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Die Welt steht Kopf

30.08.2007 |

Kühle Luft schlägt mir entgegen. Ich rieche Winter! Es ist 10:30 Uhr Ortszeit. Ich stehe hundemüde aber zufrieden vor den Toren des Flughafens Ezeiza, Buenos Aires, und bestaune das helle Himmelblau. Ich kenne es. Es ist dem der Nordhalbkugel verblüffend ähnlich, wenn die Wintersonne ihr Zepter schwingt und erfolgreich alle Wolken aus ihrem Wirkungskreis verbannt hat. Das Jahr 2007 hält einen zweiten Frühling und Sommer für mich bereit!

Winterschlussverkauf

Warm in Fleece verpackt, habe ich ein gutes Stündchen in der Hängematte auf meinem Balkon geruht, und nun treibt mich der Hunger und die Neugierde wieder unter Menschen. Im Wohnzimmer des Hostels stolpere ich über Martina, eine Studentin aus Hamburg, die gerade ebenfalls im Begriff ist, das Haus zu verlassen. Wir zögern nicht lange und tragen unsere knurrenden Mägen gemeinsam zum nächstbesten Futtertrog.

Ich profitiere von einer ersten praktischen Einführung in meine neue Umgebung, in das Straßensystem und die ungeschriebenen Gesetze im Straßenverkehr, inklusive der Tipps, wie man als Fußgänger am sichersten eine Kreuzung überquert. Beim Blick in die Speisekarte erfahre ich, dass „Geflügel“ in Argentinien nicht unter „Fleisch“ zu finden ist, denn nur ein ordentliches Rindersteak darf sich so nennen. Und ich bin froh, dank Martinas Sprachkenntnissen nicht schon während der ersten Stunden in den „Taubstummenzustand“ zu verfallen, dem man geweiht ist, wenn man wie ich so gut wie kein Wort Spanisch spricht.

Eine Hand wäscht die andere: Im Gegenzug stürze ich mich mit ihr in den Winterschlussverkaufsrausch und stehe ihr beratend beim Kauf von zwei Kostümen zur Seite. Martinas Feldzug in meiner Begleitung verläuft erfolgreich. Ich kaufe nichts, denn der Platz in meinem Rucksack ist begrenzt, vor allem aber die Kraftreserven, die ich habe, um ihn quer durch Südamerika zu schleppen. Ich vertage mein Shoppingerlebnis auf den Sommerschlussverkauf in ein paar Monaten, bevor ich von Buenos Aires wieder nach Europa zurückfliegen werde.

Zum jetzigen Zeitpunkt genieße ich es, mich einfach treiben zu lassen, in den Menschenmassen mitzuschwimmen und den Straßenkünstlern und Passanten zuzusehen. Wir befinden uns im sogenannten Microcentro der Stadt, flanieren auf der Avenida Florida von Süden nach Norden. Die Avenida Florida ist die Hauptgeschäftsstraße dieses Viertels. Hübsch im Sinne von pittoresk ist sie nicht, im Gegenteil, sie liegt im Schatten der sie begrenzenden Hochhäuser, eine schmale Schlucht, in der sich ein Geschäft an das nächste reiht. Das Straßenbild ist alles andere als homogen, es ist bunt und busy. Allenfalls die „Galerias Pacifico“, ein großes Einkaufszentrum in einem restaurierten Gebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert, verleiht dieser Gegend einen Hauch von Eleganz. Trotzdem ist die Avenida Florida in Buenos Aires etwas wirklich Besonderes: Sie ist neben der Avenida Lavalle, die sie auf halber Höhe kreuzt, die einzige Fußgängerzone im Zentrum der Stadt. Dabei erstreckt sie sich von der Avenida Cordoba im Norden über die Avenida Corrientes bis zur Avenida de Mayo im Süden. Das sind zehn Blocks autofreier Konsumtempelei. Ich genieße es für den Moment, nicht auf den wildgewordenen Verkehr achten zu müssen.

Es gibt einen Kommentar.
Deine Meinung?

  1. hallo Friederike
    Dein Wagemut und die Planung über 10 Monate ist schon bemerkenswert.
    Die eindruckvollennen jetzt vorliegenden Fotos versprechen viel.Gespannt bin ich auf die Bilder aus Bolivien.Vor xx Jahren besuchte ich eine Messe in Santa Cruz nahe dem Chacco. Wie mag es dort aussehen . Bei der Landung in La Paz bekam ich im ersten Moment wacklige Füße. Sohn Thilo machte vor Jahren eine Entdeckungsreise von Buenos Aires bis in de Anden.
    In Höhenscheid sind wir uns mit Deinen Eltern begegnet. Good Luck Wolfram

    sagte Wolfram u. Karin von Boxberg-Bistram am 14.04.2008 um 18:49 Uhr #

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* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

Avenida Florida. Pelz- und Lederwaren an jeder Ecke.Mobile Außenwerbung Nummer 1. In den Startlöchern.Mobile Außenwerbung Nummer 2. In Aktion.Mobile Außenwerbung Nummer 3. Abmarsch, die Autos kommen!Hostel. Mein Balkon.Hostel. Meine Hängematte.
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Friederike von Bistram
Alter
32
Ort
Hamburg
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Alle Reisen von Friederike von Bistram

Südamerika Rundreise

Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.