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Frühstart in Cafayate

30.10.2007 |

Der Hall der Hufe auf dem nächtlich verwaisten Kopfsteinpflaster nimmt überraschend viel Raum ein. Zwei langohrige Streuner traben vor mir her in Richtung der spärlich beleucheten Plaza. Tags und nachts sind alle Esel grau. Das könnte ein Hinweis auf ihre Immunität hinsichtlich der frühen Stunden sein. Es ist vor fünf. Ich taumele schlaftrunken Richtung Bushaltestelle. Ein Rudel Straßenhunde kommt von hinten angaloppiert. Auch sie sind erstaunlich wach. Aber bei aller Müdigkeit, ich bin sicher, es macht Sinn, den ersten Bus nach Quilmes zu nehmen. Ich erhoffe mir auf diese Weise auf dem Rückweg einem Fußmarsch in der glühenden Mittagshitze zu entgehen.

5 Kilometer Frühsport

Vor mir liegt eine staubige Schotterstraße. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, die die Straßenkreuzung, an der mich der Bus ausgesetzt hat, mit der Ausgrabungsstätte Quilmes verbinden. Mein heutiges Interesse gilt den Resten einer der größten Indianersiedlungen, die seit der Invasion der Spanier verlassen ist. Die Quilmes Indianer wurden damals als Folge ihres zähen Widerstands in die Nähe von Buenos Aires zwangsumgesiedelt. Dort zeugt ein Ort namens Quilmes bis heute von dieser Maßnahme und dem Untergang dieses Volkes. Trotz des schweren geschichtlichen Hintergrunds wird in dem der Hauptstadt benachbarten Quilmes heutzutage ein eher fröhliches Gewerbe betrieben. Hier wird das argentinische Nationalbier gleichen Namens gebraut: Quilmes.

Ich aber bin gerade an der Ursprungsstätte des Volkes der Quilmes im Nordwesten Argentiniens, in der äußersten Ecke der Provinz Tucuman. Um 8 Uhr soll die Ausgrabungsstätte ihre Pforten für Besucher öffnen. Wenn ich jetzt munter ins Blaue marschiere, werde ich mit Sicherheit eine der ersten sein.

Man könnte in Versuchung kommen zu glauben, so ein einsamer Weg am Morgen auf einer unbefestigten Straße wäre öde, ich aber genieße die morgendliche Dramatik. Hinter mir bricht aus dem Blaugrau der Wolken die Sonne in Strahlen herab. Vor mir buckeln die Berge. Die hintereinander geschichteten Bergzüge sind klar in helle und dunkle Partien getrennt. Das Bild wirkt aufgeräumt. Parallel zur Straße verlaufen Strommasten und zeichnen ihren Verlauf nach. Auf den Kabeln sitzen zwitschernde Vögelchen wie halslose Noten auf ihren Linien. Ich versuche ihre Melodie nachzusummen, und während ich noch überlege, wo ich die zwei fehlenden Linien plaziere, welcher Notenschlüssel die Zeile anführt, und wie sich wohl die Notenwerte definieren, zerreißt ein fernes Knattern die meditative Stille. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis das spuckende Gefährt um die einzige Ecke biegt, die ich bisher passiert habe. Meine Vermutung, es handele sich um einen Traktor oder ein Gefährt ähnlicher Dimension, wird enttäuscht: Ein Moped. Gefährt und Fahrer sind bereits älteren Baujahrs. Er trägt, das ist ungewöhnlich, Helm, allerdings halsbrecherisch nackenlastig. Noch lange werde ich vom Decrescendo des knallenden Zweirads begleitet.

Puzzleteil

Als ich in Quilmes einmarschiere, hat es gerade 8 Uhr geschlagen, der Museumsbereich ist noch geschlossen, aber ich werde bereitwillig mit einer Eintrittskarte für die Ruinen ausgestattet. Sie ziert ein Foto, das mich in seinen Bann zieht. Ein Blick aus der Vogelperspektive zeigt die klaren geometrischen Grundrisse der Ruinen. So will ich das auch sehen und beschließe, die sich dem Gelände anschließenden Berge hochzuklettern, um nach dieser Aussicht zu suchen. 5 Kilometer Frühsport auf flachem Gelände waren noch nicht genug. Auf geht`s!

Ich nehme den erstbesten Berg hinter der Siedlung in Angriff und klettere an den Mauern entlang, durch Eingänge hindurch, an Kandelaberkakteen vorbei, immer aufwärts. Die Kakteen, die beim Blick ins Tal im Gegenlicht stehen, tragen einen hellen Lichtkranz und sehen verwirrend flauschig aus. Immer wieder prüfe ich rückblickend die Aussicht, vergleiche sie mit dem Foto. Nach einer Weile muss ich mir eingestehen, dass ich den falschen Berg erwischt habe. Es mag unsinnig erscheinen, exakt dieses Bild in einem ausgedehnten Gelände aufspüren zu wollen. Wozu? Es erfüllt den Augenblick mit dem Sinn, mich, samt meiner in meinen verschwitzten Händen inzwischen aufgeweichten Eintrittskarte, wie ein Puzzleteil in diese Ruinenlandschaft einzufügen. Die Aussicht ist schön, aber ich passe einfach noch nicht rein.

Mein zweiter Versuch führt mich auf einen Nachbarberg, und auf dem Weg nach oben bieten sich viele weitere wunderschöne Ausblicke: Kreise, Quadrate, Rechtecke breiten sich labyrinthisch unter mir aus. Sie erinnern an ein riesengroßes Bauklotzsortiment. Die Anlage aus Wohnhäusern, Getreidespeichern, Friedhof und Verteidigungsanlage ist hinsichtlich Größe und Klarheit der Formen wirklich beeindruckend. Nach der Unterwerfung der Quilmes im 14. Jahrhundert durch die Inka haben sie in Punkto Architektur eine Menge von ihren Erobereren gelernt. Diese Steine sind perfekt geschichtet.

Ich stutze, noch zwei Schritte nach rechts, und siehe da, mein zweiter Versuch hat mich auf den richtigen Berg geführt. Ich habe das Bild gefunden! Meine frühe Anreise belohnt mich mit einem menschenleeren Ausblick. Während die ersten Touristenbusse ankommen und ihren Inhalt in das steinerne Labyrinth spucken, sitze ich hoch oben am Berg und genieße. Niemand scheint Interesse zu haben mir nachzueifern. Mich wundert das, denn schließlich sollten sie alle wissen, was sie verpassen. Mein Blick fällt auf meine inzwischen ziemlich zerknautschte Eintrittskarte.

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² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

Auf dem Weg nach Quilmes. MorgenmelodieAuf dem Weg nach Quilmes. Morgendliche LichtorgelAuf derm Weg nach Quilmes. Dramatischer TuschAuf dem Weg nach Quilmes. Lange PauseAuf dem Weg nach Quilmes. LiedchenAuf dem Weg nach Quilmes. TonlosAuf dem Weg nach Quilmes. Berge buckelnAuf dem Weg nach Quilmes. Bergbuckel mit TonwiederholungAuf dem Weg nach Quilmes. Weitere Bergbuckel mit zweiter   TonwiederholungAuf dem Weg nach Quilmes. Frühgezwitscher mit SolitärAuf dem Weg nach Quilmes. Stachelige SchönheitenQuilmes. Stachelige contra Morgensonne mit VögelchenQuilmes. Die Ruinen erstrecken sich über ein weites Terrain.   Ursprünglich, mutmaßt man, handelte es sich um zwei StädteQuilmes. Steinernes LabyrinthQuilmes. Mausebauten. Durch Mauerdurchbrüche sind die verschiedenen   Grundrisse verknüpftQuilmes. Quadrate, Kreise, RechteckeQuilmes. Kaktus, König der RuinenQuilmes. König, Off-CenteredQuilmes. Erster Bus im LandeanflugQuilmes. Aussicht über MauerkanteQuilmes. Gesucht und gefunden!
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Friederike von Bistram
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Hamburg
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Alle Reisen von Friederike von Bistram

Südamerika Rundreise

Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.