



Südamerika Rundreise
Suchbild mit Fehler
07.10.2007 |
Die Landschaft zieht an mir vorbei, ein paar Regentropfen auf der Busscheibe trüben die Sicht. Aber sie reicht aus, um festzustellen, dass das Land dort draußen sehr vertraut wirkt: Hügeliges Weideland auf dem schwarzbunte Kühe Gras rupfen. Die einzelnen Weideflächen sind durch Knicks, wie man sie aus dem norddeutschen Raum kennt, getrennt. Kleine Wälder lockern das ebenmäßige Grün der Weiden auf. Ich hatte mir Uruguay exotischer vorgestellt.
Ich bin unterwegs in den Osten des Landes, an die Küste, und träume von einsamen Stränden und gutem Wetter. Während der vergangenen zwei Tage wurde ich in Montevideo mit einer achtundvierzigstündigen Sintflut konfrontiert. Badewannenweise schwappte das Wasser über die Stadt, begleitet von einem ebenso ausdauernden wie heftigen Gewitter. Anstatt mir in aller Ruhe die Stadt anzugucken, war ich damit beschäftigt, meine Haut zu retten und sie mehrfach am Tag trocken zu legen.
Je weiter wir in den Osten des Landes vordringen, desto mehr verflüchtigt sich der Regen und die Sonne übernimmt die Herrschaft. Der Name der Busgesellschaft, die mich gerade transportiert, hält also, was er verspricht: Rutas del Sol! Und noch etwas verändert sich. Die sanft geschwungenen Weideflächen setzen sich fort, aber vereinzelt tauchen Palmen im Landschaftsbild auf. Mit jedem Kilometer weiter gen Osten steigt die Anzahl pro Quadratkilometer. Und der Wuchs der Palmen streckt sich, die Stämme werden länger. Irritierend ragen die Palmpinsel aus meinem so vertraut gewähnten Bild.
Zum Teufel mit mir
Punta del Diablo heißt das Fischer- und Feriendörfchen scheinbar am Ende der Welt, in dem mich der Bus am Rande der nicht asphaltierten Hauptstraße aussetzt. Außer mir fahren alle Passagiere geschlossen bis zur brasilianischen Grenze weiter. Es ist Nebensaison. Die Bars und Kioske sind geschlossen, die meisten Ferienhäuschen stehen leer, vermutlich bin ich die einzige Gringa im Ort. Ich werde beäugt. Aber die Bewohner dieses kleinen Ortes verstehen es, ihre Neugierde in freundliche Zurückhaltung zu kleiden. Niemand drängt sich mir auf, um mir eines seiner Häuschen anzudrehen. Dabei hätte ich gerne eines!
Meine Begegnung mit Walter ist ein Glücksfall und ändert die Lage. Walter verwaltet eine Handvoll Cabañas, er bietet mir eine Unterkunft an. Was für den einen eine Hütte, ist für den anderen eine Villa! Vier Wände für mich und mehr Platz als genug. Es gibt drei Räume ähnlicher Dimension zum Wohnen, Schlafen und Kochen plus ein kleines Bad mit fließend warmem Wasser. Letzteres übersteigt bei weitem meine Erwartungen. Das ändert nichts daran, dass mir die wenig wassergeschützte Kabelkonstruktion des elektrischen Warmwasserbereiters in der Nasszelle einigermaßen abenteuerlich erscheint. Der gaskartuschengefütterte Herd in der Küche ist nichts dagegen. Meine Villa hat Campingcharme und ist, zugegeben, trotz des von mir vergebenen Villentitels, rundum ein klein wenig schmuddelig. Der Bezug der Matratze gleicht einem Schweizer Käse, und in allen Decken, Gardinen und dem einzigen vorhandenen Küchenhandtuch hängt der dezent moderige Geruch von dauerhafter Feuchtigkeit. Der sympathische Duft des Kamins aber adelt die Luft. Der massive Holztisch in der Küche bekommt auf den ersten Blick die Rolle als Lebensmittelpunkt zugeteilt, und das Hirschgeweih auf der mintgrünen Wand im Wohnzimmer hält auf liebenswert komische Art Zwiesprache mit einem mit Delphinen bedruckten Wandbehang gegenüber. Ein kleines Radio sorgt für akustische Beschallung meiner Gemächer mit lateinamerikanischer Gute-Laune-Musik.
Als ich in einem Moment der Unachtsamkeit über das Kabel stolpere, herrscht abrupte Stille – ich höre die Wellen! Erstaunt reiße ich alle Fensterläden und Fenster auf: Ich sehe das Meer, ich rieche es, und lausche. Fünf Schritte aus der Haustür und ich bin am Strand. Der Himmel ist blau und wirkt in seiner Wolkenlosigkeit surreal. Das Meer schmarotzt von des Himmels Farbe und leuchtet bis zum Horizont. Weiße Wellenkrönchen reiten wie Sahnehäubchen auf dem blauen Fond. Und eine Handvoll in Neopren verpackter Männlein versuchen es ihnen gleich zu tun. Ich muss an den Strand, durch den Sand stieben, die Dünen rauf und runter, und Purzelbäume schlagen. Ich habe mich selbst zum Teufel gejagt und bin im Paradies auf Erden!
Es gibt 3 Kommentare.
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- Name
- Friederike von Bistram
- Alter
- 32
- Ort
- Hamburg
- Webseite
- ---
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Südamerika Rundreise
Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.









Liebe Friedi!
Wo bist Du eigentlich inzwischen? Hier in Deutschland werden fleissig Laternen gebastelt und die Winterklamotten rausgekramt. Das Wetter ist so stürmisch in Hamburg, dass man es sich nur mit einem guten Buch und einer Tasse Tee auf der Couch gemütlich machen kann.
Bis bald wieder
Deine Melanie
sagte Melanie am 10.11.2007 um 21:23 Uhr #
Liebe Friedie, das kann ich so wichtig nachvollziehen: wie Du in dem muffigen dunklen Raum die Fesnter aufstößt und Himmel, Sonne und Meer mit all ihren Gerüchen und Geräuschen hereinströmen.
Hier lernen unsere Enkel ihre Rollen für das Krippenspiel. Und gleichzeitig buchen wir die Fähren für den Sommer in Schweden und Finnland. Viel Grüße an den Frühling
Dein Kaj
sagte Kaj Wechterstein am 16.11.2007 um 18:56 Uhr #
Liebe Friedie,viele liebe Grüße aus dem graudiesigen Hamburg. Deine Berichte sind so lebendig und strahlen die ganze Wärme aus, die Du verspürst. Da ich mich gerade mit einer heftigen Erkältung herumschleppe, sind Deine mails wie Medizin für mich. Ich bin eine eifrige Leserin und freue mich auf Nachschub. Bleib gesund! Deine Madeleine
sagte Madeleine Gschwandtner am 20.11.2007 um 11:19 Uhr #