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Rückkehr zu den Urubus

16.10.2007 |

Ich habe von den Viechern geträumt, und ich will sie ins Bild setzen. Sie gehen mir, seit ich sie gesehen habe, nicht mehr aus dem Kopf, die großen schwarzen Gesellen mit dem dunklen Gefieder und den fingerartig endenden gigantischen Schwingen. Inzwischen kenne ich ihren Namen, der allerdings ist so finster wie sie selbst: Urubu. Mit meiner Vermutung, es handele sich um Karnivoren, lag ich goldrichtig. Es sind Geiervögel, Aasfresser. Sie leben monogam und bebrüten gerade mal die exklusive Anzahl von zwei Eiern. Die Schwingen der brasilianischen schwarzen Urubus haben laut ornithologischer Beschreibung eine durchschnittliche Spannbreite von 1,50 Meter. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Urubus auf der Insel San Martin sich so wenig an diese Wachstumsgrenze halten wie an die Grenzsteine zwischen Argentinien und Brasilien. Sie sind gigantisch.

An den Felsen der Urubus bin ich auch heute wieder allein, keine Menschenseele ist zu sehen. Sintflutartige Regenfälle hielten erst mit dem Glockenschlag um zwölf Uhr mittags inne, und vermutlich hatten die meisten potentiellen Touristen einen Besuch im Nationalpark zu dieser Uhrzeit bereits für gescheitert erklärt. Momentan scheint der Himmel einigermaßen dicht zu halten. Die Urubus sitzen heute nicht mit hochgezogenen Schultern auf den Felsen, sondern hängen einzeln oder in Gruppen in den Bäumen und lüften und putzen ihr Gefieder. Hin und wieder unterbricht ein gespenstisches Flattern die Stille. Scherenschnittartig präsentieren sich mir die schwarzen Giganten vor dem gleichmäßigen Grau des bewölkten Himmels.

Ich bin ehrlich beeindruckt, sowohl von den großen Vögeln, als auch von der finsteren Szenerie, die selbst ohne Regen eher dem Ausschnitt aus einem Märchen als der Realität gleicht. Wer sagt mir, dass hier nicht Otfried Preußlers Geschichte von Krabat, eine Geschichte nach einer sorbischen Sage über elf in Raben verwandelte Zauberlehrlinge, die regelmäßig zum Jahreswechsel einen aus ihren Reihen einbüßen, ihre wahre Entsprechung gefunden hat und in ein größeres Federkleid geschlüpft ist? Krabat in groß, für Erwachsene sozusagen. Bei diesem Gedanken sträuben sich mir die Nackenhaare. Ich habe eine hoffnungslos blühende Phantasie.

Ein ?Eins, Zwei, Eins, Zwei? reißt mich aus meinen Gedanken. Ich höre sich mir eine Menge Fußgetrappel nähern. Eine Patrouille im Gleichschritt. Möglicherweise kommen jetzt gleich die sieben Zwerge um die Ecke und grüßen freundlich. Ich mache mich auf, um ihnen entgegen zu gehen. An der ersten Treppe stoßen wir aufeinander. Da die Treppe zu schmal ist, um in zwei Richtungen gleichzeitig begangen zu werden, warte ich unten und lasse sie alle an mir vorbeiziehen. Es sind deutlich mehr als sieben, aber eine gewisse Ähnlichkeit mit den sieben Zwergen ist ihnen nicht abzusprechen. Sie stecken in braunen Uniformen mit orangenen Halstüchern und tragen dicke Pflöcke vor sich her, die sie auch unter erschwerten Bedingungen auf der Treppe immer auf den zweiten Schlag auf den Boden zu stampfen versuchen. Sie tun das mit einer Ernsthaftigkeit, als geriete ihr Herzschlag außer Kontrolle, hielten sie diesen Takt nicht. Trotz aller Konzentration grüßen sie sehr freundlich, wie erwartet, und je länger der vielgliedrige Tausendfüßler wird, desto weniger kann ich mir ein breites Schmunzeln verkneifen. Sie lachen zurück: Pfadfinder!

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Friederike von Bistram
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Südamerika Rundreise

Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.