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Es regnet, es regnet, die Erde wird nass

15.10.2007 |

Gerade habe ich ein Schild passiert, das mich streng auf den Weg verweist, hier gibt es Schlangen. Ich verzichte darauf, meine Hände in das dichte Grün des Dschungels rechts und links des Weges zu stecken und stapfe geradeaus weiter. Es gießt in Strömen. Bei diesem Prachtwetter hatte außer mir anscheinend niemand Lust auf die Insel San Martin übergesetzt zu werden. Es ist menschenleer. Eine Insel ganz für mich und mehr Wasser als die Vorstellung erlaubt: Wasser rundherum! Und Unmengen von oben! Seit Stunden prasselt Sturzregen mit schwankender Intensität auf mich nieder. Seitwärts donnern die Wasserfälle, und von unten spritzen die unvermeidbaren Pfützen, deren Wasserstand von Minute zu Minute wächst. Unglaublich. Ich rieche, schmecke, höre, sehe und spüre Wasser! Trotz meiner vermeintlich wasserdichten Rundumverpackung bin ich inzwischen fast flächendeckend durchgeweicht. Ich war mir darüber im Klaren, dass ich heute mit naturgewaltigen Wassermassen konfrontiert würde, aber nun weiß ich, selbst Superlative lassen sich noch steigern. Mit Superlativen geizen die Wasserfälle von Iguazu nicht: Am größten, am höchsten, am schönsten? Sie sind mit ihrer Ausdehnung über eine Front von 3 Kilometern und um die 270 einzelnen Wasserfällen breiter als die Victoria-Fälle und mit ihrer Sturztiefe von bis zu 90 Metern höher als die Niagara-Fälle. Die 250.000 Hektar saftigen tropischen Regenwaldes, in die sie eingebettet sind, bieten diesem Wasserspektakel eine Kulisse, die an Schönheit nicht so leicht zu überbieten ist. Momentan sorgt der strömende Regen dafür, dass die verschiedenen Grüntöne noch satter leuchten. Die Blätter sehen aus, als hätte man sie in Lack getaucht. Aber aus der Traum vom Foto mit buntem Regenbogen vor den strahlenden Wasserfällen. Ich versuche mich mit dem Gedanken zu trösten, dass diese Regenbogenbilder von Touristen tausendfach auf unzähligen Speicherchips nach Hause getragen und auf Myriaden von Postkarten in die Welt gestreut werden. Meine Bilder sind anders. Der Himmel ist mausgrau und das Wasser überall: Trotz meiner unermüdlichen Versuche die Linse tropfenfrei zu halten, sind viele Fotos gepunktet wie Marienkäfer. Ich erkläre den Tupfenlook zwangsläufig zum Stilmittel. Wasser in allen Dimensionen.

Meine Langmut gegenüber den Eskapaden des Wassers allerdings hört auf, als ich feststellen muss, dass meine Kamera trotz des sorgsam gebastelten Regenmäntelchens aus Plastiktüten kurz vor dem Exitus steht. Auf Knopfdruck reagiert sie nur noch bedingt. Das Display weist Streifen auf, und der Sucher ist quasi blind. Die mühsam und aufgrund der wasserbetankten Elektronik nur noch zufällig ausgelösten Bilder zeigen, die Linse ist noch blinder: Das Bild ist weiß wie Schnee! Dabei sitzen vor mir auf schwarzem Fels eine Menge finsterer Gestalten, die ich gerne porträtieren würde: Schwarz sind sie, nicht weiß, riesige nachtschwarze Vögel! Sie kauern reglos auf dem nackten Stein ganz in meiner Nähe und wirken mit ihren hochgezogenen Flügeln reichlich empört über die von oben hereinbrechenden Wassermassen.

Die Szenerie spielt am Ende einer Sackgasse des Wegesystems auf der Insel San Martin. Von dort fällt der Blick in eine Schlucht. Im Hintergrund ragt eine Felswand viele Meter in den Himmel, auf deren Kante Bäume balancieren, die ebenfalls von großen schwarzen Vögeln bevölkert sind. Ich hatte diese vogelbehangenen Bäume bereits heute morgen auf einem der Panoramawege von Weitem gesehen. Jetzt sind sie ganz nah und die finsteren Flattermänner auch. Sie sind urig und scheußlich zugleich. Ich bin sicher, dass sie nicht zu den Vegetariern dieser Welt gehören. Das hier sind gigantische Geiervögel. Ich gestatte mir angesichts dieser Gesellen und der grauen, einsamen und wassergetünchten Szenerie ein kleines bisschen Gänsehaut, weise aber meine Phantasie in ihre Schranken und mache mich ohne Porträts der schwarzen Riesen auf den Rückzug.

In der Damentoilette pusten die Handtrockner im Dauerbetrieb. Auch aus dem Herrenklo hört man das Dröhnen des heißen Windes. Unter wilden Verrenkungen und Flüchen versuchen sich die Menschen mithilfe der Handtrockner wieder halbwegs trocken zu legen. Ein mehr oder weniger hoffnungsloses Unterfangen. Auch ich bin klatschnass, aber halte einen Trockner besetzt, um geduldig alle Einzelteile meiner Kamera zu föhnen. Mit Erfolg: Sucher und Linse erholen sich. Die Elektronik spinnt noch ein bisschen, und das Display hat weiterhin Streifen. Da hoffe ich auf Langzeitwirkung der Durchtrocknung ohne Heißluftzusatz, denn in meinem Reisegepäck gibt es keinen Föhn.

Letztendlich bin ich einfach zu nass und zu müde um mir ernsthafte Sorgen zu machen. Ich will auf dem kürzesten Weg zu einer heißen Dusche! Und danach wünsche ich nichts weiter, als mich den Abend lang an ein, zwei oder drei Tassen heißen Tees festzuhalten. Was für ein beeindruckender, wassernasser Tag!

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* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

Río Iguazu. Blick von der Garganta del Diablo flussabwärts. Der Regen   setzt ein...Iguazu. Auf der Kante zum Teufelsschlund mit Blick auf die   gegenüberliegenden FälleIguazu. Garganta del Diablo. Die 90 Meter Tiefe hört man mehr, als dass   man sie sieht...Iguazu. Menschenmassen an der Garganta del Diablo mit aufgebocktem   In-den-Schlund-FotografRío Iguazu. Blick flussabwärts. Trügerisch stille Wasser kurz vor der   Sturzkante an der Gargante del DiabloIguazu. In Plastik verpackte Touristen auf dem Steg zur Garganta del   Diablo noch vor dem großen RegenRío Iguazu. Blick flussaufwärts. Links liegt Brasilien, rechts   ArgentinienRío Iguazu. Insel San Martin und die gleichnamigen Fälle einschließlich   ihrer Brüder Salto Mbigua und Salto Bernabé MendezIguazu. Finstere Stimmung auf der Insel San Martin mit Blick auf die   gleichnamigen FälleIguazu. Auf der Insel San Martin. Blick durch GitterstäbeIguazu. Drei grüne Pinselbäume vor vielen Litern Wasser am Salto San   MartinIguazu. Mehretagiges Blattwerk mit düsterem Blick auf die Insel San   Martin und die benachbarten FälleIguazu. Anstatt vom Regenbogen umarmt, vom Baum gerahmtIguazu. DschungelgewächskompositionDschungel. Tapetenmuster 1Dschungel. Tapetenmuster 2Dschungel. BlattskelettDschungel. MarionettenhändeDschungel. WrapIguazu. Pitschnasser Coatie mit Floh hinterm OhrIguazu. Aber Müll räubern kann er noch...
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Alle Reisen von Friederike von Bistram

Südamerika Rundreise

Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.