MyanmarMalaysiaTempel und Tiefenrausch

Frittierte Quallen und rote Tischtelefone

25.02.2010 |

Mein Kopf raucht, meine Füsse schmerzen. Ich weiss nicht ob es an der Hitze, dem Grossstadtlärm oder an der eigenartigen Fussmassage von gestern liegt. Kurze Realitätsmomentaufnahme eines Alleinereisenden.

Städte sind immer ein wenig schwieriger und vor allem einsamer. Ich wandere durch den Asphaltdschungel, durch gigantische Megamalls, um der gleissenden tropischen Sonne zu entgehen. Menschen aus allen Nationen flanieren durch diese Konsum- tempel. Hier ein kurzes Bild einer muslemischen Familie, Mann mit 3 Frauen in Burkas, die vor einem Unterwäschegeschäft stehen und sich neugierig das Schaufenster ansehen. Japansiche Mädchen in Strapsen, Miniröcken und gigantischen Absätzen, die kichernd und in Gruppen vor Schaufenstern mit Winkekatzen stehen. Weisse Travellerwaden, die geduldig bei Starbucks in der Schlange stehen, um sich den bekannten Mochachino zu bestellen.

Gestern Abend traf ich Matthew, den ich auf Tioman kennenlernte in einem Restaurant in Chinatown. Ein bizarrer Ort in einem bizarren Viertel. Eine von Neonlicht erleuchtete Ansammlung von Platikstühlen und Tischen. Ein alter Chinese sitzt wie regungslos vor einem Altar und raucht eine lange Pfeife. Der Inhaber dieser Lokalität, trägt Goldkette und Slipper mit weissen Socken. Es wird Countrymusik gespielt, das Essen schmeckt aber vorzüglich.

Ich schlendere mit Matthew über den Nachtmarkt und frage, mich warum alle Nachtmärkte in Asien zu 90% den gleichen Mist verkaufen. Winkekatzen, Turnschuhe, Fussballtrikots, falsche Uhren und Sonnenbrillen und natürliche jede Menge schmutzige Filme, die einem schmierige Typen anpreisen, in dem sie mir Bilder von nackten Asiatinnen unter die Nase halten. Matthew feilscht sein ungefähr einer halben Stunde, um 30 Cent mit einem chinesichen Verkäufer, der so aussieht, als würde er gleich in Tränen ausbrechen. Langzeitreisender halt, da machen 30 Cent wirklich was aus.

Die Taxitür schlägt zu, der nächste liebenswürdige, indische Taxifahrer kutschiert mich durch die Nacht. Das Taxi duftet nach Rosen oder ist das nur das Aftershave des Fahrers?

Ich besteige einen Aufzug in einem 5 Sterne Hotel, der Fahrstuhl spuckt mich im 52ten Stockwerk wieder aus, vor mir eine Dachterasse, ein Pool, die Skyline von Kuala Lumpur und die Kiddies der malayischen High Society. Ich bin der einzige Gast, der kein Hemd und keine teure Uhr trägt. Ich nehme Platz an der 10m langen Bar und bestelle ohne zu zögern einen Mojito. Der Drink kostet soviel wie eine Nacht in meinem Guesthouse. Scheiss aufs Budget denke ich, kippe den Drink runter und ordere gleich noch einen Zweiten. Dort sitze ich nun, irgendwo unter den Wolken in Kuala Lumpur, einen kühlen Drink in meiner Hand, vor mir eine tobende Menge junger, hübscher Menschen und den besten Blick auf die Petrona Towers.

12 Stunden später, erneuter Ortswechsel. Ich stehe vor einer schier unüberschaubaren Menge an Strassenständen irgendwo in Georgetown, Penang, Die Chinesin vor mir versucht mir geräucherte Quallen zu verkaufen, der Inder hinter mir zupft an meinen Hemd und preisst sein frisches Mutton Curry an, das malayische Ehepaar neben mir lächelt höflich und deutet auf einen dampenden Topf mit Suppe, die nach exotischen Gewürzen riecht und in der ein Hühnerfuss schwimmt. Praktisch diese globalen Essenstände, man muss nur stillstehen und die feinsten Speisen der Welt kommen von ganz alleine.

Ich entscheide mich einfach für alles, warum nicht ein eigenes panasiatisches Menü kreieren? Die Qualle schmeckt wässrig und fischig, gar nicht so übel aber die Konsistenz des "Fleisches" mag mir nicht munden, es ist als kaue man auf einer alten, eingelegten Socke. Das Curry, himmlisch, frisch und sauscharf, ich verschlinge es und weiss, dass ich es schon sehr bald bereuen werden, aber egal. Der Hühnerfuss gibt der Suppe einen gewissen Nervenkitzel, versuche ich doch, mein Süppchen zu schlürfen ohne dabei den Hühnerfuss zu entlarven. Glücklicherweise schmiegt sich eine Katze um meine Beine, die sich sehr über den Fuss aus meiner Suppe freut.

Ich besteige den nächsten Zug, der mich endlich wieder an einen Strand bringen wird, hinfort aus diesem wahnsinigen Gewühl asiatischer Metropolen. Die Fahrt dauert 12 Std, die mir mindestens doppelt so lange vorkommen, weil sich der Zug im Schneckentempo durch die Landschaft kämpft und weil der Schaffner ein leeres Bett hinter mir in Beschlag genommen hat, um zwischen den Stationen ein laut schnarchendes Nickerchen zu halten.

Ich erreiche viel zu spät das Stätdchen, in dem am nächsten Morgen meine Fähre wartet. Es ist kurz nach 2 Uhr Nachts und es regnet aus Eimern. Keine gute Ausgangssituation, um eine Nacht am Bahnhof zu verbringen, also steuere ich das erstbeste Hotel an und nehme mir ein Zimmer. Es ist nicht das Ritz, vielmehr die lokale Anlaufstation für die Fans der lokalen Ladyboyszene, was wahrscheinlich auch das puffrote Telefon in meinem Flokatizimmer legitimiert. Ich träume von Hühnerfüssen im Flokatigewand.

Inseln muss man sich verdienen, den Strand muss man wieder lieben lernen, daher sind solche Abstecher ins weltliche Getümmel anstrengend aber wichtig.

Alles Gute

Euer Martin

Es gibt 2 Kommentare.
Deine Meinung?

  1. Hallo Martin was ist los ? Ist Dir der Schreibstoff ausgegangen? Die ganze Welt wartet auf Deine Berichte.
    Mainz-1.FC Köln 1-0! Papa

    sagte Papa, Jürgen Zillger am 15.03.2010 um 15:10 Uhr #

  2. Hy Martin, Köln-Gladbach 1-1 + ein scheißspiel. Wann kommst Du zurück? Gr. Papa

    sagte Papa, Jürgen Zillger am 21.03.2010 um 15:11 Uhr #

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* muss sein, leider...
² sagen wir auch nich' weiter. Versprochen!

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donmartinberlin
hat nur 30 Bilder geschickt
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Berlin
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Tempel und Tiefenrausch

Von Malaysia nach Burma möchte ich reisen.
Entdecken möchte ich neue Unterwasserwelten und dann eine Zeitreise rückwärts in eines der letzten unverfälschten Länder dieses Planeten unternehmen.