es Vögel gibt, die im Wasser vor Eleganz brillieren, an Land zwangsläufig zum Clown mutieren und den Himmel noch nie berührt haben. Ob sie wie wir Menschen vom Fliegen träumen?

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Punta Tombo. Magellan-Pinguine werden nur um die 45 cm großPunta Tombo. Die Pinguinkolonie liegt in einer unwirtlichen,   wüstenartigen KüstenlandschaftPunta Tombo. An Land ein Clown, im Meer ein eleganter Schwimmer mit   durschnittlichen Geschwindigkeiten von 8 kmhPunta Tombo. Erstarrt, aber mit geöffneten AugenPunta Tombo. Pinguine wie Spielfiguren in ihren BautenPunta Tombo. Pinguin in seiner HöhlePunta Tombo. PinguinputzPunta Tombo. Robbe oder Vogel...Punta Tombo. Vertikal und horizontal pausierende PinguinePunta Tombo. Babypinguine im Schatten des wachehaltenden   ElternpinguinsPunta Tombo. Guanakos teilen sich mit den Pinguinen das TerrainMündung des Río Chubut. Commerson-Delfin nach einem Sprung in der   BugwelleMündung des Río Chubut. Seelöwen 1. Diese Horde Seelöwen macht   erstaunlich laute pustende TöneMündung des Río Chubut. Seelöwen 2Mündung des Río Chubut. Seelöwen 3
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Alle Reisen von Friederike von Bistram

Südamerika Rundreise

Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.