



Südamerika Rundreise
Flucht über den Fluss
03.10.2007 |
Mein Herz überschlägt sich fast vor Freude und stolpert mit mir mit. Zu meinen Füßen liegt das schroffste und faszinierendste Kopfsteinpflaster, das ich je beschritten habe: Felsen statt Steinen! Sie pflastern die Straßen einer kleinen Stadt, die gerade mal sechzig Kilometer von Buenos Aires entfernt ist, sechzig Kilometer auf dem Wasserweg. Colonia del Sacramento liegt quasi genau gegenüber von Argentiniens Hauptstadt, einmal quer über den Río de la Plata, in Uruguay.
Colonia wurde 1680 von den Portugiesen gegründet. Ehemals diente die Siedlung als Schmugglerhafen für den Handel mit dem nahegelegenen Buenos Aires. Sie war seit ihrer Gründung hart umkämpft. Ihre bewegte Geschichte erzählt von den steten Wechseln zwischen portugiesischer und spanischer Herrschaft.
Die Altstadt, die auf einer Landnase in den Río de la Plata ragt, wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Auf nur wenigen Quadratmetern reihen sich alte Festungsmauern, die Ruinen eines Franziskanerklosters und einer Jesuitenkapelle, ein kleiner Leuchtturm, ein alter Hafen und eine Menge gut erhaltener und gepflegter Kolonialarchitektur aneinander. Dazwischen wachsen von zwitschernden Vögeln bevölkerte Palmen und Platanen. Zur Krönung wird die Altstadt vom Wasser ringsum in glitzerndes Silber gefasst. Colonia ist ein schmuckes Kleinod und ein geschichtlich vibrierendes Fleckchen Erde. Und obwohl die Altstadt Colonias Mittelpunkt touristischen Interesses ist, lässt sich ihr kleinstädtischer Herzschlag nicht aus der Ruhe bringen. Hier sitzen die Menschen auf den Bänken vor ihren Häusern, grüßen freundlich, tragen ihre Mundwinkel über dem Äquator ihrer Lippen und schlürfen in aller Ruhe Mate. Es herrscht zufriedene Gelassenheit.
Während ich durch die Gassen schlendere, wird mir das Déjà-Vu bewusst: Ich fühle mich ähnlich und ähnlich glücklich, wie wenn ich von Hamburg für einen Wochenendausflug nach Lübeck fahre. Geht man ins Detail, hinkt dieser Vergleich, aber bildet man die Summe aus dem bewusst gewählten Wechsel von der Großstadt in die Kleinstadt und meinem Faible für malerische Gassen und geschichtsträchtige Mauern, kommt genau das gleiche Glücksgefühl heraus, egal ob der Grund für diesen Glückscocktail nun Lübeck oder Colonia heißt. Gerade fühle ich mich sehr wohl in meiner Rolle als verkapptes Landei und winke der untergehenden Sonne entgegen: Adios Buenos Aires!
Es gibt 3 Kommentare.
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- Name
- Friederike von Bistram
- Alter
- 36
- Ort
- Hamburg
- Webseite
- ---
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Südamerika Rundreise
Hallo! Ich bin Friederike, 31, und im „wahren Leben“ Grafikerin in Hamburg. In Kürze verlasse ich dieses „wahre Leben“ vorübergehend und tausche es gegen einen Traum: Ich werde für 10 Monate durch Südamerika reisen. Die Route ist offen, und wie sagt man so schön, der Weg ist das Ziel.
Ich möchte Spanisch lernen, Menschen begegnen, Tango tanzen, fotografieren und schreiben, Berge erklimmen, das Blau der Ozeane mit dem Himmel vergleichen und frische Luft atmen…
Letzteres wird wohl hintangestellt werden müssen, denn meine Reise beginnt in einer 12-Millionen-Metropole mit trügerischem Namen: Buenos Aires. Am 29. August geht es los, und schon am 3. September werde ich „eingeschult“, um meinen sehr überschaubaren Wortschatz, der sich bislang auf „Hola“ und „Un café con leche, por favor“ beschränkt, reisetauglich auszubauen.









Liebe Friedi,
du hast vollkommen recht, deine Kost schmeckt uns daheim gebliebenen sehr gut. Wir danken dir für die Freude, die du uns mit deinen Berichten machst.
Alles Gute weiterhin
von Nati und Manfred
sagte Renata u. Manfred Feinstein am 04.11.2007 um 18:55 Uhr #
Hallo Friedi, jetzt muß ich aber mal was sagen - Lübeck ist, per Definition und Einwohnerzahl, keine Kleinstadt - das habe ich Dir damals auch schon immer gesagt - im Vergleich zu Hamburg, ok, da schon, aber bitte keine Vergleiche mit Kleinstädten oder Landleben im Schwarzwald
sagte torsten donatius am 04.11.2007 um 23:05 Uhr #
Hallo Friedi,
juhu, da schlägt mein Herz auch gleich höher. Von dieser Stadt aus verließ ich vor zwei Jahren Uruguay. Ein herrliches kleines Städtchen. Ich bin ja gespannt, was sich so in der Zwischenzeit bei Dir ereignet hat, ob Du z.B. in den Thermalbädern warst oder schon auf einem Uruguayischen Gaul gesessen hast.... Immerhin sind seit dem Bericht ja (lt. Datum) schon wieder vier Wochen vergangen.
Eine weiterhin bezaubernde Zeit wünscht Dir Anke
sagte Anke am 05.11.2007 um 08:50 Uhr #